11.05.2012, 19:29 Uhr | t-online.de, dapd
Der hessische Edel-Kamerahersteller Leica wächst schneller als geplant und muss sogar seine Expansion in China wegen drohender Lieferschwierigkeiten drosseln. "Wir haben das Luxusproblem, dass wir Lieferzeiten von bis zu zwölf Monaten haben", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und Hauptanteilseigner des Solmser Unternehmens, Andreas Kaufmann. So habe das Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr "sogar etwas über der ursprünglichen Planung" gelegen, betonte er.
Kaufmann geht davon aus, dass aus dem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 20 Prozent der Erlöse als Gewinn vor Zinsen und Steuern übrig bleiben werden. "Auch unser Umsatz entwickelt sich hervorragend", sagte er weiter. "Es war ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr und wir werden auch dieses Jahr sehr erfolgreich sein." Offizielle Zahlen zum Ergebnis liegen noch nicht vor. Leica peilt bis 2016/17 einen Umsatz von 500 Millionen Euro an.
Wichtiger Pfeiler dieses Wachstums ist die Expansion in Asien, vor allem in China. Dort baue Leica seine Präsenz nun aber etwas langsamer aus als zunächst geplant. "Wir müssen lieferfähig bleiben", sagte Kaufmann. "Unser Wachstumsziel ist dadurch aber nicht betroffen."
Um die Expansion in China zu unterstützen, hatte Kaufmann im vergangenen Herbst den US-Investor Blackstone mit knapp 44 Prozent an Leica beteiligt. Am Plan, bis zum Jahr 2015 rund 30 eigene Geschäfte in China zu eröffnen, hält Kaufmann aber fest.
Neben China schaut Kaufmann bereits auf weitere, bisher kaum erschlossene Märkte für Leica. "In Russland sind wir zur Zeit ziemlich unterrepräsentiert", sagte Kaufmann. "In Südamerika sind wir nur in São Paulo vertreten, der Rest ist Terra incognita. Wir sind in den Golfstaaten kaum vertreten. Wir haben noch eine Menge Wachstum vor uns." Leicas Anteil am Weltmarkt betrage bisher 0,15 Prozent.
Am Wettrennen um Pixelzahlen will sich der traditionsreiche Hersteller dabei aber nicht beteiligen. Während schon Handykameras mit zweistelligen Megapixelzahlen aufwarten, wendet Leica sich an das gehobene Publikum. "Wir sprechen eine kleinere Schicht von Leuten an, die anders fotografieren wollen", sagte Kaufmann.
Um das Wachstum überhaupt zu ermöglichen, soll die Produktion ausgeweitet werden. Leica baut derzeit ein neues Werk im hessischen Wetzlar und will die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland von 530 auf 650 aufstocken. Ebenso viele Beschäftigte soll ein neues Werk am zweiten Standort in Portugal haben. "Wir erhöhen die Produktion pro Jahr um 60 bis 80 Prozent", sagte Kaufmann.
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Entgegen alter Planung spreche zudem "vieles dafür", dass die bestehende Fertigung in Solms auch weiterhin einen Teil der Arbeit übernehme, sagte Kaufmann. "Im Neubau reicht uns wegen der unerwartet hohen Nachfrage der Platz schon jetzt nicht mehr aus - obwohl wir noch nicht einmal eingezogen sind."
Da die Zulieferer aber zum allergrößten Teil in Südostasien seien, lohne sich die Produktion in Europa erst ab einem Endpreis von etwa 1500 Euro pro Kamera. "Unter einem bestimmten Preis können wir nicht in Deutschland fertigen", sagte Kaufmann.
Zugleich will er dauerhaft bei Leica engagiert bleiben. "Für mich ist Leica eine ganz langfristige Sache", sagte er. "Wir bauen ja das Werk in Wetzlar, das ist eine Investition von 60 Millionen Euro. Das ist eine Zusage für eine langfristige Zukunft."
Quelle: t-online.de, dapd
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