Startseite
Sie sind hier: Home > Wirtschaft >

Tarif-Experte: Kein Grund für Zurückhaltung in Metall-Industrie

...

Tarif-Experte: Kein Grund für Zurückhaltung in Metall-Industrie

07.05.2013, 08:24 Uhr | dpa-AFX

 

STUTTGART (dpa-AFX) - Die Forderung der Metall-Beschäftigten nach deutlicher Teilhabe an den Gewinnen der Branche ist aus Sicht des Tarif-Experten Reinhard Bispinck durchaus angemessen. "Es besteht in der Metall- und Elektroindustrie kein Grund zu besonderer Zurückhaltung, weil sie mit einer kräftigen Reallohnsteigerung nicht überfordert ist", sagte der Ökonom des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Die Tarifverhandlungen für die 740.000 Beschäftigte im Südwesten gehen an diesem Dienstag in Böblingen bei Stuttgart in die dritte Runde.

Das Argument der Arbeitgeber, ein zu hoher Abschluss führe zu Arbeitsplatzabbau und verminderter Konkurrenzfähigkeit der exportstarken Branche, ist Bispinck zufolge nicht haltbar. Aus dem Aufbau von Tausenden von Arbeitsplätzen seit der Krise lasse sich keineswegs ableiten, dass die Beschäftigten sich mit niedrigen Abschlüssen begnügen müssten. Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde 5,5 Prozent mehr Lohn für zwölf Monate. Die Arbeitgeber bieten bislang 2,3 Prozent auf 13 Monate bei zwei Nullmonaten.

"Die gesamtwirtschaftliche Lohnkosten-Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland war im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich", sagte der WSI-Experte. Ein Erhöhung der Löhne und Gehälter zwischen drei und vier Prozent werde die Konkurrenzfähigkeit der Branche mit ihren bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten nicht schädigen. Er fügte hinzu: "Die Produkte der deutschen Metall- und Elektroindustrie sind vor allem wegen ihrer hohen Qualität weltweit stark nachgefragt."

Anzeige 
Jobs in der Autobranche

Stellenangebote bei Zulieferern, Herstellern, in der Werkstatt und im... Jobsuche starten

Aus Sicht der Beschäftigten und auch mit Blick auf die Binnenkonjunktur sei das Angebot der Arbeitgeber viel zu gering. Die umfangreichen Warnstreiks zeigten, dass die Mitglieder zu 100 Prozent hinter der Forderung ihrer Gewerkschaft stehen. Ein regulärer Arbeitskampf sei daher durchaus im Bereich des Möglichen. Allerdings sei zweifelhaft, ob die Metallarbeitgeber es darauf ankommen ließen, meinte der Wissenschaftler.

Auch den Wunsch der Arbeitgeber, der Tarifvertrag müsse der unterschiedlichen Entwicklung der Unternehmen Rechnung tragen und Differenzierungsmöglichkeiten aufweisen, kann der Volkswirt nicht nachvollziehen. Die Forderung der IG Metall orientiere sich nicht an den Besten, die wie Porsche vierstellige Bonus-Zahlungen gewährten.

"Wenn sich Tarifvertrage ausschließlich an den Fußkranken der Branche orientieren würden, bräuchte man keine Tarifverträge mehr", sagte Bispinck. Für Krisenbetriebe gebe es bereits eine Fülle von tarifvertraglichen Lösungen. Noch mehr Abweichungsmöglichkeiten, wie die Arbeitgeber sie fordern, unterhöhlten den Flächentarifvertrag. "Dessen Charakter ist es ja gerade, dass für die Unternehmen verbindliche Standards festgelegt werden - das gilt auch für den Tariflohn."

 
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht

Top Partner

Anzeige
Video des Tages
Wie im Katastrophenfilm 
Animation zeigt gewaltigen Asteroideneinschlag

Mindestens 26 solcher kosmischer Bomben sollen die Erde seit 2000 getroffen haben. Video

Der Lack muss ab 
Professioneller Frühjahrsputz auf der Elbe

Der riesige Schornstein des historischen Dampfers wird einfach umgeklappt. mehr

Shopping 
Schrei vor Glück: Schuhe, Mode u.v.m. von Topmarken

Jetzt die neuen Kollektionen auf zalando.de entdecken - Versand gratis. zum Zalando-Special

Anzeige


Anzeige