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Dauerverluste: IAG streicht tausende Stellen bei Iberia

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Dauerverluste: IAG streicht tausende Stellen bei Iberia

09.11.2012, 15:46 Uhr | dpa-AFX

(neu: Reaktion der Gewerkschaften, Aktienkurs)

LONDON/MADRID (dpa-AFX) - Radikalkur für Iberia: Wegen anhaltender Verluste will die spanische Fluglinie 4.500 der insgesamt rund 20.000 Arbeitsplätze abbauen. Auch die Flotte und das Flugangebot sollen schrumpfen, wie der gemeinsame Mutterkonzern von Iberia und British Airways, die International Airlines Group (IAG) <INR.FSE><IAG.ISE>, am Freitag mitteilte. "Iberia kämpft ums Überleben", sagte der Chef der spanischen Fluglinie, Rafael Sánchez-Lozano. Iberia wolle sich künftig nur noch auf rentable Strecken konzentrieren. Die verbleibenden Mitarbeiter sollen auf Gehalt verzichten. Die Arbeitnehmerseite lehnt die Streichungen strikt ab. Sánchez-Lozano drängte sie jedoch zu einer schnellen Einigung. Sonst werde es noch schlimmer kommen.

Die IAG-Aktie profitierte mit einem Plus von bis zu vier Prozent von den Neuigkeiten. Am Nachmittag lag sie an der Londoner Börse noch mit 0,89 Prozent im Plus bei 169,50 britischen Pence.

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IBERIA ZEHRT GEWINN DER BRITEN AUF

Insgesamt stand bei IAG nach den ersten neun Monaten unter dem Strich ein Verlust von 39 Millionen Euro nach 338 Millionen Euro Gewinn ein Jahr zuvor. Der jüngste Verlust gehen auf die roten Zahlen von Iberia zurück, der den operativen Gewinn von British Airways mehr als aufzehrte. Der Umsatz kletterte zwar um elf Prozent auf 13,6 Milliarden Euro, konnte die gestiegenen Kosten etwa für Treibstoff aber nicht ausgleichen.

"Jeden Tag verbrennt die Gesellschaft 1,7 Millionen Euro", sagte Sánchez-Lozano. Dies liege nicht nur an der Euro-Schuldenkrise und der schwierigen Wirtschaftslage in Spanien. Die Probleme hätten schon zuvor bestanden. Iberia arbeite mit deutlich höheren Kosten als die Konkurrenz, sagte der Manager. Das Flugangebot soll bereits 2013 um 15 Prozent gekürzt werden. Die Flotte soll um 25 Maschinen schrumpfen. Die Kürzungen treffen vor allem das Europageschäft. Dadurch soll sich das Ergebnis der Sparte bis zum Jahr 2015 um 600 Millionen Euro verbessern.

GEWERKSCHAFTEN DAGEGEN

Den Gewerkschaften setzte Iberia eine Frist bis zum 31. Januar 2013. "Wenn wir bis dahin keine Einigung erzielen, werden wir noch radikalere Entscheidungen treffen und noch mehr Strecken und Arbeitsplätze streichen müssen", kündigte Sánchez-Lozano. "Die Zeit spielt gegen uns."

Die Gewerkschaftsverbände CCOO und UGT sowie die Pilotengewerkschaft Sepla kündigten Widerstand an. Die Streichungen bedeuteten eine "Abwrackung des Unternehmens", sagte ein Sprecher. "Die geplanten Streichungen sind radikal und verdienen daher eine radikale Antwort." Nach Informationen der Gewerkschaften sollen beim Bodenpersonal 3.000, bei den Flugbegleitern 900 und bei den Piloten 600 Stellen gestrichen werden.

VUELING SOLL DAZUGEHÖREN

Die Konzernspitze sieht für Iberia erst langfristig wieder Wachstumschancen. "Eine starke und profitable Iberia kann Jobs schaffen und den Tourismus ankurbeln, ein wichtiger Treiber für Spaniens wirtschaftliche Erholung", sagte IAG-Chef Willie Walsh. Für die Strecken nach Lateinamerika habe die Gesellschaft die besten geographischen Voraussetzungen.

Unterdessen will IAG die spanische Fluggesellschaft Vueling komplett übernehmen. Die Gesellschaft, die vor allem am Flughafen Barcelona stark ist, gehört dem Konzern schon jetzt knapp zur Hälfte. Nun sollen die übrigen Aktionäre ein Übernahmeangebot erhalten.

Mit den Stellenstreichungen bei Iberia folgt IAG den Beispielen aus Frankreich und Deutschland. Die französisch-niederländische Air France-KLM <PAF.PSE><AFR.FSE> will gut 5.000 Arbeitsplätze abbauen. Bei der Lufthansa <LHA.ETR> stehen 3.500 Stellen in der Verwaltung zur Disposition. Zudem will die Gesellschaft hunderte Arbeitsplätze ins Ausland verlagern.

KONKURRENZ ERZWINGT KÜRZUNGEN

Die einstigen Staatsfluglinien kämpfen auf dem Kontinent vor allem mit der Konkurrenz der Billigflieger wie Ryanair <RY4.FSE><RY4.EID><RYA.ISE> und Easyjet <EZJ.ISE><EJT.FSE>. Auf der Langstrecke fordern vor allem die staatlichen Fluglinien aus dem Nahen Osten die europäischen Gesellschaften heraus.

Selbst die Lufthansa, die vergleichsweise gut dasteht, fliegt im Europageschäft jedes Jahr Verluste in dreistelliger Millionenhöhe ein. Einen Großteil der Direktverbindungen soll von 2013 an deshalb die Tochter Germanwings übernehmen, die teils deutlich geringere Gehälter zahlt. Iberia hatte im Frühjahr die Billigfluglinie Iberia Express gegründet, was einen längeren Streik der Piloten auslöste.

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