21.11.2012, 15:00 Uhr | dpa-AFX
Beinahe hätte ein Börsenhändler die schweizerische Großbank UBS aus den Angeln gehoben. Nun ein Jahr nach Bekanntwerden eines milliardenschweren Falles von Zockerei ist der 32 Jahre alte Ex-Händler Kweku Adoboli zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das gab der Southwark Crown Court in London bekannt. Zuvor hatte eine Jury den Mann in zwei Fällen des Betrugs für schuldig befunden. Die Fälschung der Bücher konnte die Jury am Southwark Crown Court dem heute 32 Jahre alten Mann nicht nachweisen.
Es handelt sich um einen der größten Betrugsfälle in der europäischen Bankengeschichte. Adoboli steht damit in einer Reihe mit dem französischen Betrüger Jérôme Kerviel, der die französische Bank Société Générale um fünf Milliarden Euro gebracht hat und dem britischen Zocker Nick Leeson, der mit seinen Risikogeschäften die Barings Bank in die Knie zwang.
Adoboli hatte mit risikoreichen Börsengeschäften die UBS um insgesamt 2,3 Milliarden US-Dollar gebracht. Er selbst hatte den Betrug bis zuletzt bestritten. Er habe lediglich versucht, zum Wohl der Bank zu arbeiten, gab er an.
Der junge Händler hatte Schattenkonten gebildet und darüber Börsengeschäfte abgewickelt, die weit oberhalb des erlaubten Handelsrahmens gelegen hatten. Er nutzte dazu Geld der Bank. Deshalb hätte er zwingend Gegengeschäfte zur Absicherung machen müssen - was er unterließ. Der junge Händler hatte Erfahrungen im Back Office - wo die Risikomechanismen überwacht werden. Das nutzte er für den Betrug.
Die Verteidigung warf der Bank vor, sie hätte zulange zugeschaut. In der Tat griff das Risikomanagement der UBS erst ein, als Adoboli massiv Verluste angehäuft hatte. Ein Sprecher der Londoner City Police sagte hingegen: "Es handelt sich hier um einen jungen Mann, der alles wollte, aber nicht bereit war zu warten."
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Der Angeklagte hatte deshalb vor Gericht angegeben, sich nicht persönlich bereichert zu haben. Er habe die Geschäfte zum Wohl der Bank machen wollen, die der Sohn eines Diplomaten aus Ghana als "seine Familie" bezeichnete. Kollegen und Vorgesetzte hätten von den Praktiken gewusst, ihn sogar aufgefordert, an die Grenze zu gehen. "Dann bin ich abgestürzt", räumte Adoboli ein.
Die Staatsanwaltschaft warf Adoboli vor, mit seiner Zockerei die UBS an den Rande des Untergangs gebracht zu haben. UBS sei "ein oder zwei Wetten vom Ruin entfernt" gewesen, hatte Staatsanwältin Sasha Wass erklärt. Phasenweise habe die UBS durch die Geschäfte Adobolis mit bis zu zwölf Milliarden US-Dollar in der Kreide gestanden.
Was passiert wäre, wenn die systemrelevante Bank tatsächlich wegen eines gierigen Investmentbankers in die Knie gegangen wäre - die Frage wollte keiner der Verantwortlichen beantworten. Ein Indiz für eine mögliche Antwort mag sein, dass Vorstandschef Oswald Grübel umgehend nach Bekanntwerden des Skandals seinen Hut nahm. Weitere Verantwortungsträger bei der fünftgrößten Bank Europas folgten.
Unklar bleibt bis heute das eigentliche Motiv: Wollte der junge Mann wirklich für seine "Familie" - wie er die Bank nannte - möglichst hohe Gewinne erzielen? Wollte er sich selbst durch erfolgreiche Geschäfte einen hohen Bonus und große Karrieresprünge sichern? Oder war es einfach nur Lust am Risiko? Kweku Adoboli hat nun Zeit, darüber nachzudenken.
Quelle: dpa-AFX
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