21.05.2012, 11:40 Uhr | dapd, dapd, t-online.de
Sparer können durch Vergleichen mehr als ihrem Schwein herausholen (Foto: imago) (Quelle: imago)
Sparzinsen werden attraktiver: Die aktuelle Inflationsrate von 2,1 Prozent beschert vielen Anlegern derzeit ein Minusgeschäft. Denn die Verzinsung vieler Banksparprodukte liegt deutlich niedriger. Dabei sind am Markt attraktive Zinsangebote zu finden, und mehrjährige Festgeldanlagen werden beispielsweise mit bis zu 4,5 Prozent verzinst. "Noch immer nutzen viel zu wenige Bankkunden die Möglichkeit, ihr Sparvermögen auf ein besser verzinstes Konto zu übertragen und lassen sich stattdessen mit Magerzinsen abspeisen", sagte Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH. "Wären die Kunden wechselwilliger, würden die Zinsen auf breiter Front steigen."
In den vergangenen sechs Monaten sind die Zinsen für diverse Sparprodukte laut FMH dennoch geklettert. So verbesserte sich der Durchschnittszins für einjähriges Festgeld um 0,3 Prozent auf 1,6 Prozent, für Sparbriefe mit fünfjähriger Laufzeit um 0,4 Prozent auf 2,8 Prozent und beim Tagesgeld um 0,14 Prozent auf 1,22 Prozent. Grund dafür ist laut Herbst der Anstieg des Referenzzinses Euribor, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. "Dennoch zahlen viele Institute den eigenen Kunden deutlich weniger Zinsen, als sie selbst beim Interbankenhandel zahlen müssen", kritisierte der Experte.
Die besten Angebote der Banken liegen aber deutlich über den Durchschnittswerten. So erhalten Kunden für Tagesgeld bei der NIBC-Direct-Bank derzeit bis zu 2,4 Prozent, bei einjährigem Festgeld sind es beim gleichen Institut 2,7 Prozent, und bei dreijährigem Festgeld sind es bei der Bank of Scotland und bei NIBC 3,5 Prozent. Wer sein Geld noch länger anlegen will, der erhält bei Sparbriefen mit fünf Jahren Laufzeit bis zu 4,5 Prozent, wiederum bei der Bank of Scotland.
Bleibt die Frage, wie lange sich Anleger ihr Geld anlegen sollten, zumal die Europäische Zentralbank (EZB) angedeutet hat, den Leitzins im April anheben zu wollen. Dadurch könnten in der Folge dann auch die Anlagezinsen steigen. "Wer auf Nummer sicher gehen will, der wartet mit seiner Anlage bis zur Entscheidung der EZB", sagte Karin Baur, Anlageexpertin beim Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. Als Faustregel gelte weiterhin eine maximale Laufzeit von drei Jahren. Wer mit weiter steigenden Zinsen rechne, wähle die Anlagedauer entsprechend kürzer. Besonders vorsichtige Anleger könnten auch langfristige Festanlagen nutzen oder alternativ in einen Rentenfonds Euro investieren.
Bei der Sicherheit von Spareinlagen gelten seit Jahresbeginn übrigens neue Regeln. Die gesetzliche Einlagensicherung wurde von bisher 50.000 Euro auf 100.000 Euro angehoben. Bis zu diesem Betrag sind Guthaben im Fall einer Bankpleite in jedem Fall abgesichert. Außerdem müssen Auszahlungen künftig innerhalb von 30 Arbeitstagen erfolgen. Eine weitere Neuregelung betrifft den Freistellungsauftrag: Bei Neuanträgen und Änderungen müssen Kunden jetzt ihre Steuer-Identifikationsnummer (Steuer-ID) angeben. Nur dann können sie den Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro (1602 Euro für Verheiratete) nutzen.
Die Einlagensicherung von 100.000 Euro gilt auch in anderen EU-Staaten. Wichtig ist dies beispielsweise für Kunden ausländischer Direktbanken, die seit Jahren hohe Zinsen bei Tages- und Festgeld bieten, aber lediglich eine Niederlassung in Deutschland haben. Die meisten deutschen Institute haben durch eigene Systeme deutlich höhere Beträge abgesichert. So sind bei den Privatbanken mindestens 1,5 Millionen Euro pro Kunde garantiert, und die Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gewähren eine hundertprozentige Absicherung der Kundeneinlagen. Das gilt für Guthaben auf Girokonten, Tages- und Festgeld sowie Sparbriefe und Sparkonten.
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Sparer, die das Inflationsrisiko gänzlich ausschließen wollen, können ihr Geld auch in sogenannten inflationsindizierten Bundesanleihen anlegen, die 2016 (Jahresrendite 0,65 Prozent) oder 2020 fällig (Jahresrendite 1,19 Prozent) werden. Dabei sind Zins und Rückzahlung an die Inflationsrate gekoppelt und die Kaufkraft bleibt unabhängig von der Preissteigerung erhalten. "Ob sich der Kauf solcher Anleihen lohnt, zeigt sich allerdings erst am Laufzeitende", sagte Baur. Profitieren würden Anleger nämlich nur, wenn die Inflation höher als erwartet ausfällt, ansonsten seien herkömmliche Anleihen mit der fast dreifach höheren Rendite deutlich ertragsstärker.
Zudem müssten Anleger bei den indexierten Anleihen den Inflationsausgleich versteuern. Bei Inflationsanleihen von Banken sollten Sparer hingegen vorsichtig sein, sagt Baur, denn sie seien weniger sicher als Bundesanleihen. Zudem sei hier oft nur der Zins an die Inflationsrate gekoppelt, nicht aber die Rückzahlung.
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Quelle: dapd, dapd, t-online.de
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