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So gelingen Fotos bei wenig Licht

dpa, Julia Ruhnau

22.03.2018Lesedauer: 3 Min.
Sonnenuntergang ĂŒber MĂŒnchen: Damit Bilder bei solchen LichtverhĂ€ltnissen oder sogar bei noch weniger Licht gelingen, brauchen Fotografen ein Stativ und viel Experimentierfreude bei den Kameraeinstellungen.
Sonnenuntergang ĂŒber MĂŒnchen: Damit Bilder bei solchen LichtverhĂ€ltnissen oder sogar bei noch weniger Licht gelingen, brauchen Fotografen ein Stativ und viel Experimentierfreude bei den Kameraeinstellungen. (Quelle: Sven Hoppe/dpa-bilder)
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Fotografieren heißt malen mit Licht. Doch was, wenn das Licht fehlt? In der DĂ€mmerung oder in schwach beleuchteten RĂ€umen zĂ€hlt die passende AusrĂŒstung mehr als sonst. Wer an den richtigen RĂ€dchen dreht, kann dann auch bei Nacht tolle Bilder schießen.

Der Himmel beginnt, sich golden zu fĂ€rben, die Sonne verschwindet hinter dem Horizont. Doch wer seine Familie oder vorbeifliegende Vögel im Restlicht des Tages aufnehmen will, sieht nur verschwommene Konturen auf dem Foto. Was tun? "Man hat bei wenig Licht die Wahl: entweder verwackelte Bilder oder Rauschen", sagt die DĂŒsseldorfer Fotografin Arianne Ruppel. Rauschen bedeutet, dass das Bild grobkörniger wird - und verwackelte Bilder kennt jeder.

Fotoauslöser lĂ€nger drĂŒcken

Das sind zwei Extreme, doch sie zeigen gut, was beim Fotografieren bei wenig Licht wichtig ist. Bei schwindender Helligkeit lĂ€sst sich vorhandenes Licht durch lĂ€ngere Belichtungszeiten einfangen. Je lĂ€nger der Verschluss beim AbdrĂŒcken geöffnet bleibt, desto mehr Licht trifft auf den Sensor, und desto heller wird das Bild. Der Nachteil: Bewegungen werden bei langen Belichtungen unscharf abgebildet. "Es gibt nie zu wenig Licht fĂŒr die Kamera, sondern nur zu wenig Licht zum Stillhalten", sagt Ruppel.

Ab Belichtungszeiten von lĂ€nger als 1/60 Sekunden fĂ€llt es ohne StĂŒtze schwer, die Kamera stabil zu halten, fĂŒr bewegte Motive sind 1/160 Sekunden oder kĂŒrzer ratsam. Eine Faustregel fĂŒr die Belichtungszeit aus der Hand ist, die Brennweite als Nenner im Bruch zu nehmen. Wenn man an seinem Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 50 Millimetern fotografiert, bekommt man bis etwa 1/50 Sekunde ein scharfes Bild - bei Objektiven mit Bildstabilisation.

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Am ISO-Wert schrauben

Der ISO-Wert ist das zweite StellschrÀubchen. Es gilt: Je höher, desto lichtempfindlicher. Hohe ISO-Werte verursachen allerdings Bildrauschen, Fotos sehen dann grobkörniger aus. Ab welchem ISO-Wert das passiert, unterscheidet sich von Kamera zu Kamera. Manche Modelle rauschen schon ab ISO 800, andere erst jenseits der 6400. "Man sollte das vorher einmal im Wohnzimmer ausprobieren, die Kamera auf den Tisch legen und alle ISO-Stufen durchtesten", rÀt Ruppel.

Bei wenig Licht spielt die AusrĂŒstung eine wichtigere Rolle als sonst. Wenn es dunkel wird, brauchen Hobbyfotografen mindestens ein Modell, bei dem sie Belichtungszeit und ISO-Wert manuell einstellen können. Es hilft auch ein lichtstarkes Objektiv, bei dem sie die Blende etwa bis zu einem Wert von 2,8 oder höher öffnen können. Notfalls könne man sich die Objektive ja leihen, rĂ€t Victoria Bonn-Meuser, Fotografin und Dozentin an der Berliner Fotoschule f/16. Allerdings sollte man die Blende nicht ganz öffnen - sonst wird nur ein winziger Bereich des Bildes scharf.

Stativ fĂŒr unbewegte Motive

Auch ein Stativ verringert die Verwacklungsgefahr. "Das kommt aber eigentlich nur fĂŒr nicht bewegte Motive infrage", sagt Wolfgang Elster vom Deutschen Verband fĂŒr Fotografie (DVF). Denn ein Stativ gleicht bei lĂ€ngeren Belichtungszeiten zwar zitternde HĂ€nde aus, tanzende Menschen oder fliegende Vögel bewegen sich aber natĂŒrlich weiterhin. Wer das als Stilmittel benutzen will und etwa verschwommene Scheinwerferspuren auf der Straße fotografieren möchte, ist mit einem Stativ aber gut bedient.

Gleiches gilt fĂŒr Bilder von Mond und Sternen. Hier sind mindestens sechs Sekunden Belichtungszeit nötig. Wie lange belichtet werden soll, können Fotografen ĂŒber die Bulb-Funktion an der Kamera einstellen. "Je realistischer das Bild aussehen soll, desto kĂŒrzer muss die Belichtungszeit sein", sagt Bonn-Meuser. Zu lange Belichtung lĂ€sst den Nachthimmel eher blĂ€ulich als nachtschwarz erscheinen.

Blitzen oder nicht?

Und dann ist da noch die Frage: Blitzen oder nicht? Das muss man aus zwei Perspektiven sehen, sagt Fototrainerin Ruppel. "Was ist mein Hauptmotiv, was ist der Hintergrund?" Da der interne Blitz nur wenige Meter weit reicht, kann man damit nur den Vordergrund aufhellen. Wer aber zum Beispiel ein Paar im Sonnenuntergang fotografieren will, könne den Hintergrund ruhig dunkel machen - die Farben kommen dann besser zur Geltung. Mit dem Blitz hellt man die Personen auf - sonst sieht man nur deren Silhouetten auf dem Foto.

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Spielen können Fotografen auch mit der Belichtungskorrektur. "Ich stelle die oft auf -3, weil die Kamera helle Bereiche eher ĂŒberbelichtet", erklĂ€rt Fotografin Jana Groß, Mitglied in der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Fotografie (GfF). "Außerdem fotografiere ich alles im RAW-Format." Wenn das Bild doch einmal zu dunkel geraten ist, könne man es dann in der Nachbearbeitung am PC leichter aufhellen. Also: Keine Panik, wenn das Bild auf dem Display zu dunkel aussieht. "Man hat viel Ausschuss", beruhigt Groß. Und auf dem PC sieht alles oft weniger dramatisch aus, als es am Anfang schien.

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