Stellenabbau
Commerzbank will Vorstand verkleinern - Namen offen07.08.2013, 16:16 Uhr | dpa-AFX
Der harte Umbau bei der Commerzbank trifft nun auch den Vorstand. Die Zahl der Mitglieder soll "in absehbarer Zeit" von neun auf sieben sinken, wie das Institut am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen. Konkrete Personalentscheidungen wurden allerdings verschoben.
Zuletzt war spekuliert worden, dass die beiden für die konzerneigene Abwicklungssparte zuständigen Manager Jochen Klösges und Ulrich Sieber gehen müssen. Gegen diesen Plan hatte es aber schon vor der Sitzung des Kontrollgremiums Widerstand gegeben. Dem Vernehmen nach konnte sich Vorstandschef Martin Blessing mit seinen Personalvorschlägen noch nicht durchsetzen. Die Bank kündigte nun an, eine einvernehmliche Lösung mit den betroffenen Vorstandsmitgliedern suchen zu wollen.
Die geplante Verkleinerung des Vorstands sei eine Konsequenz aus dem eingeleiteten Sparprogramm. Die Bank will ihre Kosten bis 2016 deutlich drücken. Dabei will Vorstandschef Martin Blessing nicht nur bei den einfachen Beschäftigten ansetzen, sondern auch bei Führungskräften und dem Vorstand. Im Juni hatte sich die Commerzbank mit den Arbeitnehmern auf einen Stellenabbau geeinigt. Insgesamt sollen 5200 der zuletzt rund 54.000 Stellen im Konzern wegfallen.
"Angesichts des vereinbarten Personalabbaus ist es nur folgerichtig, dass auch die Führungsstrukturen der Bank angepasst werden", sagte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. Betriebsratschef Uwe Tschäge bezeichnete die Entscheidung zur Verkleinerung der Vorstands vor dem Hintergrund der Neuausrichtung der Bank als nachvollziehbar.
An der geplanten Abberufung von Klösges und Sieber gab es schon vor der Sitzung Kritik. Gerade Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sahen vor allem bei Sieber, der auch Personalchef der Bank ist, Diskussionsbedarf. Auch der Bund als größter Aktionär hatte laut "Handelsblatt" (Mittwoch) vor allem wegen der drohenden Millionen-Abfindung Bedenken. In einem persönlichen Gespräch soll Vorstandschef Blessing dann aber vor zwei Wochen zumindest Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) von seinen Plänen überzeugt haben.
Das seit der Finanzkrise vom Staat gestützte Unternehmen wartet weiter auf eine nachhaltige Trendwende. Allein in diesem Jahr hat die Aktie gut 40 Prozent an Wert verloren und ist damit der schwächste Titel im europäischen Bankensektor. Vorstandschef Blessing steht selbst unter großen Druck. Immer wieder wird spekuliert, dass der Bund als Großaktionär nach der Bundestagswahl auf seine Ablösung drängen könnte.
Die Commerzbank kämpft mit Verlusten. Dazu tragen vor allem Altlasten wie Schiffsfinanzierungen und faule Immobilienkredite bei. Als Sorgenkind gilt auch die Privatkundensparte. Das laufende Jahr hat der Vorstand bereits zum Übergangsjahr erklärt. Der eingeleitete Umbau soll sich dann ab 2014 auszahlen.
07.08.2013, 16:16 Uhr | dpa-AFX
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