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Neue Debatte um unnötige Operationen

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Neue Debatte um unnötige Operationen

03.05.2012, 14:52 Uhr | dpa, t-online.de

In Deutschlands Kliniken wird immer häufiger operiert (Quelle: imago)

In Deutschlands Kliniken wird immer häufiger operiert (Quelle: imago)

Auf stattliche 62 Milliarden Euro sind die Krankenhauskosten in Deutschland derzeit gestiegen. Ein Großteil davon fällt auf wenige Operationen wie das Einsetzen von künstlichen Knie- oder Hüftgelenken. Aber ist jeder derartige Eingriff notwendig, und spielt dabei das Alter des Patienten eine Rolle? Die Debatte um zweifelhafte Operationen in den Krankenhäusern hierzulande wird gerade erneut befeuert: Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat kürzlich betont, Experten zweifelten an der Notwendigkeit vieler Hüft- und Knieprothesen. Bahr will Kliniken, die zu viel operieren, daher Bezüge kürzen. Besteht die Gefahr, dass die wiederum ihre Behandlungen rationieren?

Minister will Kliniken Geld streichen

Bahr hatte sich am 2. Mai mit den Fraktionen von Union und FDP auf die Einführung zweijähriger Mehrleistungsabschläge geeinigt. Kliniken sollen demnach bei stark steigenden Behandlungszahlen Abschläge bei der Bezahlung hinnehmen müssen. Ihre Höhe soll gesetzlich fixiert werden. Das geht aus den "Eckpunkten zur Krankenhausfinanzierung" der Koalition hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Patienten sollen aber auf jeden Fall auch künftig alle notwendigen Behandlungen erhalten. "In Deutschland kann sich jeder darauf verlassen, die notwendige Behandlung und Operation zu erhalten, und dafür werden wir weiter sorgen", sagte Bahr. Die Koalition habe gerade beschlossen, den Krankenhäusern mehr Geld zu geben, damit sie eine gute Versorgung für jedermann weiterhin gewährleisten.

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Die gesetzlichen Krankenkassen begrüßen die Pläne der Koalition, den Trend zu immer mehr medizinisch zweifelhaften Operationen in Deutschlands rund 2000 Kliniken zu brechen. In den Krankenhäusern gebe es eine unnötige Steigerung der Behandlungszahlen, sagte der Sprecher des Kassen-Spitzenverbands, Florian Lanz.

Krankenhausdirektoren gegen Begrenzung

Der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Josef Düllings, hat sich gegen Mengenbegrenzungen bei bestimmten Operationen verwahrt. Über die Notwendigkeit entscheide allein die medizinische Indikation, betonte er auf der Jahrestagung des Verbandes in Potsdam. "Darüber darf weder das Alter des Patienten entscheiden, noch darf es eine Begrenzung der Zahl bestimmter Eingriffe geben. Das ist ethisch nicht vertretbar" betonte er.

Düllings begrüßte die von der Koalition angekündigte Finanzspritze von 300 Millionen Euro zum Ausgleich der Tarifsteigerungen. Es werde jedoch nicht nur eine einmalige Hilfe, sondern ein echter Ausgleich für die Tarifausgaben - allein im Jahr 2012 eine Milliarde Euro - benötigt.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Zahl der Knie- und Hüftoperationen drastisch gestiegen

In der Koalition gibt es jedoch noch keine Einigkeit darüber, wann die zweijährigen Abschläge bei steigenden Behandlungszahlen eingeführt werden sollen. Fast 400.000 neue Hüft- und Kniegelenke setzen Deutschlands Ärzte im Jahr ihren Patienten ein - die Tendenz zeigt seit Jahren nach oben. "Gern versuchen Kliniken drastisch gestiegene Leistungsmengen mit der älter werdenden Bevölkerung zu erklären", sagte Lanz. Doch von allen zusätzlichen Leistungen sei nur ein Drittel demografisch bedingt.

Die Hälfte der Zuwächse bei den zuletzt auf 62 Milliarden Euro gestiegenen Krankenhauskosten speist sich den Kassen zufolge aus wenigen operativen Eingriffen wie dem Einsetzen von künstlichen Knie- oder Hüftgelenken, Wirbelsäulenoperationen sowie Herzeingriffen. Jüngere erhalten eine neue Hüfte laut Krankenhausreport 2010 der Krankenkasse Barmer GEK vor allem wegen Verschleiß (Arthrose). Zwei Drittel der über 85-Jährigen bekommen das Ersatzgelenk dagegen nach einem Bruch.

Quelle: dpa, t-online.de

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