13.04.2012, 17:11 Uhr | dapd, dpa, dpa-AFX, t-online.de
Im Fall der insolventen Drogeriekette Schlecker melden Jobvermittler erste Erfolge: Hunderte von Ex-Beschäftigten hätten bereits neue Stellen, meldete die "Rheinische Post". Derweil drängen sich zwei große US-Investoren Medienberichten zufolge in den engen Favoritenkreis um den Kauf des Pleiteunternehmens. Zuvor wurde schon der osteuropäische Finanzinvestor Penta als Interessent bekannt gegeben. Aus dem Bewerberpool verabschiedet hatte sich jüngst der Schlecker-Konkurrent Rossmann.
Mittlerweile sollen rund 200 ehemalige Beschäftigte einen anderen Arbeitsplatz gefunden haben. Das ergab eine Umfrage der "Rheinischen Post" unter acht von neun Regionaldirektionen der Agentur für Arbeit. Anfang der vergangenen Woche hatten sich rund 8500 arbeitslos gewordene Verkäuferinnen bei den acht Arbeitsagenturen gemeldet. Diese konnten binnen sechs Arbeitstagen somit 2,3 Prozent von ihnen vermitteln.
Bei den zwei US-Investoren, die sich für Schlecker selbst interessieren, soll es sich um den Finanzinvestor Oaktree und einen weiteren amerikanischen Investor handeln, wie die "Lebensmittelzeitung" berichtete. Die Schlecker-Insolvenzverwaltung kommentierte dies auf Anfrage zunächst nicht. Bislang bestätigte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz lediglich, dass der osteuropäische Finanzinvestor Penta zum engeren Bewerberkreis gehört. Insgesamt gebe es sechs "ernsthafte" Bewerber.
Während sich ein Kreis aus Bewerbern ermittelt hat, sieht Dirk Roßmann, Firmenchef der zweitgrößten Drogeriekette Deutschlands, die Aussichten für Schlecker skeptisch. Der Drogeriemarkt sei hart umkämpft und der Preiswettbewerb im deutschen Einzelhandel extrem hart. "Wir hauen uns hier die Preise um die Ohren wie in keinem anderen Land der Welt." Dennoch hatte er im Januar ein grundsätzliches Interesse an der Übernahme von bis zu 80 Filialen von Schlecker oder deren Tochter IhrPlatz in guten Lagen wie Bahnhöfen signalisiert.
Ein von Arndt Geiwitz favorisiertes Gesamtgebot sei für ihn jedoch kein Thema, stellte Roßmann klar: "Ich habe gesagt, dass ich an einzelnen Standorten interessiert bin. Für große Lösungen steht Rossmann nicht zur Verfügung." Er könne sich aber weiterhin vorstellen, dass nach der Schließung von mehr als 2000 Filialen viele der gekündigten "Schlecker-Frauen" auch in seiner Firma unterkommen, sagte Roßmann. "Wie viele es werden, können wir konkret nicht sagen. Aber die meisten der gekündigten Mitarbeiter haben gute Chancen, in Deutschland einen Arbeitsplatz zu bekommen.
"Deutschlands zweitgrößte Drogeriekette Rossmann profitiert von der Insolvenz des Rivalen Schlecker und will zum neuen Branchenführer dm aufrücken. "Ich möchte nicht unbedingt die Nummer eins sein. Aber ich möchte immer so dicht dran sein, dass die Nummer eins meinen Atem spürt", sagte Firmenchef Dirk Roßmann bei der Vorlage der endgültigen Geschäftszahlen für 2011. Erstmals in der 40-jährigen Firmengeschichte knackte Rossmann die Umsatzmarke von fünf Milliarden Euro.
Schlecker war bis zu seiner Zahlungsunfähigkeit Mitte Januar die Nummer eins auf dem heftig umkämpften deutschen Drogeriemarkt. Der Umsatz war 2011 von brutto 6,55 Milliarden auf rund fünf Milliarden Euro eingebrochen, derzeit sind noch 13.500 Mitarbeiter beschäftigt. 11.000 Mitarbeiter verloren bei Schlecker ihren Arbeitsplatz.
Die von der Insolvenz der Muttergesellschaft Schlecker betroffene Drogeriekette IhrPlatz soll offenbar separat verkauft werden. Die die Unternehmensberatung Roland Berger habe den Auftrag für ein entsprechendes Konzept bekommen. Potenzielle Käufer für die ebenfalls zahlungsunfähige Firma aus Osnabrück seien bereits angesprochen worden.
Quelle: dapd, dpa, dpa-AFX, t-online.de
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