Metallindustrie
Liebes-Trend verhilft Ladenhüter zu neuem Ruhm05.08.2013, 10:38 Uhr | t-online.de, dpa
Die Metallindustrie nutzt den Trend um die "Liebes-Schlösser" und fertigt entsprechende Produktlinien (Quelle: dpa)
Ein Trend unter Verliebten rettet das gute alte Vorhängeschloss: Ob Paris, Köln oder Helsinki viele Brücken sind mittlerweile geradezu überflutet von den sogenannten Liebesschlössern. Das freut nicht nur die Pärchen sondern auch die Metallindustrie, denn dadurch wird einem in die Jahre gekommenen Ladenhüter wieder neues Leben eingehaucht.
So verdrängen Lösungen mit Chips oder Geldmünzen immer mehr das rustikale Bügelschloss. "Klassische Bereiche wie der Bergbau mit seinen vielen Spinden sind ebenfalls weggebrochen - das alles findet heute seine Kompensation im Trend der Liebesschlösser", bestätigt Jorga Burri-Griesloff von Deutschlands Schlösser-Marktführer Abus.
Das traditionsreiche Familienunternehmen hat eine neue Produktlinie Liebesschlösser aus Titalium auf den Markt gebracht. Es ist ein auf Aluminium basierendes Material, das leichter ist als das Messingschloss - aber ähnlich robust.
Genaue Angaben zum Anteil der Liebesschlösser am Geschäft macht Burri-Griesloff nicht. Eingraviert sind bei den roten "Love Locks" romantische Motive mit Herzen oder der Silhouette eines umschlungenen Liebespaares.
Beim Konkurrenten Burg-Wächter, mit dem sich Abus den deutschen Markt der Vorhängeschlösser weitgehend teilt, spürt man einen ähnlichen Trend. "Wir haben von diesen Schlössern bereits doppelt so viel wie vergangenes Jahr verkauft", sagt Vertriebschef Detlef Schmale.
Burg-Wächter ist bereits seit Anfang 2011 mit speziellen Liebesschlössern auf dem Markt, die auch ins Ausland exportiert werden. "Es ist ein Gag, der das Sortiment aufhellt", sagt Schmale, und spricht von "Riesenzuwächsen". Konkrete Zahlen nennt auch dieses Traditionsunternehmen nicht.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge wurden 2009 in Deutschland 1,8 Millionen Vorhängeschlösser mit einem Wert von 13,3 Millionen Euro produziert. 2012 waren es gerade noch 1,5 Millionen Stück für 1,5 Millionen Euro. Liebesschlösser werden allerdings noch nicht gezählt.
Die Mode sorgte für eine eigene kleine Branche mit Straßenhändlern und Gravur-Spezialisten. Wo jugendliche Romantiker früher Herzen in Baumstamm-Rinde ritzten, ist heute Kreativität beim Gravieren angesagt.
Auch die Schlossform variiert - je nach Portemonnaie ist alles drin. Skeptiker setzen dabei auf Lösungen, wie sie an der Pariser Seine-Brücke Pont des Arts immer wieder auftauchen: Schlösser mit Zahlenkombination. Sie sind wiederverwertbar, sollte die Liebe nicht ewig währen.
Im Internet werden Tipps ausgetauscht, wo die romantischsten Brücken für das Anheften der Schlösser stehen. Städte wie Florenz stemmen sich oft vergeblich mit Verboten gegen den Trend, der sich längst verselbstständigt hat.
Eine pfiffige Lösung hat Vertriebschef Schmale entdeckt: "In Moskau stehen Eisenbäume, an die Liebespaare ihre Schlösser heften können." Die Russen behaupteten zudem, der Trend käme aus ihrem Land. Zugleich hält sich die Legende, Italien sei das Herkunftsland der romantischen Mode. Und die Wissenschaft liefert zu der Frage bisher eher keine belastbare Angaben.
05.08.2013, 10:38 Uhr | t-online.de, dpa
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