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Gigaliner: Keine Brems- und Spurassistenten

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Keine Brems- und Spurassistenten für Gigaliner

04.04.2011, 15:04 Uhr | dapd

Die technischen Sicherheitsstandards beim geplanten Feldversuch mit Gigalinern sollen offenbar nicht über die normalen Vorschriften hinaus gehen. Das geht aus einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums für die Verkehrsministerkonferenz hervor. Allerdings werden die Lastzüge am Heck mit einem Schriftzug "Achtung Überlänge" markiert.

Entgegen früheren Ankündigungen sind bisher weder Brems- noch Spurassistenten bei den rund 400 Fahrzeugen vorgesehen, die voraussichtlich ab Sommer fahren sollen. Auch auf kameraunterstützte Möglichkeiten zur Beobachtung des nachfolgenden Verkehrs wird verzichtet, obwohl sie in bisherigen Länderversuchen montiert und gelobt worden waren. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat sie in Abschlussberichten empfohlen.

Gigaliner: Das sind die Sicherheitssysteme

Der Bericht des Bundesverkehrsministeriums sieht "bislang" folgende Sicherheitsvorkehrungen an den bis zu 25,25 Meter langen Lastzügen vor:

  • Differenzialsperre oder Antriebsschlupfregelung
  • Scheibenbremsen, elektropneumatisches Bremssystem und Retarder
  • elektronische Achslastüberwachung
  • Einrichtungen für indirekte Sicht (Rückspiegelausstattung) nach der Richtlinie 2003/97/EG
  • Konturmarkierungen gemäß Regelung ECE 104
  • rückwärtige Kenntlichmachung durch Schild mit der Aufschrift "Achtung Überlänge" (Schrifthöhe 130 Millimeter) und
  • Spurhalteleuchten an allen Anhängern.

Sicherheitsassistenten sind im Ausland teilweise schon Standard

Bei den meisten Elementen handelt es sich um Sicherheitsmerkmale, die zumindest in einigen Ländern bereits vorgeschrieben sind. Ein Bremsassistent würde bei drohenden Auffahrunfällen selbsttätig eine Notbremsung einleiten, ein Spurassistent würde den Fahrer beim Verlassen seiner Fahrspur warnen und eine Heckkamera würde die Beobachtung des nachfolgenden und des überholenden Verkehrs insbesondere bei schlechter Witterung erleichtern. Alle drei Systeme sind bereits serienmäßig erhältlich. "Höchste, auf die speziellen Anforderungen des Lang-Lkw abgestimmte sicherheitstechnische Standards" hatte zuletzt die "Initiative für Innovative Nutzfahrzeuge" gefordert, in der sich 18 Verbände und Logistikunternehmen zusammengeschlossen haben. Die Wirtschaft biete dafür Lösungen an.

VDA, BDI und Daimler fordern höhere Standards

Auch das Deutsche Verkehrsforum fordert mehr Sicherheit, als in der Vorlage vorgesehen. In einem Forderungskatalog aus der vergangenen Woche heißt es: "Lang-Lkw müssen mit allen derzeit am Markt in Serie verfügbaren aktiven und passiven Sicherheitssystemen, wie zum Beispiel Fahrerassistenzsystemen zur Abstandshaltung, Spurhaltung, geregeltem Bremssystem (EBS), Antischlupfregelung oder Elektronisches Stabilisierungsprogramm (ESP) ausgestattet sein ..." Abgestimmt ist der Katalog unter anderem mit dem Automobilherstellerverband, dem Bundesverband der deutschen Industrie, Daimler, dem ADAC und sogar der Deutschen Bahn AG, deren "Straßentochter" Schenker allerdings nicht an dem Feldversuch teilnehmen will.

Gigaliner mit geschrumpften Sicherheitsstandards stoßen auf Kritik

Auch die Schienenverkehrslobby, die von den "Gigalinern" Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße befürchtet, kritisierte die mangelnde Festlegung auf höchste Sicherheitsstandards: "Überhaupt nicht nachvollziehbar ist, was diesen zum Regionalversuch geschrumpften Feldversuch der Bundesregierung von den bisherigen Ländertests unterscheidet", bei denen die Lastzüge mit Kameras ausgestattet waren, erklärte Allianz-pro-Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege auf Anfrage. "Minister Ramsauer sollte die Finger von den Riesen-Lkw lassen und statt dessen lieber das Netz für den Güterverkehr auf der Schiene ausbauen", forderte er.

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