Begehrte Oberklasse
Nissan Infiniti greift deutsche Premiumhersteller an21.08.2013, 12:48 Uhr | AFP, t-online.de, dpa-AFX
Kampfansage an BMW, Mercedes und Audi: Künftig müssen sich die deutschen Premiumhersteller auf harte Konkurrenz aus Japan einstellen. Der Autokonzern Nissan will mit seiner hierzulande bislang wenig bekannten Oberklasse-Marke Infiniti den deutschen aufmischen. "Wir wollen in einem Zug mit den drei großen Premiumherstellern aus Deutschland genannt werden", sagte Infiniti-Vizechef Fintan Knight der Tageszeitung "Die Welt". Knight räumte jedoch zugleich ein, dass dies für das Unternehmen erst "der Beginn einer langen Reise" sei.
In fünf bis acht Jahren wolle das Unternehmen weltweit jährlich zwischen 500.000 und 600.000 Autos verkaufen, sagte der Unternehmensvize der Zeitung. Vergangenes Jahr setzte Infiniti 170.000 Autos ab, der Nissan-Konzern insgesamt über fünf Millionen Fahrzeuge. Europa sei bei der Wachstumsstrategie als Markt "besonders wichtig", betonte Knight.
Die deutschen Konzerne seien derzeit "die Platzhirsche im Premiumgeschäft", räumte Knight ein. Er sehe jedoch "wirklich gute Chancen für neue Anbieter" in dem Segment. "Die Kunden wollen Alternativen. Junge Leute wollen nicht mehr dieselbe Marke wie die Generation ihrer Eltern fahren, die wollen sich absetzen."
Technologisch und im Design seien die deutschen Hersteller "zweifellos sehr gut". Er habe jedoch "irgendwie den Eindruck, dass sich das Design der drei Hersteller zunehmend ähnelt und die Fahrzeuge etwas kühl und distanziert wirken", sagte Knight.
Die Nissan-Premiummarke hatte sich jüngst mit einem weiteren Manager aus dem Volkswagen-Konzern verstärkt. Der bisher für das Tagesgeschäft der VW-Tochter Porsche in Nordamerika zuständige Michael Bartsch wird ab September Amerikachef von Infiniti. "Seine Erfahrungen aus 30 Jahren im weltweiten Automobilgeschäft werden für uns von großem Nutzen sein", erklärte Markenchef Johan de Nysschen in Hongkong.
De Nysschen kommt selbst aus dem VW-Lager: Er war bis vor einem Jahr Amerikachef von Audi und wechselte dann an die Spitze der gerade aufgemachten Infiniti-Zentrale nach Hongkong. Auf dem boomenden US-Markt verkaufte Infiniti allerdings in den ersten sieben Monaten aber weniger Fahrzeuge. Der Absatz schrumpfte um neun Prozent auf rund 60.000 Wagen und lag damit weit hinter dem der Deutschen.
Bartsch, der einen deutschen und australischen Pass hat, soll es nun richten. Er war seit fast 20 Jahren bei Porsche, zunächst in Australien und seit 2005 in seiner jetzigen Position in Nordamerika, wo er Rekordverkäufe vermelden konnte. Davor arbeitete der heute 54-Jährige unter anderem bei der australischen GM-Tochter Holden. Eigentlich hätte Bartsch zum 1. September der Landeschef von Porsche in Australien werden sollen.
Infiniti wurde vor 25 Jahren in den USA gegründet. Eine gewisse Bekanntheit erlangte die Marke bislang nur dort. Ebenfalls vertreten ist Infiniti in Schwellenländern.
21.08.2013, 12:48 Uhr | AFP, t-online.de, dpa-AFX
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