Sie sind hier: Home > Auto > Recht & Verkehr >

In diesen Gebieten ist Carsharing teurer

Car2Go berechnet Zuschläge  

In diesen Gebieten ist Carsharing teurer

02.01.2019, 10:38 Uhr | Nico Esch, dpa

In diesen Gebieten ist Carsharing teurer. Fahrzeuge von Car2Go: Ungenutzte Fahrzeuge kosten die Carsharing-Unternehmen Geld.  (Quelle: imago images/Jochen Tack)

Fahrzeuge von Car2Go: Ungenutzte Fahrzeuge kosten die Carsharing-Unternehmen Geld. (Quelle: Jochen Tack/imago images)

Carsharing ohne feste Stationen ist praktisch für die Nutzer. Für die Anbieter bedeutet es aber auch Kosten. Wie die Anbieter diese auf Kunden abwälzen. 

Randlage ist in Stuttgart eigentlich begehrt und teuer. Wer es sich leisten kann, meidet den engen Talkessel und wohnt lieber etwas abseits – mit entsprechendem Aufpreis, versteht sich.

Wer Autos im Randgebiet mietet, zahlt weniger 

Bei Car2Go, Daimlers Carsharing-Dienst, ist es neuerdings umgekehrt: Wer in ein am Stadtrand abgestelltes Fahrzeug einsteigt, zahlt nun oft weniger als bisher. Wer hingegen zur Hauptverkehrszeit in der verstopften Innenstadt ein Car2Go-Auto bucht, bekommt mehr berechnet. Randlagenrabatt gegen City-Zuschlag, und zwar nicht nur in Stuttgart, sondern überall in Deutschland.

Hinter der Änderung der Preispolitik steckt ein Problem, das es nicht nur hier und nicht nur bei Car2Go gibt. Es plagt alle, die Carsharing nach dem sogenannten Free-Floating-Prinzip anbieten – also ohne feste Anmietstationen.

Stehende Fahrzeuge sind für Anbieter teuer

Für die Nutzer ist dieses Konzept ausgesprochen praktisch, weil sich oft gleich um die Ecke ein Leihauto findet und es nahezu überall innerhalb eines bestimmten Radius wieder abgestellt werden kann. Für die Anbieter aber hat das System einen Haken: Wird ein Fahrzeug in einer wenig frequentierten Gegend, meist am Rand des Geschäftsgebiets, abgestellt, steht es dort unter Umständen stundenlang ungenutzt herum. Und wie bei Flugzeugen, Schiffen, Last- und Lieferwagen gilt beim Carsharing: Stillstand kostet Geld.

"Die Standzeiten der Fahrzeuge zu verkürzen, ist eine grundsätzliche Herausforderung des Free-Floating-Konzepts, je nach Stadt mal mehr und mal weniger", sagt Car2Go. Die Frage sei: "Wie bekommt man die inaktiven Fahrzeuge aus den Bereichen mit geringer Nachfrage heraus – und in Bereiche mit höherer Nachfrage herein?" Denn steuere man nicht aktiv gegen, gebe es irgendwann zu viele inaktive Autos in Randgebieten – und an den Hotspots der Innenstädte, wo sie gebraucht würden, nicht mehr genug.

Auch Geschäftsgebiete verkleinern

Etwa 15 Mal am Tag wird jedes Car2Go-Auto im Wochendurchschnitt gemietet, es können aber auch mal über 20 Anmietungen sein – zum Beispiel in Berlin, in den 24 Stunden ab Freitagnachmittag, wie das Unternehmen vorrechnet.

Damit die Werte nicht deutlich darunter fallen, versucht es Car2Go nun mit den wechselnden Preisen, um Menschen zu animieren, in ein zu lange ungenutztes Auto einzusteigen. In Stuttgart etwa wurde vor gut einem Jahr auch schonmal das Geschäftsgebiet deutlich verkleinert. Dadurch fielen Gegenden weg, in denen häufig Autos strandeten.

Auch DriveNow setzt Maßnahmen gegen Stillstand ein

Auch bei DriveNow von BMW, jetzt noch Konkurrenz, bald aber Partner von Daimler in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen, kennt man das Problem. Komplett flexibel ist das Preissystem dort zwar nicht. Geringere Minutenpreise für Autos, die zu lange ungenutzt sind, gibt es aber auch, wie ein Sprecher erklärt. Oder, wie in Köln, kostenlose Bonusminuten für Kunden, die ein Fahrzeug wieder zurück an einen Hotspot fahren. Auch Anpassungen der Geschäftsgebiete gebe es je nach Stadt immer wieder, sagt der Sprecher. Diese könnten auch mal größer werden, zum Beispiel um eine gut frequentierte Bahnstation noch einzubinden.

Aber bringt das alles etwas? "Die Menschen sind schon sehr preissensitiv", sagt Verkehrsforscher Martin Kagerbauer vom Karlsruher Institut für Technologie. Insofern könne die Taktik schon Erfolg haben. Auch ein möglichst homogen gestaltetes Geschäftsgebiet sei wichtig. Aber letztlich habe man es eben mit Menschen zu tun und die verhielten sich nicht immer rational. "Man wird so nicht alle Standorte der Fahrzeuge ändern können. Aber es ist ein erster Schritt, das zu steuern", sagt Kagerbauer.

Mitarbeiter stellen Fahrzeuge um

Ansonsten müssten die Anbieter Mitarbeiter losschicken, um die Autos zurückzuholen. "Aber man hat sehr schnell gesehen, dass sich das nicht lohnt", sagt Kagerbauer. "Es rechnet sich wirtschaftlich nicht." Car2Go etwa versucht deshalb, solche manchmal unvermeidbaren Aktionen mit ohnehin notwendigen Service-Maßnahmen an den Autos zu verbinden. Gesteuert wird das Ganze von einem Algorithmus, der dem Mitarbeiter sagt, wo er das Fahrzeug am Ende wieder abstellen soll.

Im September etwa betraf dieses Prozedere in Berlin rund zwei Prozent aller Fahrten der dort stationierten Autos. Ein weiteres Prozent waren reine sogenannte Relocation-Fahrten, also Touren, die dazu dienten, das jeweilige inaktive Fahrzeug wieder in eine belebtere Gegend zu bekommen.

Selbstfahrende Autos als Lösung?

Ideal ist das alles nicht. Auch DriveNow spricht zwar von eher vereinzelt auftretenden Fällen – die seien aber mit hohem Aufwand und entsprechenden Kosten verbunden.


Abhilfe könnten autonom fahrende Autos schaffen, wenn es sie irgendwann gibt. Die parken sich – gesteuert vom Computer – selbst immer genau da, wo sie gerade gebraucht werden. Die Standzeiten gingen dadurch praktisch gegen null, dafür würde sich die Verfügbarkeit deutlich erhöhen, rechnet Car2Go vor. "Wir kalkulieren, dass wir in der autonomen Zukunft den heutigen Bedarf mit nur 50 Prozent der Fahrzeuge abdecken könnten", sagt ein Sprecher.

Diese Reduzierung der Fahrzeugzahl wäre dringend notwendig. Sonst bestehe die Gefahr, dass ganze Flotten leer und allein in der Gegend herumfahrender Carsharing-Autos wieder für mehr Verkehr sorgten, warnt Experte Kagerbauer. "Das wäre dann kontraproduktiv", sagt er. Denn eigentlich ist Carsharing ja genau für das Gegenteil gedacht.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Gebrauchtwagensuche

Anzeige
Magenta SmartHome Bonus: bis zu 4 Geräte für nur 1,- €*
zur Telekom
Gerry Weberbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Auto > Recht & Verkehr

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe