23.07.2013, 09:55 Uhr | t-online.de - sia/mfu
Schlechte Zeiten für Zinsjäger, die auf Tagesgeld setzen: Für 422 Produkte bekommen Sparer, die nur kleinere Beträge anlegen können, einen Zinssatz von 0,0 Prozent - also gar nichts. Das meldet die "Welt". Mit Angeboten ohne Rendite sollten sich Anleger jedoch auf keinen Fall abfinden: Es gibt einen Ausweg aus dem Zinsdilemma.
Wie die "Welt am Sonntag" mit dem Vergleichsportal Verivox ermittelt hat, zählen vor allem die deutschen Sparkassen und Volksbanken zu den "Null-Komma-nichts-Anbietern". Verivox beziffert die Anzahl der Institute mit derartigen Angeboten auf 371 (Stand: 17.7.2013). Für viele Sparer ein Desaster: Laut "Welt" haben die deutschen Bürger mehr als eine Billion Euro auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern gebunkert.
Bei einer solchen Summe bedeute ein Prozentpunkt mehr oder weniger Zins einen Unterschied von rund zehn Milliarden Euro. Dem FMH-Index zufolge, der die Leistungen von 35 Banken umfasst, bringt Tagesgeld im Schnitt 0,74 Prozent, der niedrigste Zinssatz liegt demnach bei 0,1 Prozent. FMH legt seinen Berechnungen Anlagesummen von 5000 bis 10.000 Euro zugrunde.
Laut Verivox fiel der Durchschnittszins im zweiten Quartal 2013 von 0,44 auf 0,37 Prozent. Dabei gab es starke Unterschiede zwischen den Angeboten der bundesweit tätigen Institute und der Regionalbanken. Lag der Zins der Regionalbanken im Schnitt nur bei 0,30 Prozent, zahlten die bundesweit agierenden Geldhäuser durchschnittlich mehr als doppelt so viel (0,77 Prozent).
Davon können Kunden der Null-Prozent-Anbieter nur träumen. Der Trick dieser Geldhäuser verbirgt sich - zumindest auf den ersten Blick - hinter Mindestanlagesummen und viel versprechenden Produktnamen. So offeriert beispielsweise die MKB Bank ein "Maximal-Zins Konto". Der "maximale" Zins von 0,11 Prozent wird jedoch erst ab 50.000 Euro fällig.
So bekommen die Tagesgeld-Sparer der GEFA-Bank keine Zinsen, wenn sie weniger als 10.000 Euro anlegen. Von den 422 ermittelten Null-Zins-Angeboten gewähren 200 Produkte erst bei Anlagebeträgen über 5000 Euro Zinsen. Darunter gehen die Anleger leer aus.
Die IKB Direkt sowie die Deutsche Pfandbriefbank zahlen keine Tagesgeldzinsen für Anlagebeträge unter 5000 Euro. Was die Kunden der drei Geldhäuser ärgern dürfte: Die Institute hätten vor einem Jahr mit guten Konditionen Milliarden eingenommen, schreibt die Zeitung.
keine gültigen Elemente gefunden!Zu den Banken, welche die Rendite am stärksten gekürzt haben, gehören demnach zum Beispiel die ABC Bank und CosmosDirekt. Deren Kunden müssten derzeit mit bis zu 1,3 Prozentpunkten niedrigeren Zinsen vorliebnehmen, heißt es in dem Bericht. Seien 2012 noch Zinserträge von 2,5 Prozent möglich gewesen, führe aktuell keine der Banken noch eine Zwei vor dem Komma im Angebot.
So mancher Kunde, der die Angebote und die Zinsentwicklung nicht im Blick hat, kann eine böse Überraschung erleben: "Man hebt mal eben ein paar Euro ab, und schon fällt man unter die Grenze", sagte Jürgen Scheurer, Pressesprecher von Verivox der "Welt". "Ganz schnell steht man dann bei null da, ohne es zu wissen."
Die gute Nachricht: Es kann sich für Verbraucher lohnen, auch die Konditionen fürs Tagesgeld mit der Bank neu zu verhandeln. "Die meisten Verbraucher denken, dass solche Zinssätze bei den Banken festgeschrieben sind", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Doch das ist ein Irrtum: "Die meisten Zinsen sind verhandelbar." Besonders Filialbanken haben an dieser Stelle häufig viel Spielraum.
Sparer werden sich zwar auch in den nächsten Monaten noch mit Minizinsen zufriedengeben müssen, die wohl unter der derzeitigen Inflationsrate von 1,8 Prozent liegen werden. "Schutz vor Zinssenkungen bieten aber noch Tagesgelder mit Zinsgarantie oder Festgeldanlagen", rät Verivox-Geschäftsführer Ingo Weber.
Tagesgeld-Produkte mit festem Zins für eine bestimmte Laufzeit bieten den Experten zufolge derzeit etwa Cortal Consors (1,3 Prozent für zwölf Monate), die DAB Bank (1,3 Prozent für sechs Monate) sowie die Volkswagen Bank und Audi Bank (1,4 Prozent für sechs Monate). Auch bei der ING DiBa (1,5 Prozent für vier Monate) und der 1822direkt (1,5 Prozent bis zum 1. Dezember 2013) finden sich entsprechende Angebote.
23.07.2013, 09:55 Uhr | t-online.de - sia/mfu
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