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Marc Gené: Der Ferrari-Flüsterer

Marc Gené: Der Ferrari-Flüsterer

30.08.2013, 09:45 Uhr | Jens Höfling, wanted.de

Marc Gené: Der Ferrari-Flüsterer. Marc Gené: Er kennt jeden Ferrari wie kaum ein anderer. (Quelle: Shell)

Marc Gené: Er kennt jeden Ferrari wie kaum ein anderer. (Quelle: Shell)

Machtkampf mit dem vierrädrigen Hengst: Der rote Bolide will ausbrechen, doch Marc Gené zieht die Zügel an und zähmt den Formel-Eins-Renner. Der Ferrari-Testfahrer lauscht und erkennt sofort, wo der Hafer sticht – hier stimmt etwas nicht mit den Reifen. Wenn das kein Traumjob ist: Der Testfahrer bei der Scuderia rast mit den heißesten Autos der Welt umher und bekommt dafür noch gutes Geld. Wir haben mit ihm gesprochen.

Foto-Serie mit 8 Bildern

Jeder Auto-Enthusiast liebt den Sound der Pferdestärken aus Maranello, aber nur wenige können ihn verstehen. Mark Gené gehört dazu. Er ist der Pferde-Flüsterer für die Marke, die das „Cavallino rampante“ im Logo trägt – das sich aufbäumende Pferdchen. Wenn dem unscheinbar wirkenden 39-Jährigen etwas nicht passt, dann spuren alle bei den Autobauern aus Maranello. Denn der Spanier kennt die roten F1-Boliden wie kaum ein anderer – und auch die Flitzer für die Straße hat er im Griff, wie er uns gleich selbst bewiesen hat.

Alarmstart im Ferrari FF: Der Motor röhrt, die Beschleunigung drückt uns tief in die Sitze. Als hinter dem überholten Opel Corsa plötzlich die Kurve mit über 200 Sachen auf uns zuschießt, frage ich mich, wie Marc Gené den Hengst noch am Schopf packen will. Doch keine Bange: Die Furie hat eine Traktionskontrolle eingebaut und die hatte der Testfahrer auch eingeschaltet. >>

Also: Runter mit dem Puls und entspannen – bald sind wir beim Formel-Eins-Rennen in Spa angekommen, wo wir uns über den Traumberuf unterhalten haben.

Materialtest bei 300 Sachen Bei Ferrari macht Gené den Job, für den jeder Scuderia-Fan sein Hab und Gut hergeben würde. Er testet die Formel-1-Boliden der Ferrari-Fahrer Fernando Alonso und Felippe Massa, fährt sie noch bevor die F1-Helden erstmalig in die Autos steigen. Gené kann, was nicht viele können: Fühlen, wie der Ferrari tickt. Kostbare Fähigkeiten

Und das Wichtigste: Er kann diese Gefühle in Worte fassen, sie an die Mechaniker und Fahrer weitergeben und an jeden sonst, der seine kostbaren Fähigkeiten in Anspruch nimmt. Genau das unterscheidet ihn auch vom Rennfahrer.

“Der Rennfahrer ist nur auf Performance aus, beim Testfahrer ist die Performance eine von vielen Faktoren – wichtig ist für uns vor allem zu wissen, wie sich neue Elemente in diesem wunderbaren Auto bewähren“, schwärmt Gené im Gespräch mit wanted.de. “Ich muss niemandem erklären, wie das Bremsen oder Schalten funktioniert.” Vielmehr sei es wichtig, zu wissen, welche Materialien das Bremsen genau beeinflussen. “Ich muss außerdem die Motorengeräusche genau einschätzen und Veränderungen an der Leistungsgrenze wahrnehmen und die wichtigsten Dinge weitergeben." 

Der jüngste Kartmeister in Spanien

Dennoch muss der Spanier wie die Rennpiloten fahren und deren Vorlieben kennen. “Es bringt nichts, wenn Fernando Alonso eine etwas härtere Federung im Formel-1-Boliden bevorzugt, ich aber die weichere Gangart mag. Dann sind meine Kommentare nutzlos.” Dass er waschechte Rennfahrer-Gene besitzt, steht außer Frage. Gené stieg 1987 mit 13 in den Kart-Sport ein und brillierte – 1990 gewann als jüngster Fahrer aller Zeiten die spanische Kartmeisterschaft. Über die Formel 3 und die Formel Ford arbeitete er sich nach oben – 1996 gewann er die italienische SuperFormula und 1998 die Open Fortuna by Nissan. Im Jahr 1999 stieg er bei Minardi in die Formel Eins ein, landete aber nicht auf den vorderen Rängen. Seine Karriere als Testfahrer startete 2001 bei BMW Williams, im Jahr 2004 wechselte er zu Ferrari - als Michael Schumacher bei der Scuderia noch für Titel am laufenden Band sorgte. Nebenbei darf er auch selbst ans Steuer: Im Jahr 2009 holte Gené mit Peugeot sogar den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans, jüngst landete er in Le Mans in einem Audi R18 e-tron quattro auf dem dritten Rang. Neben dem Job als Testfahrer hat der Pilot somit noch die Freiheit, als richtiger Rennfahrer Erfolge zu sammeln – ein echter Traumberuf also. Oder doch nicht?

Ein Traumjob sei der des Testfahrers dennoch nicht, stellt Gené überraschend fest: „Meist werden junge Fahrer zuerst von den großen Rennställen zum Testen angeheuert, um sie dann zum Rennfahrer auszubilden. “ Und weiter: „Niemand will wirklich der Testfahrer sein. Das Ziel ist immer der Job des Rennfahrers.” Somit ist der Testfahrer also eine Durchgangsstation – doch eine der besonderen Art. “Das beste Erlebnis als Testfahrer war es, das erste Mal im Jahr 2004 in die Ferrari-Garage zu kommen und den roten Boliden von Schumacher zu sehen und darin die ersten Runden auf der Rennstrecke zu drehen.” Und auch Zeit hat Gené mehr als genug, etwa für Moderatoren-Jobs beim Fernsehsender Antena 3. Getestet wird in der Formel 1 erst wieder in der kommenden Saison. Schuld ist das strenge Reglement in der Königsklasse, das Tests während der Saison verbietet. Arbeitslos ist Gené deshalb aber nicht: Wenn er nicht gerade die Fahrer, Mechaniker  und Ingenieure der Scuderia berät, ist er bei diversen Ferrari-Events dabei - zum Beispiel als Fahrer am Hockenheimring bei den kommenden “Ferrari Racing Days”.

Auch privat ein Ferrari Über Geld schweigt sich die Branche aus, doch darben muss Gené nicht. Tauschen möchte der ehemalige F1-Fahrer also seinen Job um nichts in der Welt: “Es ist  viel besser ein Testfahrer bei Ferrari zu sein als beispielsweise bei Mercedes - einfach wegen der Straßenautos.” Denn Marc Gené testet nicht nur F1-Rennwagen, sondern auch sonst alles, was aus Maranello kommt. “Mein Lieblings-Straßen-Ferrari ist der F 458. Er kommt am meisten an einen Formel-1-Wagen heran”, schwärmt der Spanier, der privat übrigens den viersitzigen Ferrari FF mit 660 PS fährt - genug Platz für seine Kinder, so Gené. “Ein Geschenk aus Maranello”

Ein Blick auf sein Handgelenk verrät die Begeisterung für die “Roten” auch abseits der Rennstrecke. Hier funkelt eine sündhaft-teure Hublot - natürlich in der Ferrari-Edition für rund 18.000 Euro. “Ein Geschenk aus Maranello”, sagt er stolz.

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