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Jaguar F-Type im Test

Wilde Raubkatze: Jaguar F-Type

17.07.2013, 18:36 Uhr | Christian Sauer, wanted.de

Jaguar F-Type im Test. Der neue Jaguar F-Type: Atemberaubend, aufregend und aufsehenerregend. (Quelle: Hersteller)

Der neue Jaguar F-Type: Atemberaubend, aufregend und aufsehenerregend. (Quelle: Hersteller)

Unser Autor Christian Sauer testete den neuen Sport-Roadster aus England auf der Straße und der abgesperrten Piste des Bilster Berg Drive Resorts. Ob mit Sechs- oder Achtzylinder-Kompressor-Triebwerken, der Jaguar F-Type ist eine der spektakulärsten Auto-Neuheiten des Jahres.

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Jaguar umweht schon immer ein besonderes Flair: elegant, exklusiv und geschmeidig. Bis auf wenige Ausnahmen entsprachen die meisten Modelle in der über 75 Jahre langen Unternehmensgeschichte tatsächlich dieser Vorstellung. Dabei sticht besonders ein Jaguar heraus – der legendäre Jaguar E-Type aus den 1960ern und 70ern – für viele immer noch eines der schönsten Autos überhaupt.

Nachdem die beiden, zum indischen Tata-Konzern gehörenden Marken Jaguar und Land Rover in den letzten Jahren mehr Gewinn denn je einfuhren, investierte man nicht nur Millionen Pfund in eine verbesserte Infrastruktur, sondern suchte auch ein neues, sportliches Alpha-Tier. Designer Ian Callum sollte Begehrlichkeiten wecken, so wie er es schon früher bei Aston Martin erfolgreich tat. Mit dem F-Type schuf er einen würdigen Nachfolger des E-Types, der nicht nur wegen seines Namens die konsequente Weiterentwicklung des Kult-Roadsters verkörpert. Atemberaubend, aufregend und aufsehenerregend sind Attribute, die auch wir dem F-Type attestieren können. >>

Deutlich kompakter fällt der Jaguar-Nachwuchs mit seiner Länge von 4,47 Meter aus, im Vergleich mit den Cabrios und Coupés der Jaguar XK Baureihe, die auch weiterhin mit V8-Motoren und diversen Leistungsstufen mit bis zu 550 PS im XKR-S gebaut werden. Dabei hat der F-Type dank seines relativ langen Radstands von 2,62 Meter und der Breite von 1,92 den größten "Footprint" seiner Klasse.

Die definiert Jaguar selbst neu als "Mid-Size Sports" zwischen dem Porsche Boxster/Cayman einerseits und Sportwagen wie Aston Martin V8 Vantage, Audi R8, Chevrolet Corvette oder Porsche 911 andererseits. Im Vergleich zum Jaguar F-Type kommt der deutsche Platzhirsch länger, aber auch schmaler daher.
Der Brite unterstreicht seinen sportlichen Charakter mit der geringen Höhe von nur 1,29 Meter, dem ab 96 km/h ausfahrenden Heckspoiler und dem knappen Stoffverdeck. In Sachen Alltags- und Ganzjahrestauglichkeit gibt es aber keine Kompromisse: Es öffnet und schließt sich sehr schnell elektrisch. >>

Die Glasheckscheibe gewährt stets einen klaren Blick nach hinten und durch die gute Fütterung dringen kaum Störgeräusche von außen nach innen. Für ausgedehnte Reisen eignet sich der F-Type aus unserer Sicht dennoch nur bedingt. Der 200 Liter große Kofferraum im Heck bietet zwar ausreichend Platz für ein Golfbag oder einen Getränkekasten deutscher Standardmaße – aber auch nicht für viel mehr. Für einen Jaguar ungewöhnlich straff präsentiert sich die Federung des Adaptiven Fahrwerks selbst in der komfortabelsten Einstellung. Der neue Jaguar war eben von vornherein als waschechter Sportler konzipiert und das ist er am Ende eines jahrelangen Entwicklungsprozesses mit rund 1,6 Millionen Testkilometern tatsächlich auch geworden.

Der Fahrdynamik zu Gute kommt das relativ geringe Gewicht von unter 1.597 Kilogramm beim Einstiegsmodell mit 3-Liter-V6 und 340 PS, 1.614 Kilogramm beim V6 S mit 380 PS und 1.665 Kilogramm im fünf Liter großen V8 S mit 495 PS. Die Alu-Leichtbau-Karosserie des F-Types wurde ausschließlich geklebt und genietet, aber nicht geschweißt – das erhöht die Verwindungs- sowie Quersteifigkeit des Chassis. Weitere Maßnahmen waren die Reduktion der ungefederten Massen und die optimale Gewichtsverteilung zwischen den beiden Achsen. Dies sind allerdings nur die Grundlagen für das, was Jaguar "Connected Feel" nennt. Gemeint ist damit die optimale Verbindung zwischen Fahrer, Auto und Straße, die wir selbst hinterm Steuern erfahren konnten.

