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Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive

Mercedes SLS AMG ED - extrem sexy und geil

18.04.2013, 16:52 Uhr | Christian Sauer , wanted.de

Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive . Der Supersportler SLS AMG ED von Mercedes.  (Quelle: Hersteller)

Der Supersportler SLS AMG ED von Mercedes. (Quelle: Hersteller)

wanted.de-Autor und Testfahrer Christian Sauer hatte die exklusive Möglichkeit, den Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive zu testen – und zwar auf einer Rennstrecke. Blau oder grün? Die Frage scheint in diesem Moment ebenso dringend wie unwichtig zu sein, denn was wir hier fahren, ist ein Supersportwagen mit einem Elektromotor an jedem Rad.

Foto-Serie mit 20 Bildern

Wir sind nach Südfrankreich – genauer gesagt nach Le Castellet in die Nähe von Marseille – gereist und stehen nun in der Boxengasse der Rennstrecke "Circuit Paul Ricard". Hier haben wir das besondere Vergnügen, den neuen Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive (= SLS AMG ED) zu testen. Im markanten Grün-Ton waren bereits die Prototypen des, damals noch SLS AMG E-Cell genannten, Supersportwagens mit rein elektrischem Antrieb lackiert. Parallel zur Präsentation des konventionell von einem V8 angetriebenen SLS AMG auf der IAA 2009 lief bereits das ebenso aufwendige wie vielversprechende Projekt der Elektrifizierung. Die stetigen Fortschritte bei der Entwicklung bewiesen immer wieder neue Evolutionsstufen und einzelne Technik-Exponate auf den großen Messen weltweit. All das erfüllte seinen Zweck: die Neugier und Vorfreunde auf den E-Supersportler stetig weiter zu steigern.
Nun hat das Warten ein Ende. Wir greifen zum Schlüssel des blauen Testwagens. >>

Das Design samt der Farbwahl ist natürlich eine Frage des Geschmacks, aber dieses subjektive Urteil erlauben wir uns: "Der Wagen sieht verdammt sexy und geil aus!"

Mit Leichtigkeit lassen sich auch die markanten Flügeltüren im Stil des legendären Mercedes 300 SL aus den 1950er Jahren öffnen – wenn man einmal weiß, wie es geht. Wer diese Hürde überwunden hat, kann nun in die nur 1,26 Meter flache Flunder hineingleiten. Zur auf den ersten Blick komplizierten, aber für Sportwagen typischen Prozedur kommt beim SLS noch ein anderer Aspekt. Wir empfehlen, das Kopfeinziehen nicht zu vergessen, aber mindestens einmal macht jeder unfreiwillig Bekanntschaft mit der Flügeltür – spätestens beim Aussteigen. Die Schalensitze sind sportlich dünn gepolstert und nur bedingt für längere Strecken geeignet, versprechen dafür aber auch viel Seitenhalt, den wir gleich, in schnellen Kurven gut gebrauchen werden. Gefühlt liegen zwischen unserem Allerwertesten und dem Asphalt nur wenige Zentimeter, was Sport- und Rennfahrer zu schätzen wissen, schließlich gibt das berühmte "Popometer" wertvolle Auskunft über >>

Streckenbeschaffenheit und Verhalten des Fahrzeuges im Grenzbereich. Diesen wollen wir mit dem SLS ausloten oder uns zumindest herantasten.

Wer schon einmal in einem "normalen" SLS gesessen hat, muss zweimal hinschauen, um in diesem exklusiven Mikrokosmos aus Leder, Alcantara und Carbon die Besonderheiten des Elektro-Modells zu erkennen. In der Mittelkonsole gesellt sich neben dem kleinen Wählhebel für das Getriebe, dem Start-Knopf und weiteren Schaltern zur Einstellung der Fahrdynamik noch ein Schalter für AMG Torque Dynamics, die intelligente Verteilung der Antriebsmomente dazu. Wozu das?
Der SLS AMG ED besitzt nicht nur einen Elektromotor, sondern einen an jedem Rad. Dadurch profitiert der Supersportwagen nicht nur von den Vorteilen eines klassischen Allradantriebes, sondern zusätzlich auch von der individuellen Ansteuerung der E-Motoren, was völlig neue Freiheiten eröffnet. Klingt kompliziert und ist es technisch auch, aber vereinfacht lässt es sich so erklären: Die kombinierte Leistung von 552 kW / 751 PS und das enorme Drehmoment von insgesamt 1.000 Nm verteilt die Fahrzeugelektronik immer bedarfsbedingt an das Rad oder die Räder, die am meisten Traktion haben. Davon profitieren Fahrdynamik, Fahrverhalten, Fahrsicherheit und -komfort. Mit diesem Knopf lässt sich das System individuell konfigurieren. Auf dem Farb-Display oberhalb der Mittelkonsole werden diese Einstellungen ebenso angezeigt wie die jeweiligen Fahrzustände. Außerdem werden auf dem Bildschirm des Multimediasystems die Temperaturen der Motoren und Batterie, deren Ladezustand und die daraus resultierende Reichweite visualisiert. Letztere soll bei rund 250 Kilometern liegen – was wir hier auf der Rennstrecke allerdings nicht testen können. Zwar verbrauchen Elektromobile beim starken Beschleunigen relativ wenig Energie verglichen mit Benzinern, aber dennoch gehen die Runden hier auf abgesperrtem Terrain stark an die Substanz der flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen Hochvoltbatterie. Bei deren Entwicklung und Produktion profitiert Mercedes vom in der Formel 1 mit den KERS-Systemen gewonnenen Know-how. Mit entsprechender Schnellladevorrichtung soll die Batterie in drei Stunden vollständig geladen sein, an normalen Steckdosen vergehen unterdessen schon mal 20 Stunden.
Wie bei anderen E-Autos üblich, wird über die Rekuperation beim Bremsen und Gaswegnehmen ebenfalls Energie zu(rück)geführt – beim SLS natürlich auf anderem Niveau als bei einem Kleinwagen. Der ED rekuperiert so stark, dass es im öffentlichen Straßenverkehr oft ausreichen wird, den Fuß vom Gas zu nehmen, um zu bremsen. Bei sportlicher Fahrweise kommen dann die Keramik-Hochleistungs-Verbundbremsen im XXL-Format zum Einsatz, um den Wagen mit seiner elektronisch auf 250 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit zu verzögern. Nicht, dass die auf Rundstrecken erprobten und bewährten Stopper damit ein Problem hätten, aber hier haben sie es mit rund 2,1 Tonnen zu tun.
Das ist in der Riege der Supersportwagen kein Bestwert und auf die immer noch recht schwere Batterie zurückzuführen. Die benzingetriebenen SLS-Versionen wiegen bis zu 600 Kilogramm weniger. >>

