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Google Pixel 4 im Test: noch nicht perfekt, aber vielversprechend

Google Pixel 4 im Test  

Siegersmartphone auf Raten

Von Jan Mölleken

21.10.2019, 15:41 Uhr
Google Pixel 4 im Test: noch nicht perfekt, aber vielversprechend.  (Quelle: Jan Mölleken)

Pixel 4 XL (Quelle: Jan Mölleken)

Google führt mit seinem Pixel 4 eine Reihe innovativer Sonderfunktionen ein. Die sehr hohen Erwartungen kann das neue Top-Smartphone zwar nicht einlösen. Doch das kann sich noch ändern. 

Als Google vor drei Jahren sein erstes Pixel-Smartphone vorstellte, war die Presse zwar begeistert – das Publikum blieb jedoch eher skeptisch. Googles Konzept war dabei einfach und recht überzeugend: Ein Oberklasse-Smartphone, das eine sehr gute Kamera bietet, Googles Android-Innovationen wie etwa den Assistant stets als Erstes bekommt und ansonsten frei von unnötigem Schnickschnack ist.

Vor allem das eigenwillige Design war wohl nicht jedermanns Sache. Und trotz der guten Testergebnisse machte viele Käufer vermutlich stutzig, dass auf dem Oberklasse-Telefon rückseitig nur eine Fotolinse zu finden war. 

Google feilt seit drei Jahren an der perfekten Smartphone-Rezeptur

Seitdem feilte Google weiter an seinem Hardwarekonzept, machte das Design zugänglicher und verbesserte stetig sein einsames Kameramodul. Was Google über die Zeit zudem bewies, war, dass Pixel eher als Plattform und weniger als Hardwareprodukt gedacht wurde. Fast alle Software-Innovationen des jeweils neueren Geräts kamen später als Update auch auf die Vorgänger. Das schenkt Vertrauen.

Nicht zuletzt die beeindruckenden Ergebnisse des Nachtsicht-Modus (ein Fotomodus, der auch bei Dunkelheit gute Fotos schießt) dürften auch viele Verbraucher bestärkt haben, sich das Pixel doch etwas näher anzusehen. So kam es, dass Google zuletzt einen deutlichen Zuwachs beim Verkauf seiner Smartphones vermelden konnte.

Neue Kamera bietet erstmals zwei Linsen

Kann das Pixel 4 diese kleine Erfolgsgeschichte also weiterschreiben oder sogar noch anschieben? Nach einigen Testtagen mit einem Pixel 4 XL  in der t-online.de-Redaktion können wir sagen: Die Voraussetzungen dafür sind gut. Und das liegt mal wieder auch an der Kamera, aber nicht nur.

Also kurz zur vermutlich wichtigsten Frage: Wie gut ist die neue Kamera? Die Antwort: Sie ist ausgezeichnet, spürbar besser als noch beim Pixel 3 – und trotzdem ist sie nicht die beste Kamera am Markt.

Kamera: Google setzt auf Rechenpower

Googles Pixel-Kamera, das muss man wissen, baut schon seit dem ersten Gerät stark auf die digitale Optimierung ihrer Bilder. Das Ergebnis, das man nach dem Auslösen sieht, ist nicht einfach ein Foto: Es ist das Ergebnis mehrerer, teils unterschiedlich belichteter Bilder, die mit komplexen Berechnungen zu einem besseren Bild zusammengeführt werden.

In Sachen Objektiv und Sensor ist ein Pixel 4 einer Spiegelreflexkamera zwar weit unterlegen – trotzdem kann es bestimmte Bilder schießen, die auch mit einer weit teureren Profikamera nicht möglich sind. Jedenfalls nicht durch den einmaligen Druck auf den Auslöser.

Dieses Prinzip wenden längst alle Top-Smartphone-Hersteller an, Google war darin bislang aber der beste. In diesem Jahr hat allerdings Apples iPhone 11 Pro in diesem Bereich erheblich aufgeholt, weshalb es in diesem Test als Vergleichsmaßstab diente.

Kamera: optischer Zweifach-Zoom und digitaler Zoom

Das Pixel 4 hat erstmals eine Zweifach-Zoomoptik. Das bietet deutlich mehr Spielraum bei der Motivwahl als zuvor. Verglichen mit dem Fünffach-Zoom, den etwa Huaweis aktuelles P30 Pro bietet, ist das aber nicht viel. Google selbst hat deshalb einen besonderen Digitalzoom versprochen, der durch die Auswertung mehrerer automatisch geschossener Bilder mehr Details abbilden können soll, als eigentlich möglich wäre.

Im Praxistest war das zwar sichtbar, Wunder darf man aber nicht erwarten. Vergleichen mit dem Huawei P30 Pro zeigen die Bilder des Pixel 4 im maximal möglichen Achtfach-Zoom klar weniger Details. Dafür schlägt das Pixel 4 in dieser Disziplin klar das iPhone 11 Pro, das ebenfalls nur einen optischen Zweifach-Zoom hat. 

