27.07.2013, 18:13 Uhr | rtr, t-online.de
Tausende Praktiker-Mitarbeiter könnten ihre Jobs verlieren: Nach den Insolvenzanträgen der Baumarktkette und ihrer Tochterfirma Max Bahr rechnen die Arbeitnehmervertreter mit einem massiven Stellenabbau. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Praktiker, Ulrich Kruse, warf dem Unternehmen vor allem vor, die Max-Bahr-Beschäftigten zunächst in Sicherheit gewiegt zu haben. Unterdessen zeichnen sich auch erste Schließungen von Filialen beider Ketten ab.
"Wir befürchten, dass bis zu 4000 Mitarbeiter betroffen sind", sagte Kruse, der auch Max-Bahr-Gesamtbetriebsratschef ist, der "Bild"-Zeitung. Der Gesamtkonzern zählt rund 20.000 Beschäftigte. Die 132 Max-Bahr-Märkte mit 6800 Mitarbeitern waren der Hoffnungsträger, um den herum der Konzern saniert werden sollte. Doch jetzt ist auch die Hamburger Tochter überschuldet und zahlungsunfähig.
Kruse erklärte, die Max-Bahr-Mitarbeiter seien sauer auf das Management von Praktiker. "Schließlich hieß es noch vor 14 Tagen, Max Bahr bleibe bei der Insolvenz außen vor." Er verlangte eine schnelle Weiterführung der Max-Bahr-Märkte und "möglichst vieler Praktiker-Märkte" unter dem Dach von Max Bahr. Die Hamburger Tochter hatte sich nie auf Praktikers verhängnisvolle Billigstrategie ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") eingelassen, 2012 aber dennoch rote Zahlen geschrieben.
Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" aus dem Umfeld des Unternehmens sind indes rund ein Dutzend Praktiker-Standorte akut gefährdet. Dabei handele es sich vor allem um Geschäfte, die kurz vor der Umstellung auf die Schwestermarke Max Bahr standen und bei denen schon Räumungsverkäufe laufen.
Da nötige Umbauinvestitionen von rund 30 Millionen Euro in der Insolvenz nicht gezahlt werden könnten und die Ergebnisse der Investorensuche abgewartet werden sollen, würden diese Märkte wohl "erst einmal eingemottet", heiße es intern.
Für viele Beschäftigte, die in den kommenden drei Monaten Insolvenzausfallgeld erhalten, könnten die Gehaltsüberweisungen durch die Pleiten aber zunächst sogar steigen, schreibt die Zeitung. Im vergangenen Herbst hatten die Gewerkschaft Ver.di und der Konzern ein Sparprogramm ausgehandelt, das vorsah, die Personalkosten zwischen 2012 und 2014 um jährlich 17,3 Millionen Euro zu entlasten.
Mit der Insolvenz seien die Vereinbarungen hinfällig. Entsprechend "müssen Praktiker- und Max-Bahr-Beschäftigte nach unserer Rechtsauffassung wieder ihr volles Gehalt ohne Abzüge erhalten", zitiert die Zeitung einen Ver.di-Sprecher. Zugleich haben die Mitarbeiter dem Bericht zufolge durch die Insolvenzen einen Anspruch auf Rückzahlung der bisher geleisteten Spar-Beiträge. Dabei dürfte es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln.
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