Ein Verein will aufräumen  

So trickste der ADAC

25.02.2014, 18:57 Uhr | dpa

Die Tricks des ADAC. ADAC-Affäre: Immer neue Vorwürfe gegen den Autoclub (Quelle: dpa/David Ebener)

ADAC-Affäre: Immer neue Vorwürfe gegen den Autoclub (Quelle: David Ebener/dpa)

Eigentlich ist es aus Sicht des ADAC einfach: Ex-Kommunikationschef Michel Ramstetter ist schuld am Skandal. In Eigenregie soll er beim Autopreis "Gelber Engel" Zahlen geschönt und Plätze vergeben haben. Die restliche Führungsspitze will davon nichts mitbekommen haben - schließlich vertraute man sich.

Das legt auch der Bericht der externen Prüfer von Deloitte nahe, der am Dienstag in München präsentiert wurde. Nur bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" gab es demnach Manipulationen. Die anderen Kategorien seien sauber. Zumindest, soweit die Prüfer das aufgrund der lückenhaften Datenlage nachweisen konnten. So startet der Automobilclub frisch gestärkt in seine Erneuerung - und viele Fragen bleiben offen.

In einem Minutenprotokoll legte Deloitte-Prüfer Frank Marzluf dar, wie Ramstetter am 28. November 2013 die Ergebnisse schönte - um mehr Markenvielfalt zu erzielen. 8.54 Uhr: Ramstetter erhält über sein Sekretariat eine Mail mit den Ergebnissen der Leserwahl. 12.13 Uhr: das Endergebnis wird ans Sekretariat gemailt und um 14.36 Uhr veröffentlicht. Dazwischen: Autos tauschen die Ränge, aus vierstelligen Teilnehmerzahlen werden fünfstellige. Oder, um es mit Marzlufs Worten zu sagen, da sei mit Zahlen "gespielt" worden.

Mailverkehr lässt aufhorchen

Doch es gab noch einen anderen Mailverkehr, der aufhorchen lässt. So protokollierten die Prüfer am 14. Oktober 2013 eine Mail von einem ADAC-Mitarbeiter an Ramstetter, in der es um einen Zwischenstand zur besten Reiselimousine ging, die unter anderem aufgrund des sogenannten ADAC-Zielgruppen-Checks ermittelt wird. Darin heißt es: "Sollten Sie Fragen oder mit einzelnen Ergebnissen Bauchschmerzen haben, teilen Sie uns dies bitte möglichst rasch mit, damit wir noch gegensteuern können."

Offensichtlich gab es Bauchschmerzen, wie eine weitere Mail der Abteilung "Test & Technik" elf Tage später nahelegt. "Auch mit noch so viel gutem Willen" sei es nicht möglich, das zweitplatzierte Fahrzeug auf Rang eins zu bekommen, heißt es darin. Der Grund: Die beiden Tests, auf denen die Platzierung beruht, seien bereits veröffentlicht und die Bewertungen der Zielgruppenbewertungen eindeutig. Der ADAC räumte den Manipulationsversuch durch Ramstetter ein, machte aber auch klar: Er sei von dem anderen Mitarbeiter ja zurückgewiesen worden.

Obermair soll gehen

Ramstetter, Ex-Präsident Peter Meyer - beide nicht mehr beim ADAC. Nun soll auch Obermair folgen. Derzeit verhandelt die Spitze mit ihm über ein einvernehmliches Ende. Geschäftsführer Stefan Weßling ist bereits gegangen. Allerdings stellt Markl auch klar: Keiner der beiden habe mit den Manipulationen zu tun. Stattdessen setzt man auf eine Revolution. Marion Ebentheuer soll ab März in die ADAC-Spitze aufrutschen. "Das ist die erste Frau, die in 111 Jahren Geschichte unsere Geschäfte mitführen wird", verkündete Markl deshalb stolz.

Er wolle den "immens großen Reformprozess" vorantreiben, ohne Tabus, erklärte der kommissarische Präsident und versprach: "Wir wollen alles auf den Prüfstand stellen." Das soll auch für Statistiken und Tests gelten, von Qualitätssicherung ist die Rede.

Gefährliches Vertrauen

Ein klein bisschen Schuld räumt am Ende aber auch Markl ein, galt beim ADAC doch eine "Vertrauenskultur". Die Geschäftsleitung habe deshalb "gewisse Kriterien vernachlässigt". Dies habe ermöglicht, dass "diese Person" - gemeint ist Ramstetter - Prozessschwächen ausgenutzt habe. In diesem Klima gegenseitigen Vertrauens wurden deshalb wohl auch wichtige Dinge nicht immer dokumentiert. "Es fehlen immer einzelne Datensätze, die wir am Ende des Tages nicht mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen konnten", bemängelte Deloitte-Prüfer Marzluf. Das mache es oft schwierig, Preisvergaben nachzuvollziehen, nicht zuletzt, weil sich die Kriterien immer wieder änderten.

So könnte der ADAC aus dem ganzen Debakel vor allem eine Erkenntnis ziehen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Davon ist inzwischen auch Markl überzeugt: "Die gefährlichsten Strukturen sind Vertrauensstrukturen."

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