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Aston Martin Vanquish im Fahrbericht

Aston Martin Vanquish im Fahrbericht

08.10.2013, 14:45 Uhr | Christian Sauer

Aston Martin Vanquish im Fahrbericht. Der Aston Martin Vanquish kommt mit starken 573 PS daher. (Quelle: Hersteller)

Der Aston Martin Vanquish kommt mit starken 573 PS daher. (Quelle: Hersteller)

Sich einmal wie James Bond fühlen, in welchem Auto könnte man(n) das besser als in einem Aston Martin? Unser Autor und Testfahrer Christian Sauer schlüpfte für seinen Bericht in die Rolle des Doppel-Null-Agenten und fuhr den 573 PS starken Gran Turismo.

Stilvolle Sportlichkeit und kraftvolle Eleganz – wie kaum ein anderer Hersteller vermag Aston Martin diese Attribute miteinander zu vereinen. Kaum zu glauben ist, dass die durchaus wechselhafte Geschichte des Traditionsherstellers schon 1913, also fünf Jahrzehnte vor dem weltberühmten Kinodebüt des DB5 in "Goldfinger" begann.

Portfolio erweitert

Heute, 100 Jahre nach der Firmengründung steht Aston Martin besser da denn je. Unter der Führung des deutschen Managers Dr. Ulrich Bez wurde die Qualität verbessert und das Portfolio erweitert. Selbst vom Motorsport-Virus infiziert, brachte er Aston Martin auch bei Rennen wie in Le Mans wieder zurück auf die Siegerstraße. Höchstpersönlich pilotierte der inzwischen 69-jährige Ingenieur im Mai beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring einen Wasserstoff-Hybrid-Prototypen auf Basis der Zwölfzylinder-Limousine Rapide S.

Es ist immer wieder erstaunlich, was der relativ kleine Hersteller Aston Martin vermag, selbst auf die Beine – respektive die Räder – zu stellen. Dabei helfen Kooperationspartner, wie neuerdings auch Mercedes-AMG. Gerade um zukünftige Modelle aus Gaydon für noch strengere Emissionsvorschriften fit zu machen, ist externes Know-How gefragt. Bis auf den Cygnet, der veredelten Version des Toyota-Kleinwagens iQ und den V8 Vantage setzt Aston Martin derzeit noch ausschließlich auf Zwölfzylinder-Saugmotoren mit viel Hubraum.

Emotionales Meisterwerk

Missen wollen wir das 6-Liter-Triebwerk im Vanquish nicht. Es leistet maximal 573 PS und 620 Nm Drehmoment. Übertragen wird die Kraft wie bei allen V12-Modellen von Aston Martin über eine 6-Gang-Automatik an die Hinterachse.

Beim Blick in den prall gefüllten Motorraum fällt der Blick zum Glück nicht auf Plastikabdeckungen. Stattdessen findet sich dort die traditionelle Plakette mit dem Namen des Mechanikers, der für die Endmontage zuständig war. >>

Der Blick schweift weiter über Kohlefaser, woraus die gesamte Karosserie besteht. Sichtbar wird der Carbon-Leichtbau auch im edel ausgekleideten Kofferraum – mit 368 Liter groß genug für einen Wochenendtrip oder ein Bond-Abenteuer. Farblich passend lässt sich auch der Innenraum gestalten, in dem die hinteren Notsitze auf Wunsch zu Gunsten zusätzlicher Ablagen entfallen. In der ersten Reihe nehmen wir auf bequemen Sportsitzen Platz, die guten Seitenhalt bieten und zum Teil abgesteppt sind. Die Farbe der Nähte ist ebenso individuell bestellbar, wie die des feinen Leders.

Die Mittelkonsole ist deutlich moderner geworden

Dazu gesellt sich Alcantara beispielsweise unterm Dachhimmel oder am Lenkrad. Das ist nicht nur oben und unten, sondern auch an den Seiten abgeflacht – wirkt zuerst gewöhnungsbedürftig, liegt aber gut in der Hand. Während wir edle Details, wie die Instrumente mit gegenläufigen Zeigern und den gläsernen Schlüssel, bereits aus anderen Modellen von Aston Martin kennen, wirken die Mittelkonsole mit Sensortasten und das Infotainmentsystem mit wegklappbarem Display nun deutlich moderner. Nur die Schalter für die 007-Spezialausrüstung suchen wir vergebens.

Von besonderem Kaliber zeigt sich das Soundsystem von Bang & Olufsen mit den beiden ausfahrenden Hochtönern. Dennoch tut sich selbst der Best-of-Soundtrack der Bond-Filme gegen die grandiose Klangkulisse aus den beiden Endrohren am Heck schwer.

Kein Supersportwagen

Vollmundig, aber nicht so brachial wie bei einem Ferrari oder Lamborghini, präsentiert sich der Vanquish akustisch beim Start und bei Vollgas. Dann geht es mit Launch Control in 4,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 295 km/h. Es mag schnellere Sportwagen geben, doch zum Rasen ist der Aston Martin nicht gedacht. Gentlemen-Driver sind sich stattdessen der Kraftreserven bewusst und lassen es entspannt angehen.

Die adaptive Federung verliert selbst im Sportmodus nicht die Contenance. Der Geradeauslauf fällt relativ stabil aus und schnelle Kurven meistert der 4,72 Meter lange GT routiniert wie der Geheimagent seine gefährlichen Aufträge. Nur in engen Kehren macht sich das relativ hohe Gewicht von 1739 Kilogramm durch den Zwölfzylinder etwas nachteilig bemerkbar. Ansonsten gibt sich der Vanquish sehr neutral abgestimmt. Die serienmäßigen Keramikbremsen verzögern vehement und die wichtigsten Sicherheitssysteme sind mit an Bord.

Wenn Geld keine Rolle spielt

Ähnlich ungezügelt wie 007’s Konsum von Vodka-Martini, geht der Aston Martin mit seinem Treibstoff um. 14,4 Liter werden offiziell angegeben – bei unseren Testfahrten mit regelmäßigen Zwischensprints tendierte die Digitalanzeige gen 20. Sechs Liter Hubraum wollen eben gefüllt werden und dennoch oder gerade deswegen hat dieser Motor einen großen Anteil am Reiz des Vanquish. Wer keinen Wagenmeister mit dem Codenamen "Q" kennt, muss rund eine viertel Million Euro  für das Coupé und mindestens 265.000 Euro für den Volante mit Stoffdach ausgeben. Der Bond-Faktor ist dabei serienmäßig und unbezahlbar.

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