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Nokia 9 PureView mit Fünffach-Kamera: Das Fünf-Augen-Prinzip

Nokia 9 PureView  

Fünf Augen sehen nicht mehr als zwei

Von Laura Stresing

29.05.2019, 10:18 Uhr
Nokia 9 PureView mit Fünffach-Kamera: Das Fünf-Augen-Prinzip. Das Herstellerbild zeigt das Nokia 9 PureView einmal von hinten und von vorne: Das neue Nokia-Flaggschiff ist seit März für 649 Euro erhältlich.  (Quelle: Hersteller/HMD Global)

Das Herstellerbild zeigt das Nokia 9 PureView einmal von hinten und von vorne: Das neue Nokia-Flaggschiff ist seit März für 649 Euro erhältlich. (Quelle: HMD Global/Hersteller)

Die Hauptkamera des Nokia 9 PureView setzt auf fünf verschiedene Objektive. So viele gibt es bei sonst keinem Top-Smartphone. Der Hersteller verspricht sich davon Fotos mit noch mehr Tiefe und Ausdruck. Die Bedienung erfordert allerdings Geduld und Geschick. 

Man möchte ja nicht lästern. Aber der Anblick der sieben "Augen" auf der Rückseite des Nokia 9 PureView ist schon gewöhnungsbedürftig. Zweifach-, Dreifach, ja sogar Vierfach-Kameras hat man schon gesehen. Aber fünf Objektive plus Lichtsensor und Blitz? Mit der Fünffach-Kamera schlägt Nokia ein neues Kapitel auf. Und wie sich in unserem Test zeigt, ändert sich dadurch nicht nur die Optik eines Smartphones.

Das Design

Beim Design macht die Marke wieder einiges richtig. Die fünf Zeiss-Objektive sind in die Glasrückseite eingelassen. Bei anderen aktuellen Modellen wie dem Samsung Galaxy S10+ steht der Kamera-Riegel etwas vor, was beim Ablegen stört. Insgesamt setzt Nokia auf ein klassisch-zurückgenommenes Design. Dazu passt, dass es das Nokia 9 PureView bislang nur in einer Farbe gibt: Midnight Blue. 

Das Smartphone hat ein angenehmes Format und ist nur acht Millimeter dünn. Dadurch liegt es gut in der Hand und der neue In-Display-Fingerabdrucksensor ist auch mit einer kleinen Hand gut erreichbar. 

Das Display

Anders als bei vielen anderen Top-Modellen füllt das 5,99-Zoll-Display nicht die ganze Front aus. Oben, unten und an den Seiten bleibt ein Rand. Das wirkt etwas konservativ, könnte aber zur Stabilität beitragen. 

Die Darstellung in 2K ist ordentlich, aber nicht herausragend. Auch der eingebaute Lautsprecher kann mit der Konkurrenz nicht mithalten. Geräte von Google, Samsung, Sony oder Huawei erzeugen durch ihre Sound-Technik einen wahrnehmbaren Surround-Effekt. Das Nokia 9 PureView kann das mit seinem Mono-Teil nicht. 

Die Kamera

Das Array-System aus fünf Zeiss-Optiken nimmt Fotos mit HDR auf. HDR steht für "High Dynamic Range" und bedeutet, dass Helligkeitsunterschiede detailreicher dargestellt werden. Es sollte also möglich sein, Bilder mit tollen Licht- und Schatten-Effekten aufzunehmen und der Hersteller versucht das mit einer Reihe von Bildern zu belegen. Tatsächlich sieht das Resultat in den Werbefotos beeindruckend aus. Es sei jedoch gesagt, dass HDR-Fotografie bei Smartphones längst nichts Besonderes mehr ist.

Zweifellos besonders sind hingegen die fünf Kameraobjektive, die zusammenarbeiten. Sie fangen ein Motiv gleichzeitig ein und vereinen es mit Hilfe der Kamera-Software zu einem Bild. Zusammen erzeugen die Optiken eine Bildauflösung von 12 Megapixel (MP). 

Von der Kombination aus zwei Farb- und drei Monochromsensoren erhofft sich Nokia mehr Tiefenschärfe und Details. Zusammen sollen die Sensoren zehn Mal so viel Licht einfangen wie ein einzelner Farbsensor. 

