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Razzien, Ermittlungen, Prozesse: Die Liste der VW-Skandale

Razzien, Ermittlungen, Prozesse  

Die lange Liste der VW-Skandale

21.03.2018, 15:38 Uhr | Markus Abrahamczyk, t-online.de

Razzien, Ermittlungen, Prozesse: Die Liste der VW-Skandale. VW-Zentrale in Wolfsburg: Eine lange Liste von Skandalen bringt den Konzern in Schieflage. (Quelle: dpa/Peter Steffen)

VW-Zentrale in Wolfsburg: Eine lange Liste von Skandalen bringt den Konzern in Schieflage. (Quelle: Peter Steffen/dpa)

Immer wieder Razzien, Prozesse und Milliardenkosten – dafür aber Vorstandsgehälter, die sogar die Kanzlerin überraschen. VW kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen. Die Liste der Skandale.

Mäßigung sieht anders aus: Allein Vorstandschef Matthias Müller verdiente 2017 mehr als 10,1 Millionen Euro. Im Jahr 2016 waren es noch 7,25 Millionen Euro. Insgesamt stiegen die Gehälter der Konzernspitze 2017 von 39,5 auf 50,3 Millionen Euro. Vor allem wegen der guten Geschäftsentwicklung, hieß es zur Begründung.

VW-Chef Matthias Müller (r) und Personalvorstand Karlheinz Blessing: Die Gehälter der Konzernspitze stiegen 2017 auf gut 50 Millionen Euro. (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)VW-Chef Matthias Müller (r) und Personalvorstand Karlheinz Blessing: Die Gehälter der Konzernspitze stiegen 2017 auf gut 50 Millionen Euro. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Und das, während viele VW-Kunden um den Wert ihres Autos und die Kosten für dessen Umrüstung fürchten. Schuld daran sind die Abgasmanipulationen von Volkswagen. "Erstaunt" zeigte sich deshalb auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vorige Woche im ZDF über "sehr hohe Zuwachsraten bei bestimmten Gehältern".

Diese Einschätzung teilen viele Beobachter. Denn der Absatz des VW-Konzerns mag zwar gewachsen sein – die Liste der Klagen und Ermittlungen ist es allerdings auch.

Ein Gerät zur Abgasuntersuchung misst die Emissionen eines Dieselmotors: Im Skandal um unerlaubte Software sind bis heute viele Fragen ungeklärt. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)Ein Gerät zur Abgasuntersuchung misst die Emissionen eines Dieselmotors: Im Skandal um unerlaubte Software sind bis heute viele Fragen ungeklärt. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

September 2015: Dieselskandal

Vor mittlerweile zweieinhalb Jahren, im September 2015, wird der Abgasskandal publik, der Gerichte und Autofahrer bis heute beschäftigt. Schon jetzt kostet die Aufarbeitung den Konzern mehr als 25 Milliarden Euro – und zwar allein für Rückrufe, Schadenersatz und Strafen in den USA. Die Gesamtkosten sind längst noch nicht abzusehen, denn weltweit verlangen Aktionäre einen Ausgleich für Kursverluste infolge des Skandals. Dem Konzern werfen sie vor, zu spät über den Einsatz von Schummelsoftware informiert zu haben. Allein beim Braunschweiger Oberlandesgericht wurden mehr als 1.600 Klagen mit einem Gesamtvolumen von etwa neun Milliarden Euro eingereicht.

Außerdem wollen betroffene Kunden den Konzern und seine Händler zur Rücknahme manipulierter Dieselautos bringen. Viel Erfolg haben sie damit bislang nicht. Aber vor wenigen Tagen entschied ein Gericht in Hamburg: Ein VW-Händler muss ein manipuliertes Dieselauto zurücknehmen und gegen einen Neuwagen tauschen. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Aber es habe Strahlkraft auf ähnliche Prozesse, sagt der Anwalt des Klägers.

