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E-Scooter: Stiftung Warentest & Umweltbundesamt kritisieren Sicherheit und Ökobilanz

Circ, Lime, Tier und Voi im Test  

Stiftung Warentest kritisiert fehlende Sicherheit bei vielen E-Scootern

03.09.2019, 14:31 Uhr | AFP, dpa, t-online.de

 (Quelle: dpa)
Bein raus zum Blinken: Fahrtraining mit den neuen E-Scootern

E-Tretroller sind seit mehreren Wochen in Frankfurt ausleihbar. Doch was dem einen Spaß macht, ist für den anderen ein Sicherheitsrisiko. Ein Anbieter lädt nun zum Fahrtraining. (Quelle: dpa)

E-Scooter: Fahrtraining soll jetzt eigentlich für Sicherheit sorgen, kurios mutet dabei das Vorgehen beim Blinken an. (Quelle: dpa)


Elektro-Tretroller zum Leihen sind praktisch und nahezu überall verfügbar. Das ist bequem. Doch wenn man sich ihre Verkehrssicherheit, den Datenschutz und ihre Ökobilanz anguckt, sollte man sie laut Experten lieber meiden.

Die Stiftung Warentest stellt Elektro-Tretrollern und ihren Verleihern ein bislang mäßiges Zeugnis aus. Wie sie am Dienstag mitteilte, konnten die Angebote der Rolleranbieter Circ, Lime, Tier und Voi im Test nicht überzeugen. "Die Preise für Fahrten mit Miet-E-Scootern sind hoch und ihr Beitrag zu einem sauberen Stadtverkehr ist bisher überschaubar", lautete das Urteil. "Außerdem sammeln die Apps mehr Daten als notwendig."

Sicherheitsbedenken auf unebenen Straßen

Drei Tester fuhren mit Leihrollern aller vier Anbieter durch Berlin. Das habe auf ebenem Untergrund Spaß gemacht, "doch sobald man über Kanten, Kopfsteinpflaster oder Huckel fährt, ist der Fahrspaß vorbei", erklärte die Stiftung Warentest. "Teilweise wurden unsere Tester so durchgeschüttelt, dass sie die Fahrt wegen Sicherheitsbedenken abbrachen." Zusätzlich seien die Roller beim Abbiegen "für Handzeichen und einhändiges Fahren viel zu wackelig".

Kritik übte die Stiftung auch an den Fahrpreisen: Zu einem Euro Entsperrgebühr kämen Minutenpreise zwischen 15 und 25 Cent. "Stundenpakete bietet derzeit nur Circ an, zum Beispiel zwei Stunden für neun Euro, bei Lime würde das bis zu 31 Euro kosten."

E-Scooter sind nicht umweltfreundlich

Nach Ansicht der Warentester "enttäuschen die Miet-Scooter Hoffnungen auf ein umweltfreundliches Verkehrsmittel bisher noch", weil sie nachts zwecks Aufladung und Wartung eingesammelt und dann wieder verteilt werden – meist per Transporter. Außerdem hätten mehrere Roller im Test nicht mehr ordentlich funktioniert oder mitgenommen ausgesehen, "obwohl sie erst seit einigen Wochen durch die Straßen sausen".

Auch das Umweltbundesamt kritisiert die Ökobilanz der E-Scooter, vor allem, was ihren Einsatz in Innenstädten angeht. "Die gefahrenen Strecken sind meist sehr kurz und können regelmäßig auch zu Fuß, mit Bus, Bahn oder Fahrrad bewältigt werden", so UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Im Vergleich zum Fahrrad seien sie die "deutlich umweltschädlichere" Variante.

Am Stadtrand wäre Nutzen größer

Hilfreicher wäre es, wenn Verleihanbieter die Fahrzeuge in Außenbezirken aufstellen würden, sagte Krautzberger. "Hier kann es durchaus sinnvoll sein, die zu lange Strecke zu Bus oder Bahn schnell mit dem E-Scooter anstatt mit dem Auto zu überbrücken." Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatte jüngst kritisiert, dass am Rand von Großstädten oft keine Leihroller verfügbar seien.

In einem Papier, dass das Umweltbundesamt (UBA) nun ins Netz stellte, heißt es: "Wird der E-Scooter anstatt der eigenen Füße oder des Fahrrades benutzt, ist das schlecht für Umwelt und Gesundheit." Der Umwelt helfe es, wenn der Umstieg vom Auto auf öffentlichen Nahverkehr erleichtert und das eigene Auto überflüssig werde. "Diese Art der Nutzung scheint bisher jedoch nur auf einen geringen Anteil der Nutzenden zuzutreffen."

Studien dazu, für welche Wege E-Scooter genutzt würden und ob sie Pkw oder Motorräder ersetzten, lägen bisher für Deutschland nicht vor, heißt es weiter. Erste Zahlen aus Berlin ließen aber vermuten, dass die Wege im Schnitt etwa zwei Kilometer lang seien. Eine Umfrage in Paris habe ergeben, dass 85 Prozent der Nutzer ohne Roller zu Fuß gegangen wären, öffentlichen Nahverkehr oder das Rad genutzt hätten.

Seit Monaten streiten Befürworter und Gegner über die seit Juni in Deutschland zugelassenen E-Tretroller. Dabei geht es oftmals auch um zugeparkte Gehwege, verstopfte Radwege oder betrunkene Fahrer, aber auch um Umweltfragen.

E-Scooter sollten bestimmte Umweltkriterien erfüllen

Das UBA setzt sich auch kritisch mit der Herstellung und Lebensdauer der Akkus, dem Strombedarf und der Logistik hinter den Leihrollern auseinander. Die Behörde bringt den Vorschlag ins Spiel, dass Kommunen nur E-Scooter zum Verleih genehmigen könnten, die bestimmte Umweltkriterien erfüllen. "Dazu zählen die Austauschbarkeit der Akkus, die Reparierbarkeit nebst Ersatzteilverfügbarkeit sowie eine lange garantierte Lebenserwartung des Akkus beziehungsweise des E-Scooters", heißt es im Papier.

Herstellung und Lebensdauer seien für die Umweltbilanz "wesentlich". Vergleichsweise gering falle der Ladevorgang ins Gewicht – im Idealfall geschehe dies mit Ökostrom. Für eine umfassende Beurteilung der Umweltauswirkungen sei es noch zu früh. Für Pedelecs, also Elektro-Fahrräder, hat das UBA errechnet, dass nach 165 Kilometern die klimaschädlichen CO2-Emissionen der Akku-Herstellung beglichen sind, wenn man mit dem E-Bike statt mit dem Auto fährt.


UBA-Präsidentin Krautzberger betont, dass das privat genutzte Auto in Städten das "deutlich größere Umweltproblem" sei im Vergleich zum E-Scooter – "sowohl was die Schadstoffe als auch was den Lärm angeht". Städte müssten etwa die Zahl der Stellplätze für Autos deutlich reduzieren, auch um mehr Platz für Rad- und Fußwege zu schaffen. Im Papier der Behörde heißt es, die Bedeutsamkeit des Themas E-Scooter und ihrer Nachhaltigkeit solle "nicht überbewertet werden". In Berlin etwa kämen – Stand Juli – derzeit auf einen E-Scooter rund 270 Pkw.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, afp

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