In der Praxis

Das Zusammenspiel der Kamera-Sensoren stellt hohe Anforderungen an die Rechenpower des Smartphones. Der Qualcomm-Prozessor (ein Snapdragon 845) muss dabei ganz schön arbeiten. Das macht sich bemerkbar: Das Smartphone erhitzt sich beim Fotografieren spürbar. Auch die App reagiert nur verzögert. Das Wechslen zwischen den verschiedenen Kamera-Modi wird so zur Geduldsprobe. 

Besonders nervig: Jedes Foto wird nach der Aufnahme erst einmal von der Software verarbeitet. Dadurch kann es durchaus 10 bis 20 Sekunden dauern, bevor das fertige Bild im Foto-Album betrachtet werden kann. Dabei sollte man auch auf Überraschungen gefasst sein. Denn das berechnete Bild entspricht oft nicht dem, was zuvor auf dem Display zu sehen war. Die Software verbessert die Farben sichtlich und fügt Details hinzu. Das ist natürlich erfreulich. Und dennoch ist es ungewohnt und erfordert ein Umdenken. Bisher galt in der Smartphone-Fotografie "what you see is what you get". Beim Nokia 9 PureView ist das anders. Für das perfekte Bild wird man eine Weile tüfteln müssen.

Datenblatt Nokia 9 PureView

Hauptkamera: 12 Megapixel 
Display: 5,99 Zoll OLED, 1.440 x 2.880 Pixel, 536 ppi
Prozessor: Qualcomm Snapdragon 845 Mobile-Plattform, bis zu 2,8 GHz
Arbeitsspeicher: 8 GByte RAM
Speicher: 128 GB, kein microSD-Steckplatz
Dual-SIM: ja
Betriebssystem: Android 9 (Pie) im "Android One"-Programm
Gehäuse: Aluminium und Gorilla Glas 5, wasser- und staubfest nach IP67
Kabellos Aufladen: ja
Gewicht: 172 Gramm
Preis: 649 Euro

Laut Nokia soll die neue Technik den Vorteil haben, dass sich Bilder auf vielfältige Art und Weise bearbeiten lassen. Nutzer könnten beispielsweise im Nachhinein noch Fokus, Unschärfe oder Sättigung in allen Bildbereichen ihren Wünschen anpassen. Dazu werden Fotos im unkomprimierten RAW-Format abgespeichert. Blöd nur, dass das Smartphone "nur" 128 Gigabyte internen Speicher mitbringt – der sich nicht erweitern lässt. Denn dazu fehlt der Steckplatz für eine microSD-Karte. 

Viel hilft nicht viel

Von einer Top-Kamera ist das 649 Euro teure Nokia 9 PureView noch ein gutes Stück entfernt. So hat das Smartphone zwar fünf Linsen – doch keine davon ermöglicht Weitwinkel-Aufnahmen wie beim Samsung Galaxy S10+ oder optische Zooms wie beim Huawei P30 Pro. Nicht einmal für einen optischen Bildstabilisator hat es gereicht. Auch die übrige Ausstattung (siehe Datenblatt) ist unspektakulär und passt eher zur Standard- als zur Premium-Klasse. 

Fazit

Die Marke Nokia hat sich in den vergangenen Jahren mit soliden Mittelklasse-Smartphones ins Gespräch gebracht, die auch bei Stiftung Warentest durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis punkten können. Das Nokia 9 PureView tanzt nun aus der Reihe, sowohl preislich als auch technisch. 

Der Ansatz mit der Fünffach-Optik ist ausgefallen und zweifellos mutig. Leider wird das Gerät aber seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht und kann in vielen Punkten nicht mit der Konkurrenz mithalten. Für 649 Euro wird woanders mehr geboten. 

Als Spielerei für ehrgeizige Fotografen, die viel Zeit in die Nachbearbeitung stecken, mag die Fünffach-Kamera ihren Reiz haben. Das zeigen auch die Fotos, mit denen der Hersteller das Gerät bewirbt. Für Gelegenheits-Knipser ist dieses Smartphone nichts. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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