Die Grafik zeigt die Stationen der deutschen Autoskandale. Bitte klicken Sie auf die Fähnchen unter den Fotos:

Juli 2017: Kartellverdacht

Im Juli 2017 kommt ein weiterer Verdacht hinzu: Fünf deutsche Autohersteller sollen auf geheimen Treffen illegale Absprachen getroffen haben, berichtet der "Spiegel". Neben VW gehören dazu auch Audi, BMW, Mercedes und Porsche. Diese Treffen sollen bereits seit den 1990er-Jahren stattgefunden haben. In dem Bericht heißt es, dass dabei unter anderem abgesprochen wurde, welche Technik in den Autos zum Einsatz kommen soll. Auch über Preise, Zulieferer und Märkte haben die Unternehmen, die ja eigentlich im Wettbewerb miteinander stehen sollten, Vereinbarungen getroffen. Wieder stehen also Ermittler vor der Tür, diesmal kommen sie von der EU-Kommission.

Über die Absprachen mit der Konkurrenz hatte Volkswagen die Behörden selbst informiert. Genau wie Mercedes übrigens, allerdings meldeten sich die Schwaben bereits zwei Jahre früher. Lange Zeit wusste davon aber niemand. Und das aus gutem Grund: Nun ist Mercedes nämlich Kronzeuge in dieser Angelegenheit und darf darauf hoffen, mit einem blauen Auge davonzukommen. Hierfür kamen VW die Gewissensbisse zu spät: Da man die Absprachen erst als zweiter Verdächtigter von sich aus zugab, liegt der Straferlass bei maximal 50 Prozent.

Bernd Osterloh: Ermittlungen konzentrieren sich auf Zahlungen an den Konzernbetriebsratschef, sie richten sich jedoch nicht gegen Osterloh. (Quelle: dpa/Peter Steffen)Bernd Osterloh: Ermittlungen konzentrieren sich auf Zahlungen an den Konzernbetriebsratschef, sie richten sich jedoch nicht gegen Osterloh. (Quelle: Peter Steffen/dpa)

November 2017: Verdacht der Untreue

Den Weg zur Konzernzentrale kennen sie inzwischen bestens: Im November 2017 durchsuchen Staatsanwälte drei Büros der Führungsspitze. Diesmal haben sie auch Steuerfahnder dabei. Sie gehen dem Verdacht der Untreue nach. Es geht dabei um Gelder, die der Betriebsratschef Bernd Osterloh erhalten hat. Unter anderem besteht der Verdacht, dass VW bei den Zahlungen an Osterloh zu hohe Betriebsausgaben geltend gemacht hat. Osterloh, einer der einflussreichsten Köpfe des Konzerns, gilt bei den Ermittlungen nur als Zeuge.

Januar 2018: Tierversuche

Es ist der absolute Tiefpunkt in dieser Liste der Skandale: Um zu beweisen, dass moderne Dieselmotoren unschädlich seien, werden zehn Affen gezielt deren Schadstoffen ausgesetzt. Das deckt im Januar 2018 die "New York Times" auf. Aus Gerichtsunterlagen und Regierungsdokumenten geht hervor, dass die Affen bereits im Jahr 2014 vier Stunden lang die Abgase eines manipulierten VW Beetle einatmen mussten. Die Quälerei war Teil einer Studie der Lobby-Initiative EUGT (Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor), die von VW, Daimler und BMW finanziert wurde. Mitte 2017 wurde die Vereinigung aufgelöst. Die Berichte lösten weltweite Empörung aus.

März 2018: Verdacht der Marktmanipulation

Anfang März 2018 ist es mal wieder so weit: Ermittler der Staatsanwaltschaft rücken in die VW-Zentrale ein. Sie durchsuchen die Büros in Wolfsburg wegen der Hintergründe zu einer Mitteilung aus dem Jahr 2015. Damit hatte der Konzern eine frühere Veröffentlichung revidiert, wonach bis zu 800.000 Autos von "nicht erklärbaren Werten" bei der Abgasmessung betroffen seien. In der neuen Veröffentlichung hieß es plötzlich, dass es Abweichungen nur bei 36.000 Autos gegeben habe.

Nicht nur in der Öffentlichkeit wird diese Aussage angezweifelt, sondern auch von der Staatsanwaltschaft. Dabei beruft sie sich auf eigene Ermittlungen. Das wiederum würde bedeuten, dass Volkswagen den Kapitalmarkt mit falschen Informationen manipuliert haben könnte. Wegen der laufenden Ermittlungen wollte sich Volkswagen dazu nicht äußern.

Verwendete Quellen:
  • dpa-AFX
  • Reuters

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