
07.05.2012, 13:53 Uhr | Financial Times Deutschland
Der europäische Flugzeugbauer Airbus plant zum Jahresende die Umstellung der Flügelproduktion seines Riesenmodells A380. Damit sollen die vor einigen Monaten entdeckten kleinen Risse im Inneren der Tragflächen künftig vermieden werden. Die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA will wiederum in der Angelegenheit laut einem Sprecher "etwa Ende Mai eine neue Sicherheitsanweisung veröffentlichen". Statt der Anfang Februar verkündeten Einmalprüfung der Tragflächen nach 1300 Flügen ist die Einführung regelmäßiger Prüfintervalle geplant.
Zudem steht noch die Zertifizierung der endgültigen Reparaturlösung und der neuen Produktionsmethode an. "Was genau wir Ende Mai vorlegen, ist noch offen", sagte der Sprecher. "Wir verstehen jetzt viel besser die Ursachen und können darauf gezielt reagieren." Die Flugsicherheit sei somit weiter gewährleistet.
Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath bestätigte mittlerweile die Materialumstellung. "Wir kennen inzwischen sehr genau die Ursache für die Probleme und wie sie zu beheben sind", sagte er. Wegen eines Materialfehlers war es zu feinen Haarrissen an Klammern in den Tragflächen gekommen. Sie werden im Laufe der kommenden Monate und Jahre bei den bereits fliegenden 73 Maschinen vom Typ A380 ausgewechselt. Der erste Neubau mit dem modifizierten Bauteil wird ungefähr nach einem Jahr Ende 2013 ausgeliefert.
Ungewiss bleibt, wie hoch die finanziellen Belastungen für Airbus aus dem Produktionsfehler ausfallen werden. Klar ist: Die endgültige Lösung für die Flügelprobleme des A380 sind für Airbus, den Mutterkonzern EADS und die Fluggesellschaften von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. In die Bilanz 2011 hatte EADS bereits 105 Millionen Euro Kosten für erste Reparaturen eingestellt.
Unternehmenskenner erwarten weitere Belastungen. So gibt es bei großen A380-Kunden Verärgerung über das technische Malheur. Zwar wird Airbus wegen der Herstellergarantie die Reparaturen bezahlen. Die Fluggesellschaften fordern aber zudem Schadensersatz etwa für Umsatzausfälle während der Reparaturzeit des A380. Anfang März sprach Emirates-Chef Tim Clark von einer Forderung von 90 Millionen Dollar. Die Fluggesellschaft Qatar Airways drohte jüngst damit, die Abnahme ihrer ersten A380-Modelle im nächsten Jahr zu verschieben, falls sie nicht die neue Flügeltechnik bekämen. "Das Thema zusätzlicher Kompensation wird heiß diskutiert", sagt ein A380-Kunde.
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Airbus will nach Angaben eines Sprechers im vierten Quartal die Flügelproduktion so ändern, dass damit das Rissproblem behoben ist. Derzeit treten in einem begrenzten Teil der Tragflächen kleine Risse in den sogenannten Rippenfüßen aus einer speziellen Metalllegierung auf. Davon sind etwa 4000 pro Flieger verbaut. Airbus und die Luftaufsichtsbehörde EASA hatten mehrmals betont, dass die Sicherheit des Flugzeugs trotz der Risse nicht gefährdet ist.
Airbus hat die Produktion des A380 zur Vorbereitung der technischen Änderungen bereits leicht von rechnerisch 2,7 auf 2,3 Flugzeuge pro Monat gedrosselt. Das Ziel von 30 Auslieferungen in diesem Jahr gilt aber weiter. Insgesamt haben Kunden bislang 73 Maschinen erhalten. Derzeit liegen von 20 Kunden zusammen rund 260 Festbestellungen für das größte Passagierflugzeug der Welt vor. 2014/15 soll das Modell erstmals einen Gewinn erbringen. Derzeit steigt noch der nicht bezifferte Gesamtverlust des Flugzeugs, das seit fast fünf Jahren ausgeliefert wird.
In der Branche heißt es, dass um den 110. A380-Flieger erstmals die neue Flügeltechnologie zum Einsatz kommt. Geplant sei unter anderem eine andere Metall-Legierung für die Halteklammern in den Tragflächen. "Die Lösung wird das Gewicht des Flugzeugs nicht erhöhen. Die volle Einsatzfähigkeit bleibt gewährleistet", sagt ein A380-Experte.
Dies ist eine erfreuliche Botschaft für die Fluggesellschaften. Sie hatten Sorge, dass die technischen Änderungen im Innenleben der Tragflächen zu einem Mehrgewicht von grob 90 Kilo führen könnten. Das hätte den Treibstoffverbrauch erhöht. Bei einer Umstellung der Flügelproduktion zu Ende 2012 dürften die ersten Modelle mit den neuen Tragflächen zur Jahreswende 2013/14 zur Auslieferung kommen.
Quelle: Financial Times Deutschland
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