Unverschämt und intransparent
"Finanztest" dokumentiert Abzocke mit Dispozinsen20.08.2013, 13:32 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de
Vor allem kleinere Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken kassieren bei den Überziehungszinsen kräftig ab - und versuchen oft, dies zu verheimlichen (Quelle: dpa)
Bei den Zinsen für Überziehungskredite langen vor allem kleine Banken und Sparkassen kräftig zu. Aber gerade diese Institute zieren sich auch, ihre überhöhten Zinsen öffentlich zu nennen oder auszuhängen. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest unter 1538 Finanzinstituten. Mehr als hundert Banken kassieren demnach mehr als 13 Prozent - und bei 26 Instituten waren die Konditionen für Dispokredite auch nicht auf persönliche Nachfrage zu erfahren.
Mehr als 13 Prozent zu verlangen, bezeichnen die Verbraucherschützer als unverschämt. Betroffen seien vor allem Volks- und Raiffeisenbanken - für die Borussia-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp wirbt - sowie Sparkassen (Werbegesicht: Komikerin Martina Hill) in ländlichen Regionen. Von den bundesweit tätigen Instituten verlangt nur die Targobank einen Zinssatz von mehr als 13 Prozent.
Die Dispozinsen schwanken nach Angaben der Stiftung Warentest zwischen 13,25 Prozent (Raiffeisenbank Taufkirchen-Oberneukirchen) und 5,25 Prozent (Deutsche Skatbank). Aus Sicht der Verbraucherschützer sollte bei den derzeit günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken der Dispozins-Satz klar unter zehn Prozent liegen. Ein besonders krasses Beispiel für hohe Zinsen ist die Volksbank Feldatal. Sie stellt ihren Kunden einen Zinssatz von 22,5 Prozent in Rechnung, wenn auch der Rahmen für einen Dispokredit überzogen wird.
Das Ausfallrisiko bei Dispokrediten ist laut "Finanztest" mit 0,3 Prozent geringer als bei Ratenkrediten, wo es 2,5 Prozent beträgt. Aus Risikogründen ist es demnach nicht gerechtfertigt, dass Dispozinsen höher liegen als die Zinsen von Ratenkrediten.
Die Stiftung Warentest beklagte vor allem die mangelnde Transparenz vieler Banken. Über zwei Drittel der Institute hätten auf Anfrage die Dispozinsen nicht nennen wollen. Bei 519 dieser Verweigerer habe man die Überziehungszinsen im Internet recherchieren können. Zu den übrigen 606 Banken habe man Tester geschickt, die den Preisaushang im Schaufenster oder im Schalterraum fotografiert oder abgeschrieben hätten. Wo es keine Aushänge gab, fragten die Tester bei den Bankangestellten nach.
Bei 26 Instituten reichte aber auch das nicht, dort waren die Konditionen für Dispokredite nicht zu erfahren. Die Ausreden muteten dabei grotesk an: "Den Dispozins können wir Ihnen nicht nennen, weil sich die Zinssätze gerade ändern." (Raiffeisenbank Gotha) "Den Dispozins können wir nur im Rahmen einer persönlichen Beratung nennen." (Volksbank Gardelegen) "Zinssätze können sich ändern. Deshalb nennen wir sie nicht schriftlich." (Sparkasse Wittenberg) Banken seien jedoch zu einem Preisaushang gesetzlich verpflichtet.
In einer ersten Reaktion auf die Ergebnisse warfen die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken der Stiftung Warentest Stimmungsmache im Bundestagswahlkampf vor. "Ich kann das Getöse nicht nachvollziehen. Statt Aufklärung über den Mechanismus zu betreiben, der hinter der Preisfindung von Dispozinsen steht, mokiert man sich ausschließlich über die Höhe der Zinsen", sagte der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Manfred Götzl. Überziehungskredite seien unbesichert und damit für die Banken die teuerste Form der Kreditgewährung. Hohe Zinsen seien "schlichtweg eine kaufmännische Erfordernis", sagte Götzl.
Kein Kunde müsse sein Konto überziehen und Banken seien auch nicht verpflichtet, solche Kredite anzubieten, hatte Götzl vor einigen Monaten gesagt. Günstige Zinsen verführten Kunden sogar eher, ihr Konto zu überziehen. Dispokredite seien ein Service, um Verbrauchern kurzfristig mehr finanziellen Spielraum zu gewähren. Ähnlich hatte sich im Mai Commerzbank-Chef Martin Blessing geäußert: Die hohen Zinsen sollten Verbraucher davon abhalten, ihr Konto zu überziehen.
In einer früheren Version dieses Artikels wurde der Zinssatz für die Raiffeisenbank Taufkirchen-Oberneukirchen fälschlicherweise mit 14,75 Prozent angegeben. Die Stiftung Warentest hat ihre Angaben mittlerweile korrigiert. Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen.
20.08.2013, 13:32 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de
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