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Nokia 7.2 im Test: Ohne die Extras wäre es besser

Günstig, aber mit Macken  

Das neue Nokia-Handy patzt bei der Kamera-Software

15.10.2019, 17:19 Uhr
Nokia 7.2 im Test: Ohne die Extras wäre es besser. Das Nokia 7.2 liegt auf dem Sockel einer Statue: Das neue Flaggschiff von HMD Global kostet 299 bis 349 Euro. (Quelle: t-online.de/Laura Stresing)

Das Nokia 7.2 liegt auf dem Sockel einer Statue: Das neue Flaggschiff von HMD Global kostet 299 bis 349 Euro. (Quelle: Laura Stresing/t-online.de)

Die Nokia-7er-Serie hat ein neues Mitglied: Das Nokia 7.2 punktet mit verbesserter Kamera und Leistung zu einem gewohnt fairen Preis. Bei einigen Zusatzfunktionen hinterlässt das Gerät allerdings keinen besonders professionellen Eindruck. 

Mit dem Nokia 7.2 bedient der Hersteller HMD Global einmal mehr den Markt der Mittelklasse-Smartphones. Das zur IFA vorgestellte Flaggschiff der Traditionsmarke kostet zwischen 299 und 349 Euro und macht auf den ersten Blick einen seriösen Eindruck. Damit setzt der Hersteller vor allem auf Geschäftskunden, die die Nokia-Telefone für ihre Mitarbeiter kaufen.

Gleichzeitig ist das neue Gerät der 7er-Reihe erstmals in einem ausgefallenen Grünton erhältlich und bietet einige unerwartete Zusatzfunktionen. So können Nutzer im Porträtmodus zwischen sechs verschiedenen Unschärfeeffekten auswählen, die den Hintergrund auf unterschiedliche Art und Weise verschwimmen lassen und beispielsweise kleine Sternchen und Herzchen darin verteilen – das wirkt etwas zu verspielt für das sonst so seriöse Gesamtpaket. 

Kamerasoftware erzeugt Bildfehler

In der Praxis erweist sich die Kamerasoftware zudem als recht unzuverlässig. Die künstlich erzeugten Effekte werden nämlich nicht auf dem Display als Vorschau angezeigt, sondern erst in der nachfolgenden Bearbeitung hinzugefügt. Das Ergebnis sieht der Nutzer erst nach einigen Sekunden – und dabei gibt es immer wieder unangenehme Überraschungen.

Denn die Kamerasoftware verteilt Schärfe und Unschärfe nicht etwa nach den klassischen Regeln der Fotografie, sondern offenbar anhand einer automatischen Objekterkennung. Der Nutzer hat kaum Einfluss auf diesen Vorgang. Im Test wirkten die Unschärfeeffekte oft chaotisch und alles andere als natürlich.

Teilweise erzeugte die Kamera sogar Bildfehler, wenn es sich bei dem Motiv nicht um ein Gesicht handelte und die Objekterkennung versagte. Bei Gesichtern wiederum wirken die Konturen stark verwaschen, wenn man den Unschärfefilter voll ausreizt. Man sieht deutlich, dass die Tiefenschärfe künstlich erzeugt und das Porträt nicht mit einer professionellen Kamera geschossen wurde. 

Abgesehen davon kann die Dreifachkamera mit Zeiss-Optik und 48 Megapixeln durchaus überzeugen. Motive wie Landschaften, Personen und Pflanzen werden im Automatik-Modus erkannt und die Einstellungen unauffällig angepasst. Mit dem neuen 118°-Weitwinkel passt mehr ins Bild, allerdings gehen dabei viele Details verloren. Bei schwachem Licht oder Motiven mit starken Helligkeitsunterschieden ist der Modus nicht zu empfehlen. Dafür liefert der Nachtmodus ansprechende Aufnahmen mit natürlichen Farben. 

Bessere Ausstattung für 50 Euro mehr

Anders als die Vorgängermodelle erhitzt sich das Nokia 7.2 beim Fotografieren nicht so stark, was sowohl für ein besseres Zusammenspiel aus Soft- und Hardware spricht. Das Gerät gibt es in zwei Varianten: Mit 4 Gigabyte Arbeitsspeicher (4 GB RAM) und 64 GB internem Speicher für 299 Euro oder mit 6 GB RAM und 128 GB Speicherplatz für 349 Euro

Im Test hatten wir das "kleinere" Nokia 7.2 mit 4 GB RAM, was sich gelegentlich bemerkbar machte. Menüs und Programme öffneten sich teilweise nur mit leichter Verzögerung. Mit 6 GB RAM läuft das Gerät womöglich flüssiger. Auch der zusätzliche Speicherplatz spricht für die 50 Euro teurere Variante des Nokia 7.2. 

