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Palladium macht Autos teurer

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Steigender Preis: Palladium macht Autos teurer

17.11.2012, 10:04 Uhr | Financial Times Deutschland

Enorme Nachfrage der Automobilindustrie: das Weißmetall Palladium erklimmt neue Höhen (Quelle: Reuters)

Palladium: Wichtiges Metall für die Autoindustrie (Quelle: Reuters)

Der Preis für das Weißmetall könnte sich schon bald verdoppeln - auch wegen der enormen Nachfrage der Automobilindustrie. Die mögliche Folge: Der Preis von Katalysatoren wird steigen.

Auf die Automobilhersteller kommen womöglich hohe Kostensteigerungen bei der Produktion von Katalysatoren zu. Der Grund: Palladium, das genau wie Platin wegen seiner chemischen Eigenschaften ideal geeignet ist für den Bau von Katalysatoren, wird deutlich teurer, schätzen Analysten.

Automobilindustrie braucht 60 Prozent des Palladiumbedarfs

Zwar wird Palladium auch in der Medizintechnik und Elektroindustrie häufig verwendet. Aber satte 60 Prozent des Palladiumbedarfs entstammen dem Automobilbau. Die Nachfrage der Schmuckindustrie und von Finanzinvestoren fällt dagegen im Vergleich etwa zu Gold gering aus.

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Aktuell kostet eine Unze Palladium 640 Dollar. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten glauben, dass der Preis 2013 bei 800 Dollar je Unze liegen könnte, für 2015 werden sogar 925 Dollar erwartet. Und die ersten kalkulieren sogar mit einem Rekordhoch von 1125 Dollar.

Nachfrage steigt, das Angebot sinkt

Der Grund für den erwarteten Preisanstieg ist simpel: Die Nachfrage steigt, das Angebot sinkt. So schätzt das britische Unternehmen Johnson Matthey, dass die Nachfrage in diesem Jahr um 915.000 Unzen größer ausfallen wird als das globale Angebot - dabei hatte es noch im vergangenen Jahr einen deutlichen Überschuss gegeben. Die US-Bank Morgan Stanley glaubt, dass die Nachfrage 2013 weiter steigen wird: um 1,4 Prozent.

Wirtschaft
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Mit ihren Schätzungen stehen Johnson Matthey und Morgan Stanley mitnichten allein da. Reihenweise sagen die Analysten großer Banken voraus, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage noch größer werden wird; entsprechend haben sie ihre Preisprognosen kräftig nach oben geschraubt.

Situation in Südafrika belastet

Einer der wichtigsten Gründe für das Angebotsdefizit sind die Streiks in Südafrika, die jetzt schon seit August andauern. Zunächst auf die Platinminen des britischen Unternehmens Lonmin begrenzt, hatten sich die Unruhen rasch auf den kompletten Minensektor des Landes ausgeweitet. Es geht um höhere Löhne, aber auch um Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Gewerkschaften. Insgesamt sind bereits mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Inzwischen hat sich die Lage in den Minen zwar etwas beruhigt. Aber die Betreiber haben dermaßen viele Mitarbeiter entlassen, dass mittelfristig die Produktion in Gefahr ist.

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Für die südafrikanische Minenindustrie und den Weltmarkt ist der Streik fatal: Aus Südafrika stammen 75 Prozent des weltweiten Platin- sowie 35 Prozent des Palladiumangebots. Zunächst war vor allem der Platinpreis wegen der Streiks deutlich nach oben geschossen, während Palladium sich kaum bewegt hatte. Lange Zeit war Palladium sogar das Edelmetall mit der schwächsten Preisentwicklung seit Jahresbeginn. Seit einigen Wochen aber befindet sich der Preis im Höhenflug.

Russen haben Vorräte komplett verkauft

Das dürfte sich fortsetzen, sind sich Analysten sicher. Denn nicht nur die Unruhen in Südafrika machen Palladium auf Sicht deutlich teurer. So ist auf der Angebotsseite eine enorm wichtige Quelle für den Markt so gut wie versiegt: Der russische Staatsfonds Gochran, jahrelang einer der größten Verkäufer von Palladium, hat seine Vorräte inzwischen komplett verkauft, wie Analysten schätzen.

Und auch die Autoindustrie, die unter dem Preisanstieg stöhnen dürfte, hat ihren Anteil an der Entwicklung: Schließlich ersetzen die Hersteller bei der Fabrikation von Katalysatoren zunehmend Platin durch Palladium. Und da der weltweite Autoabsatz nach Schätzungen der Analysten von LMC Automotive im kommenden Jahr um 5,3 Prozent auf 85,3 Millionen Fahrzeuge steigen dürfte, wächst auch aus dieser Richtung die Nachfrage.

Interview mit Eugen Weinberg, Rohstoff-Chefanalyst der Commerzbank

"FTD": Herr Weinberg, wie beurteilen sie die Marktsituation für Palladium und Platin?

Eugen Weinberg: Die Lage ist ausnehmend kritisch. Für viele Marktteilnehmer ist erst durch die jüngste Analyse von Johnson Matthey sichtbar geworden, dass nicht nur die Nachfrage einen entscheidenden Einfluss hat, sondern auch das Angebot - vor allem wenn es um das Angebot des mit Abstand größten Produzenten geht. Bei Platin und Palladium wird nun ein massives Defizit erwartet. Noch vor wenigen Monaten haben wir alle mit einem Überschuss gerechnet. Aber dass das Defizit so deutlich ausfällt, überrascht uns auch etwas.

"FTD": Einer der wichtigsten Gründe für das Defizit sind ja die Streiks in Südafrika. Halten sie das nun für ausgestanden?

Eugen Weinberg: Die Streiks bei Lonmin sind zwar beigelegt, aber zu einem sehr hohen Preis. In den vergangenen beiden Jahren sind die Löhne bereits um jeweils acht Prozent gestiegen, 2013 steht nun eine Erhöhung von 22 Prozent an. Schon jetzt arbeiten viele Minenbetreiber beim aktuellen Preisniveau nicht profitabel. Die Lonmin-Einigung wird zudem den Appetit anderer Arbeiter geweckt haben. Außerdem werden in den kommenden Jahren die Strompreise steigen. Das ist somit eine existentielle Bedrohung, die Minenkonzerne in Südafrika müssen sich warm anziehen.

"FTD": Was erwarten sie nun für die Preise der Weißmetalle?

Eugen Weinberg: Mich hat etwas überrascht, wie schwach die Reaktion bislang war. Platin kostet immer noch weniger als 1600 Dollar die Unze und ist damit geradezu günstig. Die Preise werden steigen. Das größte Problem ist die fundamentale Lage und die wird angespannt bleiben - und damit auch das Angebot.

Interview: Frank Bremser

Quelle: Financial Times Deutschland

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