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Flachbildfernseher mit hohen Hertz-Zahlen: Sinnvoll oder nicht?

Teurer Hertz-Wahn bei Flachbildfernsehern

14.01.2010, 13:57 Uhr | Andreas Lerg

Flachbildfernseher mit hohen Hertz-Zahlen: Sinnvoll oder nicht? . Flachbild-TV: Sind 600 Hertz wirklich notwendig? (Quelle: imago images/INSADCO)

Flachbild-TV: Sind 600 Hertz wirklich notwendig? (Quelle: INSADCO/imago images)

Die Hersteller von Flachbildfernsehern überbieten sich mit Hertz-Zahlen bei der Bildwiederholfrequenz. 100 Hertz hat sich gerade als Standard etabliert, da gelten plötzlich 200 Hertz als das nächste große Ding. Doch da kommt schon der nächste Fernseher gleich mit 600 Hertz. Macht dieses Hertz-Rasen wirklich Sinn oder ist es nur Marketing-Prahlerei? Wie viel Hertz braucht ein Flachbildfernseher wirklich?

Ein LCD-Fernseher, der nicht mindestens 100 Hertz Bildwiederholrate zu bieten hat, schafft es nur noch als Schnäppchen in die Prospekte der Elektronik-Händler. Sony legte als erster Hersteller bei den LCD-Geräten die Messlatte auf 200 Hertz, und Panasonic wirbt sogar mit 600 Hertz für seine Plasma-Fernseher. Dabei schafft der 600 Hertz-Fernseher nicht wirklich echte 600 Bilder pro Sekunde. Viel mehr werden zu jedem einzelnen Bild zwölf so genannte Unterbilder erzeugt und angezeigt. Bei 50 echten Bildern pro Sekunde ergeben sich aus den zwölf Unterbildern die 600 Hertz. Dadurch wird der Nachzieheffekt bei dynamischen Bewegungen minimiert.

Der 100-Hertz-Irrtum

Zur Einführung der 100-Hertz-Technik bei LCD-Fernsehern wurde diese gerne als Wunderwaffe angepriesen gegen langsame Panels und schlechte Signalverarbeitung. Der Verkaufserfolg der 100-Hertz-Geräte wurde aber sicher auch durch ein weitverbreitetes Missverständnis beflügelt. Bei Röhrenfernsehern waren Geräte mit 100-Hertz-Technik nämlich schon längst etabliert. Hier beseitigte die Technik aber das für Röhrenfernseher typische Flimmern. LCD-Fernseher flimmern schon prinzipbedingt nicht. Dennoch kommt die Verdoppelung der Bildwiederholrate auch bei Flachbildfernsehern dem TV-Genuss zu Gute, da sie dem LCD-typischen Ruckeln entgegenwirkt und für flüssigere Bewegungen bei schnellen Kameraschwenks sorgt. Logisch, dass die Hersteller für ihre 200-Hertz-Modelle noch sanftere Bewegungen versprechen. Wie das genau funktioniert, sehen Sie hier in der Foto-Show.

Mehr kostet (viel) mehr

Mit der Hertz-Zahl steigt jedoch in der Regel auch gleich der Preis, sodass die aktuelle Geräte dieser Klasse meist weit oberhalb der gängigen Einstiegspreise zu finden sind. Wie viel Hertz braucht man nun für den Kinospaß zu Hause? Fachhändler Patrick Brunner von den Hifi-Profis aus Darmstadt rät zur Gelassenheit: "Die eigentliche Idee ist, dass die Vervielfachung des Bildes eine scharfe, flüssige Bewegung auf dem Bildschirm darstellen soll. Ob dies jetzt mit 100, 200 oder gar 600 Hz möglich gemacht wird, spielt keine Rolle."

Was bedeuten Bildwiederholfrequenz und Hertz?

Patrick Brunner beschreibt die Problematik so: "Kundenseitig oft bemängelte Situationen waren Sportübertragungen, insbesondere Fußball mit stark dynamischen Bildinhalten, also schnellen Bildwechseln und lange Passagen mit dem kleinen schnell fliegenden Ball, der einen ausgeprägten Schweif hinter sich her gezogen hat." Die Ursache liegt in der Wahrnehmung des menschlichen Auges. Denn 24 aufeinanderfolgende Bilder pro Sekunde werden als bewegtes Bild wahrgenommen. Zeigt ein Fernsehapparat eine Sendung wirklich nur mit diesen 24 Bildern pro Sekunde, ist ein deutliches Flackern zu sehen. Jahrzehntelang arbeiteten die guten alten Röhrenfernseher daher mit der doppelten Rate und zeigten 50 Bilder pro Sekunde, sprich mit 50 Hertz.

50 Hertz sind nicht mehr zeitgemäß

Bei den modernen Röhrengeräten und vor allem Flachbildfernsehern erwiesen sich 50 Hertz aber bald als zu langsam. Vor allem hochauflösende HD-Bilder ruckeln und stottern bei nur 50 Hertz derart, dass wir es mit dem Auge deutlich wahrnehmen können. Daher beträgt der "Hertz-Schlag" moderner LCD- und Plasma-Fernseher heute üblicherweise 100 Hertz.

Was genau macht die Technik?

Fernsehsignale, egal ob herkömmliche oder HDTV, werden nach wie vor mit maximal 50 Hertz gesendet. Ein Fernseher mit 100 Hertz verdoppelt die Bilderzahl, indem er ein Zwischenbild zwischen dem aktuellen und dem nachfolgenden Bild berechnet. Natürlich werden die Bilder dabei auch grundsätzlich noch optimiert. Damit kann so ein moderner Flachmann durch diese 100-Hertz-Technik flüssige Bewegungen anzeigen. Fernseher mit noch höherer Bildwiderholfrequenz berechnen dementsprechend mehrere Zwischenbilder. Ein 200 Hertz-Gerät berechnet also drei Zwischenbilder, sodass mit dem ursprünglichen Originalbild dann vier Bilder die 200 Hertz Bildwiederholrate ergeben.

Der Sprung von 50 auf 100 Hertz bei der Bildwiederholfrequenz brachte für die Bildqualität einen deutlicher Fortschritt. Vor allem schnelle Bewegungen stellen die Geräte sichtbar besser und geschmeidiger dar. Eine höhere Hertz-Zahl bedeutet immer, dass Filme noch "schneller" und flüssiger auf die Mattscheibe gebracht werden. Tests wie der des Magazins CHIP haben ergeben, dass der Sprung von 100 auf 200 Hertz ebenfalls Verbesserungen bringt und sehr gute Bilder liefert. Doch der Unterschied fällt deutlich geringer aus als zwischen 50 und 100 Hertz. Der Aufpreis von mehreren hundert Euro lohnt sich also nur für besonders anspruchsvolle Zuschauer.

Das Hertz-Rasen hat gerade erst begonnen

Die Hertz-Zahlen, mit denen die Hersteller auf ihren Internetseiten und in Prospekten prahlen, werden weiter steigen. Die Unterschiede zwischen den Geräten mit niedriger, hoher und noch höherer Bildwiederholfrequenz werden immer geringer ausfallen. Irgendwann sieht das menschliche Auge sowieso keinen Unterschied mehr. Daher hier der Tipp für schlaue Käufer: Warten Sie ab, bis das neueste Topmodell einer Serie kommt und kaufen Sie dann dessen Vorgänger deutlich günstiger.

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