Mit Zusatzfunktionen wie automatischer Gesichtserkennung versucht Nokia zwar, in der Oberklasse mitzuspielen. Das gelingt aber eher schlecht als recht. Die Entsperrmechanik springt viel zu langsam an und scheitert häufig. Dann ist doch die Code-Eingabe nötig. Schneller geht das Entsperren über den Fingerabdrucksensor. Auf die Einrichtung der Gesichtserkennung kann man also getrost verzichten – sollte man wahrscheinlich auch, denn erfahrungsgemäß können diese simplen 2D-Scans von einem Foto ausgetrickst werden. 

Zum Filmegucken ist das Nokia 7.2 perfekt

Doch man muss auch loben: Das Nokia 7.2 gefällt mit einer hochwertig aussehenden Verarbeitung und einer Rückseite, die resistent ist gegen Fingerabdrücke. Solche Materialen sind bei Smartphones der Oberklasse gerade stark in Mode. 

Der 6,3-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung und HDR-Konvertierung hat genau das richtige Format zum Videosgucken. Bei der Kontrastdarstellung ist noch Luft nach oben, doch in gut ausgeleuchteten Szenen sehen die Farben toll aus. Für beste Unterhaltung fehlt jetzt nur noch ein Stereo-Lautsprecher. Mit einem Kopfhörer oder einer angeschlossenen Bluetooth-Box macht das Filmegucken aber richtig Spaß. 

Auch der Akku spielt mit: Mehrere Stunden der Video-Wiedergabe bei hundert Prozent Display-Helligkeit sind kein Problem. Das Smartphone hält trotzdem noch bis zum nächsten Morgen durch. 

Für das Nokia 7.2 spricht außerdem die Update-Garantie durch das "Android One"-Programm. Damit sind die Android-Upgrades für die nächsten zwei Jahre gesichert und auch um die Sicherheit muss sich der Nutzer für mindestens drei Jahre keine Sorgen machen. Ausgeliefert wird das Nokia 7.2 mit Android 9. Das Update auf Android 10 soll schon bald zur Verfügung stehen. 


Fazit: Weniger wäre mehr gewesen

Das Nokia 7.2 ist eigentlich ein simples Gerät für ein kleines Geld. Als solches macht es einen guten Job und übertrifft teilweise sogar die Ansprüche an ein Smartphone dieser Preisklasse. Dem Hersteller war das aber offenbar nicht genug. Leider hat sich HMD Global mit den Zusatzfunktionen ziemlich übernommen und bei der Umsetzung geschlampt. Die Blamage wäre vermeidbar gewesen, denn keine dieser Funktionen ist wirklich notwendig. Als Nutzer kann man aber darüber hinwegsehen, die Spielereien links liegen lassen und sich an den positiven Seiten des Gerätes erfreuen. 

Nokia 7.2 Technische Daten
Größe159,92 x 75,15 x 8,25 mm
Gewicht180 g
Hauptkamera48 MP mit Zeiss-Optik, Dreifach-Sensor mit 5-MP-Tiefensensor, 8-MP-Sensor mit Ultraweitwinkelobjektiv
Selfiekamera20 MP Quad-Pixel
Display6,3" Full HD+ LCD PureDisplay mit HDR-Konvertierung in Echtzeit
Audio3,5-mm-Kopfhörerbuchse
2 Mikrofone mit räumlicher Surround-Sound-Aufnahme
ProzessorQualcomm Snapdragon 660
Arbeitsspeicher4 GB RAM / 6 GB RAM
interner Speicher64 GB / 128 GB
erweiterbar auf bis zu 512 GB mit MicroSD
Akku3.500 mAh
BetriebssystemPures Android 9.0
AnschlüsseUSB-C, Dual-SIM, Nano-SIM, NFC
Sonstiges

Schale aus 2.5D Corning Gorilla Glass

Android One (Upgrade-Garantie für zwei Jahre, Sicherheitsupdates für drei Jahre)

Preis299 € / 349 €
FarbenCharcoal, Cyan Green, Ice

Hinweis: Das Nokia 7.2 wurde uns vom Hersteller für diesen Test leihweise zur Verfügung gestellt. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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