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Staubsauger-Roboter im Test: Das wunderliche Verhalten des Deebot 900

Wunderliches Verhalten  

So dumm ist mein angeblich cleverer Saugroboter

Von Laura Stresing

04.10.2018, 08:38 Uhr
Staubsauger-Roboter im Test: Das wunderliche Verhalten des Deebot 900. Der Deebot 900 und die dazugehörige App: Der Saugroboter putzt und kartiert die Wohnung gleichzeitig.  (Quelle: t-online.de/Ecovacs)

Der Deebot 900 und die dazugehörige App: Der Saugroboter putzt und kartiert die Wohnung gleichzeitig. (Quelle: Ecovacs/t-online.de)

Staubsauger-Roboter wie der Deebot 900 von Ecovacs sollen Menschen im Haushalt unterstützen. Dafür braucht die Maschine allerdings ideale Bedingungen – oder Hilfestellung durch den Besitzer. 

Eigentlich ist alles ganz einfach: Man muss den Deebot 900 nur auf den Boden setzen und anschalten. Schon fängt er an zu putzen. Mit zwei rotierenden Plastikwedeln schaufelt sich der runde Saugroboter Staub und Haare unter die Düse und schlürft den Dreck vom Boden. Ich könnte mich jetzt anderen Dingen zuwenden.

Könnte.

Denn wie sich herausstellt, braucht der Deebot bei seiner Aufgabe immer wieder meinen Beistand. Ich muss ihn davor bewahren, sich in Kabeln zu verheddern. Ich muss seine Bürsten von Haaren befreien. Und wenn der Deebot müde wird, muss ich ihn oft zu seiner Ladestation zurückbringen, weil er den Weg nicht findet. 

Zugegeben, ein Saugroboter hat es bei mir nicht leicht. Sein Blick auf die Welt wird nicht nur von den Ecken und Kanten meiner Möbel begrenzt, sondern auch von – aus Deebot-Perspektive – unüberwindlichen Altbau-Türschwellen. Wenn es Zeit ist für das nächste Zimmer, muss ich ihn hinübertragen und ein neuer Reinigungszyklus beginnt.

Mit kreisendem Sensor fährt der Deebot seine Umgebung ab, putzt und zeichnet eine Karte meiner Wohnung. In der App des chinesischen Herstellers kann ich live dabei zusehen, wie sich im "Roboterhirn" ein Bild formt.

Wäre meine Wohnung Deebot-freundlich, könnte ich dem kleinen Kerl nun auf meinem Smartphone Befehle geben. Ich könnte ihn zum Beispiel zu meinem Küchentisch schicken, um die Frühstückskrümel darunter zu beseitigen. Oder ich könnte ihm virtuelle Grenzen aufzeigen und verbieten, den Computerkabeln zu nahe zu kommen.

Könnte.

Denn blöderweise wird der Deebot jedes Mal, wenn ich ihn vom Boden pflücke und woanders absetze, von einer Daten-Amnesie befallen. In der App kann nämlich nur eine einzige zusammenhängende Karte der Wohnung abgespeichert werden, nicht aber von einzelnen Zimmern.

Für den Deebot ist so wahrscheinlich jeder Putztag wie der erste. Trotzdem tut er so, als wüsste er genau, wo’s langgeht. Und dann lässt er sich nur schwer von seinem Weg abbringen. Ein freundlicher Stups mit dem Fuß? Völlig zwecklos! Der Deebot ist offensichtlich darauf programmiert, herumlaufenden Humanoiden einfach aus dem Weg zu gehen. 

DEEBOT 900 – DIE VORTEILE
+ fairer Preis (ca 420 Euro)
+ austauschbare Aufsätze: Bürste für die Tiefenreinigung von Teppichen und Direktsauger für Holz und Laminat
+ kommt gut in die Ecken und unter Möbel 
+ lässt sich auch ohne die App einsetzen
+ gutes Design, einfache Bedienung (ohne die App)
+ Ersatzteile und Reinigungszubehör im Lieferumfang
+ in der App wird angezeigt, wann man Teile austauschen soll

Mir bleibt nur, die Trotz-Tour mit einem Druck auf die Pausetaste zu beenden – oder einfach abzuwarten. Nach minutenlanger Irrfahrt bleibt der Deebot nämlich erschöpft liegen und gesteht: "Ich weiß nicht, wo ich bin" ("difficult to locate").