Ihre Achtzylinder-Motoren leisten zwischen 571 und 631 PS im ebenfalls neuen SLS AMG Black Series. Bei ihm, der vom Motorsport-Pendant SLS AMG GT3 abgeleiteten Variante mit Heckantrieb, sind unbegrenzte 315 km/h Höchstgeschwindigkeit drin. Oben heraus sind Elektro-Sportler konzeptbedingt im Nachteil, bei der Beschleunigung aber dafür wieder im Vorteil. Das wollen wir selbst erleben. Den Drehschalter zur Einstellung des Fahrprogramms belassen wir vorerst auf "Comfort". Nach einer minimalen Verzögerung legt der SLS los und drückt uns vehement in die Sitze. Schneller, als wir unseren Blick auf die Instrumente lenken können, ist die magische Marke von 100 km/h passiert. Offiziell werden 3,9 Sekunden für den Standardsprint angegeben, und das glauben wir auch ohne selbst die Zeit zu stoppen. Diese Beschleunigungsorgie ist sehr beeindruckend und im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend. Dennoch kommen wir um zwei Vergleiche nicht herum: Der bereits erwähnte SLS Black Series mit lautstarkem V8-Benziner ist mit 3,6 Sekunden sogar noch etwas schneller, und auch der inzwischen nicht mehr gebaute Tesla Roadster, war mit 3,7 Sekunden auf 60 Meilen (97 km/h) kaum langsamer.
Was macht den SLS AMG ED also aus? Das aufwendig konstruierte Fahrwerk mit Pushrod-Technik aus dem Motorsport in Verbindung mit dem intelligenten Allradantrieb verwandeln den SLS zum Kurvenräuber. Sehr neutral und gutmütig durcheilt er Kurven und selbst Spitzkehren mit hoher Geschwindigkeit. Für erfahrende Piloten bieten sich der Sport- und Sport-plus-Modus an, in denen die Gasannahme noch spontaner und das Fahrverhalten noch dynamischer wird. Es sind feine Nuancen, die den Fahrstil in einem so starken Elektro-Sportwagen von dem im Benziner unterschneiden, aber sie sind spürbar. Vor allem das sofort anliegende Drehmoment will richtig eingesetzt werden, um den vollen Schub aus den Kurven heraus zu nutzen. Den Grenzbereich des SLS streifen wir bei unserer Fahrt höchstens – er bleibt stets gut kontrollierbar.
Schon kleinere Ausrutscher wären bei einem Kaufpreis von 416.500 Euro ein wirtschaftliches Desaster. Die Klangkulisse bleibt gewöhnungsbedürftig: Zwar hat Mercedes-AMG eigenen Angaben nach durch aufwändige Versuchsreihen und Entwicklungsfahrten mit dem "SLS eSound" ein "exklusives Soundbild komponiert", doch ob zahlungskräftige Interessenten auf die bekannte Soundkulisse von V8- und V12-Hubraumriesen verzichten wollen, bleibt fraglich.
Die Zielgruppe ist bei der Anschaffungssumme von fast einer halben Million Euro von Natur aus überschaubar. Vielleicht ist der SLS AMG Electric gerade deshalb das richtige Auto zur richtigen Zeit. Sprit-fressende Hochleistungssportler werden sich zwangsläufig zu Relikten aus grauer Vorzeit entwickeln. Hybrid-Lösungen wie bei den neuen LaFerrari, McLaren P1 oder Porsche 918 werden wahrscheinlich nur Zwischenstationen auf dem Weg zu weiteren, rein elektrisch angetriebenen Sportwagen sein. Somit ist Mercedes-Benz der Konkurrenz nun einen Schritt vorraus.

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