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Autonomes Fahren: Forderungen nach tödlichem Uber-Unfall

Nach erstem tödlichen Unfall  

Experten fordern strengere Regeln für Roboterautos

20.11.2019, 11:32 Uhr | dpa , mab

Autonomes Fahren: Forderungen nach tödlichem Uber-Unfall. Der Unfallwagen: Ein Roboter-Testwagen des Fahrdienst-Vermittlers Uber hatte im Jahr 2018 eine Fußgängerin angefahren und getötet. Später legte ein Bericht Probleme mit der damaligen Roboterwagen-Software von Uber offen. (Quelle: dpa/Tempe Police Department)

Der Unfallwagen: Ein Roboter-Testwagen des Fahrdienst-Vermittlers Uber hatte im Jahr 2018 eine Fußgängerin angefahren und getötet. Später legte ein Bericht Probleme mit der damaligen Roboterwagen-Software von Uber offen. (Quelle: Tempe Police Department/dpa)

Dass ein Roboterauto einen Passanten tötet, schien nur eine Frage der Zeit. Nach dem ersten Unfall dieser Art üben Experten nun harsche Kritik. Kürzlich gab es zudem eine Sicherheitswarnung aus Deutschland.

Der erste tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Auto könnte zu strengeren Regeln für Roboterwagen-Tests führen. Die US-Verkehrsbehörde NHTSA prüft nun entsprechende Empfehlungen amerikanischer Unfallermittler nach einem Zusammenstoß, bei dem ein Testfahrzeug des Mobilitätskonzerns Uber eine Fußgängerin tötete. Die Ermittlungsbehörde NTSB will unter anderem, dass bisher freiwillige Sicherheitsberichte der Unternehmen zur verbindlichen Voraussetzung werden.

Die NTSB, die auch nach Flugzeugabstürzen aktiv wird, kann zwar nur Empfehlungen aussprechen – ihr Wort hat aber Gewicht in den USA. In einer öffentlichen Sitzung am Dienstag ging vor allem NTSB-Mitglied Jennifer Homendy hart ins Gericht mit den bisherigen Vorschriften der Verkehrsbehörde NHTSA, die sie als "lasch" kritisierte: "Sie haben den technologischen Fortschritt über den Schutz von Menschenleben gestellt."

Bei dem Unfall im März 2018 hatte ein vom Computer gesteuerter Uber-Testwagen in der Stadt Tempe (Bundesstaat Arizona) eine Frau getötet, die ein Fahrrad über eine mehrspurige Straße geschoben hatte. Die unmittelbare Ursache sieht die NTSB darin, dass die Fahrerin des Testwagens abgelenkt gewesen sei. Sie schaute sich nach Angaben der Polizei eine TV-Sendung auf ihrem Smartphone an. Wäre sie aufmerksam gewesen, hätte sie wahrscheinlich genügend Zeit gehabt, den Unfall zu verhindern, wie die NTSB betonte.

Geht Uber zu hohes Risiko ein?

Zugleich kritisierten die Ermittler die Risikobereitschaft von Uber. Beim Umbau zum Roboterwagen war die Funktion des Herstellers Volvo zum automatischen Bremsen abgeschaltet worden. Die Sensoren des Autos hatten die Frau zwar 5,6 Sekunden vor dem Aufprall erfasst – aber Ubers Software konnte sie zunächst weder als Fußgängerin einordnen, noch ihren Weg vorhersagen. Außerdem habe der Fahrdienst-Vermittler nicht genügend das Verhalten der Menschen am Steuer überwacht, auch nachdem Uber auf einen zweiten Mitarbeiter bei den Testfahrten verzichtet habe.

NTSB-Chef Robert Sumwalt betonte, dass Sicherheit entscheidend für die Akzeptanz selbstfahrender Autos sein werde. "Ein Unfall jedes Unternehmens beeinträchtigt das Vertrauen der Öffentlichkeit."

Die USA haben sich in den vergangenen Jahren zu dem Land entwickelt, in dem die meisten Roboterwagen auf öffentlichen Straßen getestet werden. Allein in Kalifornien haben inzwischen mehr als 60 Unternehmen die Erlaubnis für Fahrten mit Mitarbeitern am Steuer bekommen, darunter auch Unternehmen aus Deutschland. Die Google-Schwesterfirma Waymo darf inzwischen auch ohne Sicherheitsfahrer testen. Während in Kalifornien die Unternehmen regelmäßig Berichte über Zwischenfälle sowie das Eingreifen der Sicherheitsfahrer veröffentlichen müssen, gab es in Arizona bisher noch weniger Vorschriften.

Die NTSB forderte Arizona nun auf, die Regeln für die Erteilung einer Testerlaubnis vor allem mit Blick auf die Sicherheit zu verschärfen.

Autonomes Fahren gliedert sich in fünf Stufen:
Level 1 (assistiertes Fahren): adaptive Tempomaten, die den Abstand zum Vordermann automatisch regeln. Der Fahrer muss dabei das Lenkrad in der Hand halten und auf den Verkehr achten.
Level 2 (teilautomatisiertes Fahren): Der Computer unterstützt den Fahrer auf der Autobahn durch Lenk- und Spurassistenten. Im Stop-and-go-Verkehr übernimmt das Auto komplett.
Level 3 (hochautomatisiertes Fahren): Der Fahrer kann sich für längere Momente ablenken lassen, das Auto übernimmt die Fahrt fast vollständig. Allerdings muss der Fahrer wieder schnell ins Geschehen eingreifen können, wenn eine Warnung kommt.
Level 4 (vollautomatisiertes Fahren, ab etwa 2021): Das Auto übernimmt länger die Kontrolle, der Fahrer muss aber in bestimmten Situationen wieder die Steuerung übernehmen. Dazu zählen Schlechtwetter oder schlechte Straßenbedingungen.
Level 5 (fahrerloses Auto): Das Auto fährt permanent autonom. Der Pilot benötigt keinen Führerschein mehr. Die Sitze können entgegen der Fahrtrichtung montiert sein.

 

 
Programm stand vor dem Aus

Offenbar erwog Uber mit Blick auf die Kosten zwischenzeitlich eine Einstellung seines Roboterwagen-Programms. Es verschlang dem "Wall Street Journal" zufolge binnen eines Jahres 750 Millionen Dollar. Für einen Dienst wie Uber bieten selbstfahrende Autos aber auch massive Kostenvorteile – deshalb setzt die Firma weiter auf die Entwicklung eigener Roboterwagen-Technologie.

Warnung auch aus Deutschland

Offenbar droht auch an anderer Stelle eine Gefahr für Fußgänger: Bereits ein bestimmter Farbfleck könne womöglich das System solcher Fahrzeuge verwirren und zum Sicherheitsrisiko werden. Davor warnen Forscher des Tübinger Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS).

Demnach könnte ein bestimmtes Farbmuster als potenzieller Störfaktor wirken – beispielsweise auf einem T-Shirt oder einer Einkaufstüte. Erfasst die Bordkamera eines Autos den Farbfleck, könnte das den Autopiloten lahmlegen – und vor allem bei hoher Geschwindigkeit gefährlich für die Fahrgäste werden.

Die Forscher informierten Firmen wie Tesla, Porsche, Daimler, BMW und Bosch über das mögliche Risiko.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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