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    Deutsche Konzerne im Visier von Rubel-Milliardären

    02.04.2013, 07:43 Uhr | dpa-AFX

    Deutsche Konzerne im Visier von Rubel-Milliardären. Die Handelsbeziehungen zwischen Moskau und Berlin sollen verstärkt werden (Quelle: imago/ ITAR-TASS)

    Die Handelsbeziehungen zwischen Moskau und Berlin sollen verstärkt werden (Quelle: imago/ ITAR-TASS)

    Russische Milliardäre investieren immer stärker in Deutschland: Das jüngste Ziel russischer Geschäftsinteressen heißt PSV. Das Kürzel steht für die insolvente Firma Project Support Vehicles, einer der größten Hersteller von gepanzerten Personenwagen in Deutschland. 2012 fertigte er in Pennigbüttel (Landkreis Osterholz) rund 100 Spezialfahrzeuge für Polizei, Regierung oder Banken. Nun klopfte ein russischer Investor als Interessent an, bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter.

    Deutschland als "Schlüsselpartner"

    Der Interessent liegt im Trend. Denn während in Moskau Aktionen gegen Nichtregierungsorganisationen (NGO) den Auftakt der am 8. April beginnenden Hannover Messe überschatten, gedeihen die deutschen Wirtschaftsbeziehungen mit dem diesjährigen Partnerland. Russland will mit einer Rekordbeteiligung in Hannover um Investitionen und Geschäftskontakte werben. Die von Öl- und Gasexporten abhängige Rohstoffmacht sieht Deutschland bei der Modernisierung ihrer Industrie als "Schlüsselpartner".

    Konsequenz: Obwohl die eingeschränkten Grundrechte in Russland für unterkühlte politische Bande zwischen Moskau und Berlin sorgen, werden die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen allmählich inniger. Deutsche Hoffnungen auf eine Ausweitung des Handels wurden durch Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO im Vorjahr genährt; sie setzen auf eine stärkere Marktöffnung der Energiegroßmacht.

    Russland wird bei der weltgrößten Industrieschau (8.-12. April) Partnerland sein. Präsident Wladimir Putin eröffnet sie mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

    Milliardäre setzen auf Firmenanteile

    Bei Russlands boomendem Automarkt etwa gehören deutsche Unternehmen wie BMW oder Volkswagen längst zu den Gewinnern. Umgekehrt wird in Deutschland die industrielle Partnerschaft vor allem von russischen Investoren vorangebracht: Rubel-Milliardäre setzen auf Firmenanteile.

    Ein Beispiel ist der Salz- und Düngerkonzern K+S in Kassel. Der russische Investor Andrej Melnitschenko ist über die von ihm kontrollierte EuroChem-Gruppe mit zehn Prozent größter Einzelaktionär des DAX-Konzerns. Auch bei Europas größtem Reisekonzern TUI in Hannover gibt ein russischer Anleger den Ton an. Alexej Mordaschow war 2007 bei der TUI eingestiegen; mit einem Anteil von mehr als 25 Prozent ist auch er heute größter Einzelaktionär. Der Milliardär schielte dabei auch auf die steigende Reiselust seiner Landsleute.

    Erneuerbare Energien im Visier

    Andere russische Investoren wie Arngolt Bekker investierten Millionen in den Ausbau der alternativen Energien in Deutschland. Es ist ein Sektor, der auch bei der Hannover Messe große Hoffnung auf deutsch-russsiche Geschäftskontakte nährt. "Die Russen wie auch die Chinesen steigen gerne bei ausländischen Unternehmen als Anleger ein, um Marktanteile zu bekommen", hat Volkswirt Thomas Bozoyan von der Germany Trade & Invest in Moskau beobachtet, einer Bundesgesellschaft zur Unterstützung der deutschen Exportwirtschaft.

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    "Es gibt noch Luft nach oben"

    Nach den jüngsten Angaben der Deutschen Bundesbank liegt der russische Anteil an den Direktinvestitionen in Deutschland bei einem Anteil von gerade mal 0,7 Prozent. Es gebe noch viel Luft nach oben, meint auch der russische Botschafter Wladimir Grinin. Sein Land habe 2012 in Deutschland acht Milliarden Euro, Deutschland dagegen in Russland 28 Milliarden Euro investiert. Der Handelsaustausch habe 2012 den Rekordwert von 80,5 Milliarden Euro erreicht, betonte Grinin - im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von immerhin sieben Prozent.

    Das gegenseitige Vertrauen soll gestärkt werden

    Ein Ausbau der gegenseitigen Kontakte fördere nicht nur das gegenseitige Vertrauen, sondern auch den Abbau nach wie vor bestehender Trennlinien, meinte er auch mit Blick auf bürokratische Hürden, etwa bei Visa-Anträgen. Bei der Modernisierung der oft noch sowjetisch geprägten Industrie setzt das Riesenreich auf ausländische und vor allem deutsche Unternehmen.

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