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Amokfahrer: Was uns vor ihnen schützen kann

Experte erklärt  

Was uns vor Amokfahrern schützen kann

Von Markus Abrahamczyk

09.10.2019, 08:32 Uhr
Amokfahrer: Was uns vor ihnen schützen kann. Limburg an der Lahn: Bei dem Crash am Montagnachmittag wurden acht Menschen und der Fahrer verletzt, der Lkw war gestohlen. (Quelle: dpa/ Sascha Ditscher)

Limburg an der Lahn: Bei dem Crash am Montagnachmittag wurden acht Menschen und der Fahrer verletzt, der Lkw war gestohlen. (Quelle: Sascha Ditscher/dpa)

Es geschieht immer wieder: Mit Vollgas steuert ein Amokfahrer mitten in eine Menschenmenge. Anscheinend lassen sich solche Taten nicht völlig verhindern. Oder doch? Antworten eines Experten.

Limburg, Münster, Berlin, aber auch Toronto oder Nizza – die Liste der Tatorte ist lang. Amokfahrer missbrauchen ihr Fahrzeug als Waffe, verletzen und töten viele Menschen. Sind wir solchen Tätern schutzlos ausgeliefert? t-online.de fragte den Dekra-Sachverständigen Marcus Gärtner.

Poller am Berliner Breitscheidplatz: Kurz vor Weihnachten 2016 fielen hier zwölf Menschen einer Amokfahrt zum Opfer. (Quelle: imago images/PEMAX)Poller am Berliner Breitscheidplatz: Kurz vor Weihnachten 2016 fielen hier zwölf Menschen einer Amokfahrt zum Opfer. (Quelle: PEMAX/imago images)

Innenstädte besonders gefährdet

Gerade in dicht gedrängten Städten unterscheidet der Experte zwischen Großveranstaltungen, wie einem Weihnachtsmarkt, und den übrigen Stadtbereichen. "Mitten in der City, etwa der Platz vor dem Café in Münster, wo es 2018 zu einer Amokfahrt kam, kann natürlich nicht alles zu hundert Prozent abgesichert werden", sagt Gärtner.

Volksfeste ließen sich besser schützen. "Da gibt es inzwischen auch schon wirksamere Systeme als noch vor Kurzem", ergänzt Gärtner. Seit die Dekra im Jahr 2017 einen Test mit einem Anti-Terror-Poller durchgeführt hat, habe sich in diesem Bereich viel getan. Der Test zeigte, dass der damals überprüfte Poller eher wenig Sicherheit bot.

Wirksamkeit eines modernen Pollers im Video

Inzwischen funktionieren die mobilen Poller, die sich kurzfristig aufstellen lassen, anders als die damaligen: Durch ihre Bauweise wird der Lkw in die Höhe katapultiert, dadurch kommt er schon nach kurzer Zeit zum Stehen. Außerdem wird der Lkw dabei stark zerstört. Das bestätigte ein Versuch der Dekra: "In einem Test stand der 50 km/h schnelle Lkw nach etwa 17 Metern. Einen Lkw schneller mit einem mobilen System zu stoppen, ist schwierig."

Zentrum von Münster: Hier starben im April 2018 vier Menschen durch eine Amokfahrt. (Quelle: imago images/Cord)Zentrum von Münster: Hier starben im April 2018 vier Menschen durch eine Amokfahrt. (Quelle: Cord/imago images)

Fest installierte Poller sind wirksamer

Wirksamer, aber auch viel aufwendiger, sind fest installierte Poller, wie man sie zum Beispiel vom Flughafen kennt. Für sie gibt es Richtlinien für Anpralltests. Unter anderem reicht ihr Fundament bis zu zwei Meter tief in die Erde. Solche Poller bringen einen Lkw beinahe sofort zum Stehen. Hier gibt es aber ein ganz anderes Problem: Der Lkw steht, aber sein Fahrerhaus reißt ab und schlägt eventuell in eine Menschenmenge hinein.

Poller können nicht überall stehen

Außerdem können solche Poller natürlich nicht überall in unseren Innenstädten verbaut werden. Das bestätigen auch die Verantwortlichen in den Städten: "Die Städte sind Orte des Zusammenlebens und des Miteinanders und wir können sie nicht überall mit Barrieren und Pollern verbarrikadieren", sagte Markus Lewe der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Präsident des Deutschen Städtetags ergänzte, dass Rettungsdienste und Lieferverkehr schließlich weiterhin Zufahrtswege in jeden Bereich einer Stadt benötigen.

Amokfahrt in Toronto (Kanada): Mit diesem Wagen wurden im April 2018 zehn Menschen getötet. (Quelle: dpa/Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press)Amokfahrt in Toronto (Kanada): Mit diesem Wagen wurden im April 2018 zehn Menschen getötet. (Quelle: Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press/dpa)

Auch die Lkw-Hersteller sind gefragt

Aber sind nicht auch die Hersteller von Lkw und Transportern gefragt? Können sie die schweren Trucks nicht sicherer machen und die Bevölkerung vor Amokfahrern schützen? Lassen sich dafür keine Programme entwickeln?

Doch, sagt Gärtner, und die gebe es bereits: "Der Notbremsassistent hat ja zum Beispiel im Fall des Berliner Breitscheidplatzes gewirkt." Die Hersteller hätten natürlich die Schwierigkeit, dass ihre Lkw in der Innenstadt an vielen Fußgängern vorbeikommen müssen – teilweise auch ziemlich nah. "Das ist für ihre Sicherheitssysteme eine schwierige Situation. Und die Hersteller bemühen sich um hohe Verkehrssicherheit ihrer Lkw, was ja auch ganz richtig ist. Die öffentliche Sicherheit ist aber eigentlich nicht ihre Aufgabe."

Nizza im Juli 2016: Ein Attentäter tötet mit einem Lkw mindestens 86 Menschen. Er wird noch im Führerhaus von Polizisten erschossen. (Quelle: imago images/PanoramiC)Nizza im Juli 2016: Ein Attentäter tötet mit einem Lkw mindestens 86 Menschen. Er wird noch im Führerhaus von Polizisten erschossen. (Quelle: PanoramiC/imago images)

Einen kleineren Transporter hätte ohnehin auch kein Notbremsassistent gebremst. Denn der ist nur für neue Lkw ab acht Tonnen vorgeschrieben. Warum eigentlich? Das System könnte genau wie ABS und Airbag gut in jedem Auto zur Pflicht werden. Außerdem sollte es sich grundsätzlich nicht abschalten lassen und nach der Deaktivierung selbstständig wieder zuschalten. Das fordert der ADAC bereits seit Jahren.
 

 
Was wäre denn nun der wirksamste Schutz? Gärtner sagt: "Dafür müsste man mehrere Maßnahmen hintereinanderschalten, aber das ist sehr aufwendig. Wie das genau aussehen könnte, dazu sind Anforderungskataloge bei nationalen und auch EU-Ausschüssen in Arbeit." Vielleicht werden wir uns also auf ein anderes als das gewohnte Stadtbild einstellen müssen – der Preis der Sicherheit.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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