
21.01.2011, 16:10 Uhr | Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland
Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer (Foto: ddp)
Eine Szene aus der ARD-Dokumentation "Der Drückerkönig und die Politik" über den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer darf zunächst nicht weiter gezeigt werden. Das Berliner Landgericht gab einem Antrag Maschmeyers statt, der ein Verbot der Passage forderte, in der NDR-Reporter Christoph Lütgert den AWD-Gründer um ein Interview bittet. Der NDR werde gegen diese Entscheidung Widerspruch einlegen, teilte der Sender am Freitag mit.
Die Dokumentation war am Mittwoch im Ersten Programm gezeigt worden. Maschmeyers Medienanwalt Matthias Prinz hatte bis zuletzt gegen die Ausstrahlung interveniert. Es gebe Zweifel an der journalistischen Sorgfaltspflicht des Films, da sein Mandant nicht Gelegenheit erhalten habe, angemessen zu Wort zu kommen. Es habe zwar immer wieder Interviewanfragen, aber keine konkreten Fragen gegeben, die sein Mandant gerne beantwortet hätte, hatte Prinz gesagt.
Dagegen sagte der NDR, die "Panorama"-Redaktion habe Maschmeyer mehrfach mit konkreten Fragen um ein Interview gebeten. Im Internet dokumentiert die ARD die Bitten um ein Gespräch. (http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/awd157.html).
Maschmeyer war bis zum 31. März 2009 Co-Vorstandsvorsitzender der von ihm gegründeten Finanzvertriebsgesellschaft AWD Holding AG. Die Dokumentation wirft ihm vor, durch falsche Beratung ungezählte AWD-Kunden um ihre Ersparnisse und Altersvorsorge gebracht zu haben.
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Stephan Wels, Leiter der Abteilung Innenpolitik beim NDR, sagte am vergangenen Dienstag bei der Pressevorführung in Hamburg, der Film liefere keine neuen nachrichtlichen Erkenntnisse, vielmehr handele es sich um "eine pointierte Zusammenschau" über Maschmeyer und seine Arbeit bei AWD. Unter anderem kommt eine Mitarbeiterin der Zeitschrift "Finanztest" zu Wort, die eine Einschätzung zu den Finanzprodukten und dem Beratersystem bei AWD abgibt.
Beleuchtet wird auch die Verbindung Maschmeyers zu prominenten Größen der deutschen Politik wie etwa Bundespräsident Christian Wulff (CDU), Ex-Arbeitsminister Walter Riester (SPD) und Politikberater Bert Rürup, der lange Zeit mit der Bundesregierung zusammengearbeitet hat.
Maschmeyer gründete 1988 den Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD). 2009 schied er aus dem Vorstand der AWD Holding AG aus. "Ungezählte AWD-Kunden klagen heute über den Verlust sämtlicher Ersparnisse und ihrer Altersvorsorge", heißt es in der NDR-Pressemitteilung zum Film. Mit dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Rürup gründete Maschmeyer im Januar 2010 die Beraterfirma MaschmeyerRürup AG. Er lebt mit der Schauspielerin Veronica Ferres zusammen.
Quelle: Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland
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