Auto
VW will wegen Absatzflaute mehr sparen – Daimler optimistisch14.09.2013, 14:32 Uhr | rtr
Zurückhaltende Wortmeldungen von den großen deutschen Autobauern: Volkswagen verschärft wegen der Absatzflaute in Europa den Sparkurs. "Wir schnallen den Gürtel dort enger, wo es nicht unmittelbar um unsere Produkte und Technologieführerschaft geht", sagte VW-Chef Martin Winterkorn der "Wirtschaftswoche". Derweil zeigte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche davon überzeugt, dass die großen Autohersteller in Europa die Absatzkrise überstehen werden.
"In Europa sind noch längst nicht alle Herausforderungen gelöst, aber ich erwarte, dass wir jetzt eine langsame und nachhaltige Erholung sehen", sagte Zetsche der "Süddeutschen Zeitung". Seiner Ansicht nach stehen die Autobauer wegen der Krise in Europa aber auch wegen der zunehmenden digitalen Vernetzung vor größeren Umbrüchen. "Aber die großen Spieler werden auch in Zukunft die großen Spieler bleiben", sagte der Manager.
Zetsche sieht durch zunehmende Kooperationen wie etwa mit Renault und Nissan oder dem kalifornischen E-Wagen-Hersteller Tesla keine Gefahr für die deutschen Standorte, etwa durch Werksverlagerungen. "Wir sind und bleiben heimatverbunden", sagte er. Obwohl Daimler nur ein Fünftel seines Umsatzes in Deutschland mache, würde zwei Drittel der Wertschöpfung hier erzielt. Das werde sich auch nicht ändern, wenn das Unternehmen stetig seine Effizienz verbessere, sagte Zetsche.
Europas größter Autobauer VW will unterdessen künftig Aufträge an externe Dienstleister nur noch in stark reduziertem Umfang vergeben. Diese sollten stattdessen wieder mit eigenen Kräften abgearbeitet werden. Zudem sollen "Synergien im Konzernverbund noch intensiver" genutzt werden, kündigte Winterkorn an.
Der europäische Automarkt schrumpft seit langem. 2013 droht sogar das schlechteste Autojahr seit 1990 zu werden, nachdem 2012 mit zwölf Millionen verkauften Fahrzeugen schon das schlechteste Jahr seit 1995 war. Und auch VW bekommt die Zurückhaltung der Verbraucher beim Kauf eines Neuwagens zu spüren. So verbuchte der Wolfsburger Konzern in den ersten acht Monaten 2013 in Westeuropa einen Rückgang der Auslieferungen um 2,7 Prozent, auf dem Heimatmarkt in Deutschland sogar um 4,4 Prozent.
Die Lage auf vielen europäischen Märkten sei nach wie vor angespannt - trotz erster positiver Signale der Stabilisierung, hatte Winterkorn vor wenigen Tagen auf Automesse IAA in Frankfurt gesagt.
Finanzchef Hans Dieter Pötsch hatte jüngst erklärt, dass er kein spürbares Anziehen des Autoabsatzes im zweiten Halbjahr in Europa erwarte. Trotzdem peilt der Zwölf-Marken-Konzern im Gesamtjahr erneut höhere Auslieferungen an und setzt dabei auf das Wachstum in China.
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Unterdessen will die VW-Tocher Audi laut "WiWo" künftig in Brasilien produzieren. Audi-Chef Rupert Stadler und Beschaffungsvorstand Bernd Martens wollten sich am Dienstag in Brasilia mit Präsidentin Dilma Rousseff treffen, um nach monatelangen Verhandlungen den Bau von zwei Modellvarianten des Audi A3 in Curitiba zu besiegeln. Vor wenigen Tagen hatte Stadler auf der IAA bekräftigt, dass die Entscheidung über ein Werk in Brasilien im Laufe dieses Jahres fallen werde.
An der Spitze bei VW wird sich in den kommenden Jahren nach Aussage von Winterkorn nichts ändern. "Mein Vertrag läuft bis 2016. Den habe ich auch vor, mindestens zu erfüllen", sagte Winterkorn der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Spekulationen über einen vorzeitigen Rückzug des des 76-jährigen Aufsichtsratschefs und Firmen-Patriarchs Ferdinand Piech hält er für schäbig. "Dr. Piech ist kerngesund", bekräftigte Winterkorn, der als Nachfolger Piechs als oberster Chefkontrolleur ins Spiel gebracht worden war. "Wer über eine angebliche Krankheit spekuliert, handelt unverantwortlich", betonte Winterkorn. Das Gespann Piech/Winterkorn bleibe VW "noch viele Jahre erhalten".
Piech hatte sich 2012 als Aufsichtsratschef von Volkswagen für weitere fünf Jahre wiederwählen lassen. Am Ende der Amtszeit wäre er 80 Jahre alt und 15 Jahre Vorsitzender des Gremiums. Von 1993 bis 2002 hatte Piech den Konzern als Vorstandschef vom Sanierungsfall zum Branchenprimus gemacht, an dem der Familienclan Porsche/Piech die Mehrheit der Anteile hält.
14.09.2013, 14:32 Uhr | rtr
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