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Warum es keine Abbiegeassistenten für LKWs gibt

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ADFC fordert Abbiegeassistenten  

"Abbiegende Lkw sind eine Todesfalle für Radfahrende"

14.06.2018, 09:38 Uhr | Petra Albers, dpa

Warum es keine Abbiegeassistenten für LKWs gibt. Verkehrsunfall Lkw und Radfahrer (Quelle: imago/Olaf Selchow)

Verkehrsunfall: Ein Abbiegeassistent soll Unfälle zwischen Radfahrern und Lkws verhindern. (Quelle: Olaf Selchow/imago)

Zusammenstöße zwischen Lastwagen und Radfahrern enden für die Radler oft tödlich. Abbiegeassistenten könnten viele Unfälle verhindern. Deshalb sind sich im Grunde alle einig: Die Systeme sollten verpflichtend werden. Aber so einfach ist das leider nicht.

Ein Müllwagen überrollt beim Rechtsabbiegen einen kleinen Jungen, der mit seinem Fahrrad unterwegs ist. Der Siebenjährige kommt dabei ums Leben. Der Unfall in Köln löste Ende Mai in ganz Deutschland Betroffenheit aus. Diese Woche starb ein Achtjähriger an einer Kreuzung in Berlin, ein rechtsabbiegender Lastwagen hatte den kleinen Radler überfahren und getötet.

Immer wieder sterben Radfahrer bei Zusammenstößen mit abbiegenden Lastwagen. Oft geraten sie in den tückischen "toten Winkel", sodass die Lasterfahrer sie nicht rechtzeitig sehen. Allein in diesem Jahr sind nach einer Auflistung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) bundesweit bereits mindestens 19 Radfahrer bei solchen Abbiegeunfällen gestorben.

ADFC fordert Abbiegeassistent

"Abbiegende Lkw sind eine Todesfalle für Radfahrende", sagt ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Er verlangt, dass Abbiegeassistenten für Lastwagen verpflichtend vorgeschrieben werden. Eine Forderung, die auch in Politik und Wirtschaft breite Unterstützung findet.

Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) könnten in Deutschland durch elektronische Abbiegeassistenten jährlich fast 200 Unfälle mit getöteten oder schwer verletzten Radfahrern verhindert werden. Das Assistenzsystem warnt den Lkw-Fahrer mit einem Signalton, wenn sich ein Radfahrer oder Fußgänger neben dem Fahrzeug befindet. Im Idealfall würde es bei Gefahr sogar eine Notbremsung einleiten.

Gesetze müssen international beschlossen werden

Das Problem: Deutschland kann nicht im Alleingang Gesetze über die Ausrüstung von Lkw erlassen – dafür ist eine EU-weite Regelung erforderlich. Die Bundesregierung hat schon im vorigen Jahr einen entsprechenden Vorschlag bei der zuständigen Europaarbeitsgruppe der Vereinten Nationen (UNECE) eingereicht. Dieser werde auch von den deutschen Nutzfahrzeugherstellern unterstützt, betont der Verband der Automobilindustrie (VDA).

"Ich habe kein Verständnis dafür, dass es auf internationaler Ebene immer noch keine verpflichtenden Abbiegeassistenten gibt", teilt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf Anfrage mit. "Es kann nicht schnell genug gehen." Er habe das Thema auch auf die Tagesordnung des EU-Verkehrsministerrats setzen lassen. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass für neue Lastwagen und Busse Abbiegeassistenten vorgeschrieben werden sollen. Die Bundesländer machen ebenfalls Druck. Der Bundesrat sprach sich jüngst zudem für eine Nachrüstpflicht für ältere Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen aus.

Umsetzung dauert mindestens zehn Jahre 

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung UDV, schätzt, dass eine EU-Regelung für Neufahrzeuge bestenfalls in etwa fünf Jahren in Kraft treten könnte. Bis dann letztlich fast alle Laster, die auf den Straßen unterwegs sind, mit Assistenzsystemen ausgestattet sind, würden weitere fünf Jahre vergehen.

Bis dahin sind Übergangslösungen gefragt – unter Beteiligung aller Seiten. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) sieht – wie der UDV und der ADFC – die Hersteller in der Pflicht, schnell serienreife Abbiegeassistenten zu entwickeln. Bislang biete nur ein Hersteller für einen Teil seines Sortiments radargestützte Abbiegeassistenten an, kritisiert der BGL.

Nachrüstung verursacht hohe Kosten

Umgekehrt scheuen wohl viele Speditionen die Kosten für eine Nachrüstung ihrer Flotte. Das Bundesverkehrsministerium fördert bereits den Einbau von Abbiege- sowie Kamerasystemen, um Radfahrer und Fußgänger zu schützen. Der Bundesrat hat sich zudem dafür ausgesprochen, dass die Versicherer den Unternehmen Rabatte für Nutzfahrzeuge mit Abbiegeassistenten gewähren sollten.

Nach Auffassung des ADFC sollte der Bund auch Kommunen bei der Umrüstung ihrer Müllwagen und Baufahrzeuge unterstützen, denn an vielen schweren Lkw-Unfällen seien städtische Fahrzeuge beteiligt. Außerdem müssten Verkehrsführung und Ampelschaltungen besser auf die Sicherheit von Radfahrern abgestimmt werden, verlangt der Verein.

Verwendete Quellen:
  • dap

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