28.01.2013, 16:45 Uhr | dapd, t-online.de
Bei der Aufklärung möglicher Zinsmanipulationen durch deutsche Banken greift die Finanzaufsicht BaFin zu ihrer schärfsten Waffe. So seien bei mehreren Geldinstituten Sonderprüfungen durchgeführt worden, um Manipulationsvorwürfen beim europäischen Referenzzinssatz Euribor nachzugehen, wie ein Sprecher der Behörde bekannt gab. Zur Zahl der betroffenen Institute machte er allerdings keine Angaben.
Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Behörde vier Kreditinstitute ins Visier genommen habe, darunter die Deutsche Bank und den WestLB-Nachfolger Portigon. Die Banken wollten dies nicht kommentieren. Wie es in dem Bericht weiter heißt, wolle die BaFin die Manipulationsvorwürfe beim Referenzwert Euribor klären. Außerdem gehe sie möglichen Manipulationen am Zinssatz Libor nach.
Libor (London Interbank Offered Rate) und Euribor (Euro Interbank Offered Rate) haben eine wichtige Bedeutung für das Geschäft der Banken. Die Zinssätze geben wieder, zu welchem Preis sich die Institute gegenseitig Geld leihen. Sie beruhen nicht auf echten Transaktionen, sondern auf Schätzungen der weltweit wichtigsten Banken. Von ihnen hängen Finanzprodukte im Umfang von mehr als 500 Billionen Euro ab.
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Die BaFin hatte dem Bericht zufolge bereits im Frühsommer 2012 von allen Banken, die in Deutschland am Zustandekommen des Euribor beteiligt sind oder waren, Informationen angefordert. Doch sei der Rücklauf teilweise unbefriedigend gewesen.
Derweil gehen die Aufsichtsbehörden in Großbritannien und den USA davon aus, dass einige internationale Banken die Festlegung des Referenzzinssatzes Libor zwischen 2005 und 2009 manipulierten, indem sie falsche Daten meldeten. Die Schweizer Großbank UBS einigte sich wegen der Beteiligung an dem Skandal Ende 2012 mit den ermittelnden Behörden auf eine Geldbuße von 1,4 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,2 Milliarden Euro).
Deutsche-Bank-Vorstandschef Anshu Jain hatte im August 2012 den Libor-Skandal um Zinsmanipulationen als "sehr ernste Angelegenheit" eingestuft. Jain sicherte für sein Institut eine umfassende Aufklärung zu.
Quelle: dapd, t-online.de
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