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Hidden Champions: Was hinter dem Erfolg der Weltmarktführer steckt

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Heimliche Gewinner: So funktionieren Hidden Champions

21.12.2012, 15:46 Uhr | t-online.de - sia

Bei Zahnbürsten hat die Firma Schiffer M+C weltweit die Nase vorn (Quelle: M+C Schiffer)

Bei Zahnbürsten hat die Firma Schiffer M+C weltweit die Nase vorn (Quelle: M+C Schiffer)

Die Produkte von Hidden Champions sind aus dem Alltag kaum wegzudenken, von den Herstellern hingegen hat man oft noch nie etwas gehört. Trotzdem sind zwei Drittel dieser Spitzenfirmen Weltmarktführer. Als Jobmotor stützen sie die deutsche Wirtschaft und liefern Milliardenumsätze. Was aber haben die heimlichen Gewinner anderen Firmen voraus? Der Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor Hermann Simon hat ihr Erfolgskonzept entschlüsselt.

Tausende Spitzenfirmen in Deutschland

Simon hat in Deutschland 1307 der unbekannten Helden mit insgesamt etwa 1,4 Millionen Mitarbeitern gezählt, wie er in seinem Buch "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia" schreibt. Zur ihrer Kategorie zählt der Experte alle Firmen mit einem Umsatz von weniger als fünf Milliarden Euro, die zu den Top-3-Unternehmen auf dem Weltmarkt gehören oder die Nummer eins auf einem Kontinent sind. Im deutschsprachigen Raum - genauer in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg - erwirtschaften die Betriebe einen Umsatz von 900 Milliarden Euro.

Geheimniskrämerei schützt Marktnischen

Wer weiß etwa, dass bei M+C Schiffer in Neustadt täglich mehr als eine Million Zahnbürsten produziert werden? Das Unternehmen ist damit der größte Hersteller seiner Branche in Europa. Doch die Geheimniskrämerei ist Teil der Geschäftsstrategie.

"Wir wollen, dass weder unsere Wettbewerber noch unsere Kunden unseren tatsächlichen Marktanteil kennen", zitiert Simon den Chef eines Weltmarktführers. "Jahrelang haben wir an unserer Anonymität festgehalten. Dies ist sehr bequem. Niemand hat unsere Marktnische entdeckt", erklärte ein anderer Unternehmenslenker dem Autoren.

Dass es in der Bundesrepublik so viele Spitzenfirmen gibt, ist laut Simon historisch bedingt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sei Deutschland eine Ansammlung von Kleinstaaten gewesen, die international Handel treiben mussten, um zu überleben. Deutsche Unternehmer haben also gelernt, wie man über Grenzen hinweg Geschäfte macht.

Weltweit vorn mit Autokennzeichen oder Wolkenkratzerfassaden

"Lange bevor 'Globalisierung' zum Begriff wurde, war sie für Utsch Tagesgeschäft", verkündet zum Beispiel die Firma Utsch auf ihrer Homepage. Der Weltmarktführer aus Siegen stellt Autokennzeichen her. Mit rund 500 Mitarbeitern kam Utsch im Geschäftsjahr 2011 auf einen Umsatz von mehr als 250 Millionen Euro. Das Erfolgsgeheimnis der Firma: die Erschließung neuer Märkte in mehr als 120 Ländern.

Hochhausfassaden sind indes das Spezialgebiet der Firma Josef Gartner aus Gundelfingen. Gartner hält im Ausland Vertretungen in London, Arlesheim bei Basel, Chicago, Hongkong und Macau. Vertreten ist die Firma zudem mit Büro und Fertigung für den Mittleren Osten in Dubai. Auch die Fassaden des höchsten Gebäudes der Welt, des Burj Chalifa in Dubai stammt aus der Werkstatt der Gundelfinger.

Hidden Champions: Das sind Deutschlands heimliche Gewinner

Wurstpellen-Clips für die ganze Welt

Hidden Champions finden sich jedoch in unzähligen Branchen, ihre Produkte sind ebenso vielfältig. Die Firma Poly Clip aus Hattersheim nahe Frankfurt am Main etwa stellt Clips für Wurstpellen her. Ein unspektakuläres Geschäft? Von wegen: Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen mehr als 800 Patente und schafft laut "Höchster Kreisblatt" einen Jahresumsatz von weltweit rund 200 Millionen Euro. Und auch Poly Clip punktet durch internationale Ausrichtung: 80 Prozent der Produktion gehen ins Ausland, nur 250 der weltweit 700 Mitarbeiter sind in der Firmenzentrale in Hattersheim tätig.

Der Konkurrenz sind Hidden Champions stets um eine Nase voraus. Das schaffen sie zum einen durch ihre Spezialisierung - auf ein Produkt, einen Kundenkreis, besonderes Know-how oder den Preis, stellt Hermann Simon fest. Zudem investierten sie doppelt so viel in Forschung und Entwicklung wie Konzerne.

Diese Firmen produzieren noch in Deutschland

Trumpf meistert Krise ohne Stellenabbau

Vor Krisen ist auch die unternehmerische Avantgarde in Deutschland nicht gefeit - doch selbst Wirtschaftsflauten meistert sie besser als die Wettbewerber. Im Jahr 2009 etwa seien Aufträge und Umsätze vieler Spitzenfirmen dramatisch eingebrochen, schreibt Simon. Bei Trumpf in Ditzingen beispielsweise sei der Umsatz in dem Jahr um ganze 38 Prozent geschrumpft.

Der Maschinenbauer und Spezialist für Laser und Lasersysteme reagierte umgehend - und tat alles, um Kosten zu drücken, ohne Mitarbeiter auf die Straße setzen zu müssen. "Wenn Spezialisten einmal weg sind, sind sie weg", zitiert der Experte Trumpf-Geschäftsführerin Nicola Leibinger-Kammüller.

Die weltweit beliebtesten Unternehmen

60 Millionen innerhalb eines Jahres eingespart

2008 habe das Unternehmen das Produktionssystem vollkommen umgestellt, damit die Produktion gedrosselt und seine Kosten innerhalb eines Jahres um 60 Millionen Euro gesenkt, sagte sie in einem Interview mit der Managementberatung Egon Zehnder International.

Im Geschäftsjahr 2011/12 hat das Familienunternehmen nach eigenen Angaben wieder einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro erreicht - und ruht sich auf seinen Lorbeeren keinesfalls aus. Trumpf hat etwa seine Produktionsflächen in China verdoppelt und wächst auch in den USA.

Ranking: Die wertvollsten Marken der Welt

Investitionen in Mitarbeiter und Innovationen

Investiert hat das Unternehmen außerdem in 1000 neue Jobs - mehr als die Hälfte davon in Deutschland, sowie Innovationen: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind demnach um 22,4 Prozent auf 193 Millionen Euro gestiegen. "Wir leisten uns derart hohe Zukunftsinvestitionen, weil wir nur so unseren technologischen Vorsprung dauerhaft halten können", erklärte Nicola Leibinger-Kammüller in einer Pressemitteilung. So funktionieren Hidden Champions.

21.12.2012, 15:46 Uhr | t-online.de - sia

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