Gefühlt liegen zwischen dem Asphalt und unserem Allerwertesten nur wenige Zentimeter, denn im neuen Jaguar sitzt man sehr tief. Konsequent verzichtet der F-Type auf Notsitze hinter den optionalen Performance-Sitzen als Alternative zu den serienmäßigen Sportsitzen. Selbst Großgewachsene finden nicht nur nach oben, sondern auch nach hinten genug Luft. Das gesamte Cockpit scheint auf den Fahrer ausgerichtet und hochwertig verarbeitet. Als nettes Gimmick gibt es das unten abgeflachte Sportlenkrad sogar mit Beheizung. So oder so liegt es gut in der Hand und überträgt die Lenkbefehle äußerst exakt und nahezu ohne Verzögerung auf die hydraulische Lenkung mit elektronischer Regelung. Sicherheit vermitteln die bissigen Bremsen mit bis zu 38 cm großen Scheiben sowie die dynamische Stabilitätskontrolle DSC (ESP).

Während im V6 S ein mechanisches Sperrdifferential für maximale Traktion an der Hinterachse sorgt, kommt beim V8 S ein elektronisches aktives Sperrdifferential zum Einsatz. Die Kraftübertragung übernimmt im F-Type generell eine ZF-Automatik mit acht Stufen, die kaum spürbar aber ähnlich schnell wie ein Doppelkupplungsgetriebe die Gänge sortiert. Jaguar hat bei seinem sportlichen Roadster auf den bei allen anderen Modellen beim Start herausfahrenden Drehschalter verzichtet. Stattdessen laden ähnlich wie in den M-Modellen von BMW ein handlicher Joystick in der Mittelkonsole und die am Lenkrad montierten Schaltpaddel zur Handarbeit ein. Dabei arbeitet die intelligente Elektronik made in Germany nahezu perfekt und sorgt beispielsweise beim Verlassen von Kurven dafür, dass stets der passende Gang eingelegt ist. >>

Im Sport-Modus gibt die Automatik beim Herunterschalten von sich aus Zwischengas, was wunderbar in das Klangfeuerwerk des F-Types passt. Auch in diesem Kapitel differenziert Jaguar die unterschiedlichen Motorisierungen: Das Topmodell verfügt serienmäßig über eine aktive Sport-Abgasanlage mit Klappensteuerung und insgesamt vier Auspuffrohre, sowie der Sound-Taste im Cockpit. Im V6 S gibt es letztgenannte gegen Aufpreis und statt vier, zwei mittige Endrohre im Stil des historischen E-Types. Von der Optik her identisch, gibt es in der Basis serienmäßig auch einen Sportauspuff und die aktive Klappen-Steuerung als Option. Diese können wir aus eigener Erfahrung nur empfehlen, denn wer einmal den Schalter in der übersichtlichen Mittelkonsole gedrückt hat, will eigentlich nie mehr ohne unterwegs sein. Ob nun mit sechs oder acht Zylindern bestückt, ist man so in jedem Fall mit beeindruckendem Sound gesegnet. Die Deaktivierung der Sound-Taste empfiehlt sich dennoch beispielsweise für längere Autobahn-Etappen oder für Ausfahrten zu besonders früher oder später Stunde – die Nachbarn werden es danken!

Fest steht also, der F-Type fährt optisch und akustisch vom Start weg in der ersten Liga. Doch wie sieht es mit der Performance aus? Schon der Basismotor ist mit 340 PS und 450 Nm Drehmoment alles andere als untermotorisiert, was auch die Beschleunigung mit Launch-Control aus dem Stand auf 100 km/h in 5,3 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von elektronisch begrenzten 260 km/h beweisen. Doch zumindest in Deutschland bestellten die ersten Kunden bislang tendenziell lieber die stärkeren Versionen. Unter ihnen fällt die Entscheidung nicht einfach: 340 PS gegenüber 495 PS – jeweils bei 6.500 Touren – 460 Nm ab 3.500 zu 625 Nm schon ab 2.500. Der Leistungsüberschuss des V8-Kompressors spiegelt sich trotz des höheren Gewichts auch in den Fahrleistungen wieder. 4,3 statt 4,9 Sekunden vergehen auf Tempo 100 und abgeriegelt wird das Topmodell erst bei 300, anstatt bei 275 km/h.

Selbst im direkten Vergleich auf der Rennstrecke, mit nahezu voll ausgestatteten und somit fast identischen Fahrdynamik-Features, haben beide Versionen ihre Vorteile. Der V8 S zu Preisen ab 99.900 Euro beeindruckt mit seiner immensen Kraft in jeder Lebenslage. Selbst wenn er die magische 500-PS-Marke (noch) nicht knackt, ist er ein leidenschaftlicher Garant für schier unendlichen Fahrspaß. Der vermeintlich chancenlose Bruder mit Sechszylinder für mindestens 84.900 steht ihm in Sachen Unterhaltungswert kaum nach. Abhängig von den Witterungsbedingungen und der individuellen Qualifikation des Piloten kann der V6 S auf kurvigem Geläuf sogar schneller als der V8 S sein. So bleibt es eine Frage des persönlichen Geschmacks und des jeweiligen Geldbeutels. Eine Schmusekatze ist der F-Type in keinem Fall – schon eher eine wilde Raubkatze – also ein echter Jaguar ganz in der Tradition des E-Types!

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