07.05.2012, 16:22 Uhr | t-online - sia, t-online.de
Von wegen geringer Beitrag, bessere Leistungen: Politiker und Krankenkassen nehmen Deutschlands private Krankenversicherer (PKV) immer stärker unter Beschuss. In der Kritik stehen vor allem die drastischen Beitragsanstiege Anfang des Jahres. Auch für die zukünftige Entwicklung der Prämien stellen mehrere Studien erschreckende Prognosen. Nicht nur im Einzelfall könnten sich innerhalb von nur zehn Jahren die Prämien verdoppeln, berichtete das "Handelsblatt". "Ein großer Teil der Privatversicherten sitzt auf einem Pulverfass", sagte ein Betroffener der Zeitung.
Das "Handelsblatt" berief sich auf eine Statistik der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Demnach sind seit dem Jahr 2000 die Prämien für Privatpatienten im Schnitt um mehr als fünf Prozent gestiegen. Und PKV-Kunden müssen sich weiter auf Beitragserhöhungen einstellen, die noch darüber liegen. Die Prämien könnten in einzelnen Jahren sogar um mehr als sieben Prozent klettern.
Dabei sei zu berücksichtigen, dass Beamte knapp die Hälfte der Privatversicherten ausmachten, erfahrungsgemäß jedoch geringere Kosten als der Durchschnitt verursachten, hieß es in dem Bericht. Die Beiträge von Beamten würden daher nicht so stark steigen, dafür beschwerten sich Angestellte und Selbstständige immer wieder über starke Erhöhungen ihrer Prämien.
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Wer sich mit dem Wechsel in die PKV die hohen Beiträge der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ersparen wollte, kann eine herbe Enttäuschung erleben. Denn bei einem Beitragsanstieg von sechs Prozent oder mehr verdoppele sich die Prämie alle zwölf Jahre, hat die Zeitung berechnet. Wer etwa als Angestellter seine GKV-Prämie durch den Wechsel in die PKV zunächst halbiert habe, sei schnell wieder bei einem Beitrag in Höhe des ursprünglichen GKV-Beitrags angekommen.
Nach einer leistungsstarken Alternative zur GKV sieht das nicht mehr aus. "Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat", zitierte das "Handelsblatt" den Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg.
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Und damit nicht genug: Ein Ende der enormen Prämienaufschläge bei der PKV ist nicht in Sicht, bestätigte eine Studie des AOK-Bundesverbandes. Demnach müssen die Privatversicherer von jedem Mitglied 2700 Euro Prämie im Jahr zusätzlich verlangen, um in den nächsten 40 Jahren nicht in Finanznot zu geraten.
PKV-Verbandssprecher Stefan Reker wies die Vorwürfe zurück: "Fakt ist, dass die Private Krankenversicherung für ihre neun Millionen Versicherten fast 150 Milliarden Euro kapitalgedeckte Vorsorge vorzuweisen hat, wogegen die AOK für ihre rund 24 Millionen Versicherten Null-Komma-Null Rücklagen hat."
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Zudem sei der AOK-Höchstbeitrag in den letzten 40 Jahren von rund 750 Euro auf derzeit rund 7100 Euro pro Jahr gestiegen. Schreibe man diese Erfahrungswerte linear fort, werde der AOK-Höchstbeitrag in 40 Jahren bei mehr als 67.000 Euro pro Jahr liegen, betonte Reker.
In die PKV-Schelte stimmen inzwischen auch Gesundheitsexperten der CDU und FDP ein. Zuletzt hatte Jens Spahn (CDU) erklärt, er halte die Trennung von PKV und GKV für nicht mehr zeitgemäß. Und FDP-Politiker Lars Lindemann "grundlegende Veränderungen" von der Branche. "Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann", sagte Lindemann dem "Stern".
Kritik kommt selbst aus den eigenen Reihen: Roland Weber, Vorstandsmitglied des Marktführers Debeka, bemängelte im Gespräch mit dem "Stern" beispielsweise die hohen Maklerprovisionen, den unzureichenden Versicherungsschutz durch Billigtarife oder die mangelnden Wechselmöglichkeiten der Versicherten. "Wenn wir auf diese Schwierigkeiten keine Antwort finden, machen wir uns angreifbar und dürfen uns nicht wundern, wenn die Politiker tätig werden".
Quelle: t-online - sia, t-online.de
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