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Neue Vorwürfe gegen US-Bank JP Morgan

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Vorwürfe gegen JP Morgan: Der Wall-Street-Gigant wankt

04.05.2013, 11:54 Uhr | Spiegel Online

Neue Vorwürfe gegen US-Bank JP Morgan. Jamie Dimon, der Chef von JPMorgan Chase (Quelle: Reuters)

Bankchef Jamie Dimon (Quelle: Reuters)

JP Morgan Chase galt lange als beste Bank der Wall Street - und ihr Chef Jamie Dimon als nahezu unantastbar. Doch die Fehler und Skandale häufen sich, US-Aufsichtsbehörden und Aktionäre werden ungeduldig: Demnächst könnte Dimons Posten auf dem Spiel stehen.

Vertraute des Bankchefs im Zwielicht

Blythe Masters ist die Wall-Street-Queen, der bisher nichts etwas anhaben konnte. Die gebürtige Britin, die den Rohstoffhandel der größten US-Bank JP Morgan Chase leitet, erfand 1994 ein cleveres Investmentprodukt, um Kreditrisiken zu decken. Masters, damals selbst erst 25, gab ihrer Idee einen relativ schnöden Namen: Credit Default Swap (CDS).

Ursprünglich hatten CDS einen ganz gezielten Zweck: Sie gaben JP Morgan (JPM) Rückendeckung für ein Milliardendarlehen an den Ölkonzern Exxon, der wegen der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" vor enormen Strafzahlungen stand. Erst später erlangten CDS Prominenz, wiewohl unrühmliche - als ein Auslöser der Finanzkrise von 2008. Sprich: Masters schrieb mit am Drehbuch des späteren Katastrophenfilms.

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Ihrer Karriere schadete das nicht. Heute managt die 44-Jährige Milliardengeschäfte, als Vertraute von JMP-Chef Jamie Dimon. Noch im April pries die "New York Times" sie als "eine der mächtigsten Frauen im Rohstoffhandel" und Ausnahme der Regel, dass es an der Wall Street nur Männer bis nach oben schafften.

Die Ironie: Nun ist es ausgerechnet die "New York Times", die an Masters Stuhl sägt - und so zugleich am Stuhl Dimons, bisher ebenfalls ein unantastbares Wall-Street-Wunderkind.

Angeblich dubiose Geschäfte bei JPMorgan

Am Freitag enthüllte die Zeitung, dass JPM nach einer Reihe von Skandalen schon wieder ins Visier der Fahnder geraten sei. Diesmal gehe es um dubiose Geschäfte von Energie-Tradern der Bank, die Masters gedeckt habe.

JPM dementiert das entschieden. Trotzdem ist schon die reine Diskussion der Vorwürfe eine weitere von immer mehr Schlappen für Dimon. Für einen, der die Kreditkrise als einziger der Wall-Street-Granden überstand, nicht zuletzt auch dank seines Charmes. Jetzt haben ihm die Kontrolleure ein Ultimatum gestellt: Bis Mitte Mai müsse er reinen Tisch machen.

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"Washington hat Dimon satt", schreibt der Wall-Street-Blog "Business Insider" über den Mann, der sich lange als Amerikas beliebtester Banker rühmen durfte und Manschettenknöpfe mit dem US-Präsidentensiegel trägt - ein privates Geschenk aus dem Weißen Haus.

Stattdessen bemühte sich eine Delegation der Bankenaufsicht OCC jüngst nach New York, um Dimon und sein Team zu ermahnen, dass sich die unlauteren Vorgänge bei ihnen häuften - und das Management an Glaubwürdigkeit verliere. "Es war ein hartes Gespräch", steckte ein Teilnehmer dem "Wall Street Journal".

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Konzernchef Dimon unter Druck

Auch an einer anderen Stelle wird es eng für Dimon, 57. Beim nächsten Aktionärstag am 21. Mai steht zur Debatte, die Posten von Vorstandschef und Verwaltungsratsvorsitzendem - die Dimon in Personalunion bekleidet - zu trennen. Im vergangenen Jahr erreichte der Antrag immerhin 40 Prozent. Sollte er dieses Mal durchkommen, so munkelt man, würde Dimon eher abdanken als den Machtverlust schlucken.

Klar ist, die Hiobsbotschaften für den Geldmanager häufen sich:

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  • Der Skandal um den dramatischen Sechs-Milliarden-Dollar-Handelsverlust von 2012 macht JPM bis heute zu schaffen. Der Senat wirft der Bank Vertuschung vor. Mehrere Behörden ermitteln weiter, darunter das FBI und die Börsenaufsicht SEC. In einem Brief an die Aktionäre entschuldigte sich Dimon jetzt erneut: Dies sei "die dümmste und peinlichste Situation, an der ich je beteiligt war".
  • Das Debakel löste einen Exodus aus. Zunächst wurde Ina Drew zum Abgang genötigt, die verantwortliche Abteilungsleiterin und eine von Dimons engsten Vertrauten. Auch Barry Zubrow ging, der bei JPM das Risiko managte, dann Investmentchef James Staley. Zuletzt warf Dimons Vize und möglicher Nachfolger Frank Bisignano das Handtuch. Von den 15 Top-Managern der Bank, die "Fortune" im September 2008 auf seinem Cover als "The Survivors" porträtiert hatte - die Überlebenden der Krise -, sind heute nur noch drei übrig.
  • Milliardenbetrüger Bernard Madoff wirft selbst aus der Haft noch seinen Schatten auf JPM. US-Medienberichten zufolge soll die Bank schon früh Hinweise auf die Machenschaften des falschen Investmentberaters gehabt haben, mit dem sie eng verbandelt war.
  • Außerdem steht JPM beim OCC wegen des Verdachts unlauterer Kreditkartengeschäfte auf dem Zettel. Nach Informationen der "New York Times" soll die Bank säumige Kunden angeblich widerrechtlich verklagt haben.

Kein Wunder, dass Dimon den Anteilseignern lieber seine Quartalsprofite präsentiert. In der Hoffnung, dass der Zweck die Mittel heiligt: "Solange du Geld machst", sagte der Investmentmanager Paul Miller der "New York Times", "ist das den Investoren egal."

 
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