Bereits das Pixel 3 machte mit seinem Solo-Objektiv sehr gute Porträtfotos und konnte meist sehr akkurat die Grenze zwischen scharfem Motiv und unscharfem Hintergrund erkennen. Hier ist das Pixel 4 sogar noch etwas stärker. Die nun möglichen Tiefenverläufe konnten wir in unserem Test nur teilweise nachvollziehen. 

Neue Stimmung im Nachtsicht-Modus 

Doch am besten erkennt man die Qualität von Googles Kamera im Nachtsicht-Modus. Hier hat Google grundsätzlich seine Farbstimmung und die Art der Belichtung angepasst. Der Nachtmodus funktioniert bei allen Herstellern so, dass Nutzer die Kamera über einen längeren Zeitraum stillhalten müssen, während das Gerät eine Reihe länger belichteter Bilder schießt und diese dann zu einem Foto zusammenrechnet, das mehr sichtbar macht, als man mit bloßem Auge in der Dunkelheit erkennen konnte.

Manche Geräte – etwa Huaweis P30 Pro – stellen nächtliche Szenen deutlich aufgehellt dar. Dadurch entsteht bei vielen Motiven der Eindruck, sie seien bei Tag oder Dämmerung aufgenommen worden.

Die Nachtsicht-Fotos des Pixel 4 gefallen hier im Test etwas besser: Die Farben bleiben einen Tick naturgetreuer, Schatten sind im Bild auch weiter erkennbar. Im Vergleich zum Pixel 3 sind die Aufnahmen sichtbar detaillierter. Im direkten Vergleich mit dem iPhone 11 Pro schnitten die Nachtaufnahmen des Pixel 4 allerdings klar schlechter ab.

Während die Farbgebung wohl noch Geschmackssache ist – hier bildet das iPhone die Farben von Kunstlicht etwa deutlich originalgetreuer ab –, sind bei den Aufnahmen von Apples Smartphone oft deutlich mehr Details erkennbar. Hier kann Google den Schritt, den Apple bei seinem jüngsten Telefon gemacht hat, nicht ganz mitgehen.

Im Vergleich zum Pixel 3 profitiert man beim Fotografieren jedoch auch vom neuen schnelleren Prozessor: Die Belichtung der Bilder ist schon im Sucher zu erkennen und nicht erst, nachdem man diese in der Fotogalerie geöffnet hat. Das hilft bei der Motivwahl sehr.

Motion Sense enttäuscht bislang – Face Unlock begeistert

Eher enttäuschend ist die Implementierung des neuen Radar-Chips. Motion Sense soll künftig die Steuerung vieler Funktionen per Handgeste erlauben. Aktuell kann man bei einigen Apps – etwa Spotify – Songs weiterwischen oder einen Wecker per Wischgeste zum Schweigen bringen. Das funktioniert im Test solide, ist allerdings derzeit eher noch ein Gimmick. 

Ganz anders dagegen die Entsperrung des Geräts per Gesichtserkennung, Face Unlock. Das funktioniert, wie bei Apple, per Infrarotsystem und lässt sich damit nicht durch geschickte Fotos austricksen. Anders als bei Apple ist dem Pixel 4 egal, in welcher Ausrichtung es beim Entsperren gehalten wird: Hochkant, quer, über Kopf – alles funktioniert. Und das sogar rasend schnell. Denn Motion Sense erkennt, wenn die Hand nach dem Gerät greift und startet dann bereits Face Unlock.

Motion Sense derzeit noch unsicher

So würde man sich das Entsperren auch beim iPhone wünschen. Ein Manko gibt es derzeit noch: Googles Face Unlock verlangt nicht, dass man das Gerät anschaut oder die Augen überhaupt geöffnet hat. So könnte ein Dritter das Gerät etwa entsperren, indem er es einfach dem schlafenden Besitzer vor das Gesicht hält. Bei Apple klappt das nicht. Google hat allerdings angekündigt, diese Aufmerksamkeitserkennung zeitnah per Update nachzureichen. Bis dahin können vorsichtige Naturen ihr Gerät etwa durch einen Zahlencode sichern. Einen Fingerabdrucksensor gibt es nicht mehr.

Fazit: ein Spitzengerät mit Potenzial

Den ganz großen Wurf hat Google mit dem Pixel 4 zwar nicht gemacht, aber es ist schon jetzt eines der besten Android-Geräte auf dem Markt. Die Kamera mag nicht die weltbeste sein, aber sie ist ausgezeichnet; Motion Sense ist derzeit noch wenig praktisch, aber das kann noch kommen.

Und genau das ist der Punkt bei Googles Pixel 4: Wer das Gerät jetzt kauft, kann sich nicht nur sicher sein, Updates, Patches sowie neue Android-Versionen als Erstes zu bekommen. Man darf sich sogar sicher sein, dass Google das Gerät in den kommenden Monaten und Jahren noch weiter verbessert, mit neuen Funktionen ausstattet und schlicht konkurrenzfähig hält. Allein diese Aussicht macht das Android-Gerät zu einer Kaufempfehlung. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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