Durch Zins-Tief unter Druck
Lebensversicherer wollen weniger vom Gewinn abgeben27.08.2013, 10:37 Uhr | t-online.de, dpa-AFX
Durch das Zinstief muss mancher Lebensversicherer mehr auszahlen als er einnimmt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Die niedrigen Zinsen bringen Lebensversicherungen zunehmend in Schwierigkeiten. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zufolge beantragten mehr als zehn Gesellschaften bei der Finanzaufsicht BaFin, dass sie ihren Kunden weniger vom Gewinn abgeben müssen. Dabei geht es um enorme Summen. Und ein Ende des Zins-Tiefs ist nicht in Sicht.
Die Unternehmen wollen der Zeitung zufolge von ihrem Verdienst nicht mehr 75 oder 90 Prozent für ihre Kunden reservieren, sondern zum Teil deutlich weniger. Mit der Aussetzung der Vorschriften wollten sie sich für eine gewisse Zeit Luft verschaffen. Dabei handele es sich eher um kleine und mittelgroße Anbieter, Marktführer seien nicht dabei, zitierte das Blatt einen Insider. Die BaFin wollte T-online die Zahl jedoch nicht bestätigen.
Im Gespräch mit T-Online erklärte BaFin-Sprecherin Anja Schuchardt, eine Aussetzung der "Mindestzuführungsverordnung" sei kein außergewöhnliches Mittel bei vorübergehenden Problemen und kein Alarmsignal. Einen dauerhaften Schaden müssen die Kunden nicht fürchten. Die garantierte Verzinsung wird der BaFin-Sprecherin zufolge erfüllt.
Die Frage sei allerdings, wann das der Fall sein wird und ob bis dahin alle Unternehmen durchhalten, schreibt die "SZ". Auf dem Spiel stehen hohe Beträge: Die deutschen Lebensversicherer hätten insgesamt 743 Milliarden Euro angelegt, vor allem in festverzinslichen Wertpapieren, etwa in Unternehmens- oder Staatsanleihen, heißt es in dem Bericht.
Das Problem dabei ist, dass die Notenbanken in den vergangenen Jahren die Leitzinsen gedrückt haben, auf aktuell weniger als ein Prozent. Und eine Zinsanhebung ist zumindest kurzfristig nicht in Sicht. Angesichts dieser langen Niedrigzinsphase haben jetzt einige Lebensversicherer Schwierigkeiten, die Zuführungen aus den normalen Kapitalerträgen zu erwirtschaften.
Das heißt konkret: Durch die Magerzinsen müssen die Unternehmen mehr auszahlen als sie einnehmen. Schwierigkeiten bereiten den Versicherern vor allem Garantieverzinsungen von zum Teil vier Prozent in alten Verträgen, Neukunden werde hingegen zurzeit eine Garantieverzinsung von lediglich 1,75 Prozent gewährt.
Die Finanzaufsicht kann jedoch auf Antrag der Gesellschaften die Mindestzuführung aussetzen. Diese legt fest, wie viel von den Gewinnen eines Versicherers den Kunden und wie viel der Gesellschaft, also ihren Eignern oder Aktionären, zusteht.
Die Bundesregierung hatte die Branche 2010 verpflichtet, eine besondere Reserve für die hohen Garantien aufzubauen. Mit der Zinszusatzreserve will die Regierung sicherstellen, dass die Gesellschaften auch noch in vielen Jahren die Ansprüche der Kunden auf die hohen Garantiezinsen erfüllen können.
2012 mussten die Gesellschaften mehr als fünf Milliarden Euro als Reserve stellen, im laufenden Jahr dürften es der Zeitung zufolge weitere vier Milliarden Euro sein.
27.08.2013, 10:37 Uhr | t-online.de, dpa-AFX
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