Nach und nach lerne ich, die Software zu überlisten. Vor jedem Putzgang präpariere ich meine Zimmer, errichte Barrikaden und setze den Deebot in diesem Gehege zum Putzen ab. So wird aus uns doch noch ein eingespieltes Team. Doch wie der Deebot jemals ohne mich zurechtkommen sollte, ist mir ein Rätsel.

Die Maschine sollte eigentlich für mich arbeiten. Es fühlt sich umgekehrt an. 

Eine neue Software ist wie ein neues Leben

Nach einem Firmware-Update soll alles besser werden. Der Hersteller verspricht, dass der Deebot mit der neuen Software selbst dann nicht die Orientierung verliert, wenn man ihn hochhebt und woanders absetzt. 

Leider kostet es mich Stunden, den Roboter neu aufzusetzen. Erst nach mehrmaligem Löschen und Neuinstallieren der App sowie wiederholtem Neustarten von Smartphone, WLAN-Router, App und Deebot wird eine Netzwerkverbindung hergestellt und das Update installiert. 

DEEBOT 900 – DIE NACHTEILE
- überwindet laut Herstellerangaben Hindernisse bis zu 1,8 Zentimeter Höhe
- Keine Sensortechnik, die den Deebot die Ladestation zuverlässig lokalisieren lässt
- App speichert nur eine einzige Karte. Ungeeignet z. B. für mehrere Stockwerke
- Schlecht verarbeitete Ladestation: Der Deebot stößt beim Putzen dagegen und verschiebt das Dock. Außerdem ist das Kabel ständig im Weg. Hier muss eine Lösung zur Befestigung her! 
- schlecht programmierte, langsam ladende App

Nach dem Update lerne ich einen völlig neuen Deebot kennen. Und der ist vom Charakter her mehr Diva als Dummkopf. 

Ihre erste Amtshandlung: Putzmunter und mit lautem Klackern überrennt sie die Türschwelle zum Schlafzimmer – ein Hindernis, an dem ihr Vorgänger zuvor gescheitert war. Allerdings gelingt ihr dieses Kunststück auch nicht immer und ich muss mit einem Schubs nachhelfen. 

Trotz dieses kleinen Fortschritts nervt die Deebot-Software bald mit einer neuen Macke: Anfangs macht sie nämlich nur ein Zimmer sauber – das aber mit großer Hingabe und sogar bis zur kompletten Akku-Erschöpfung. Bad und Küche ignoriert sie völlig. Als ich sie dorthin zwangsversetzen will, macht sie auf der Stelle kehrt und flüchtet in den Flur. Feigling!

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Das Wohnzimmer wird nur kurz in Augenschein genommen, bevor sich Diva-Deebot unvermittelt und ohne weitere Erklärungen in den Feierabend verabschiedet. Als ich sie zurück zur Arbeit schicke, geht das ganze Spiel von vorne los. Sie macht nur dort sauber, wo es schon sauber ist. 

Diva-Deebot lebt in ihrer eigenen Welt. Das zeigt auch ein Blick in die App. Die erste Karte, die der Saugroboter nach dem Update von meiner Wohnung angelegt hat, zeigt ein Kaleidoskop lose miteinander verwobener Rechtecke – aber ganz bestimmt nicht meine Wohnung. 

Karte, die der Deebot 900 von der Wohnung der Autorin angelegt hat.  (Quelle: t-online.de/Screenshot)Karte, die der Deebot 900 von der Wohnung der Autorin angelegt hat. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Vielleicht ist alles aber auch nur ein großes Missverständnis. Von künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Algorithmen heißt es immer, dass sie irgendwann so schlau sind, dass wir Menschen nicht mehr mitkommen. Vielleicht verfolgt auch der Deebot einen ultra-genialen Putzplan und ich bin nur zu dumm, ihn zu durchschauen. Dass er sich dabei in seinem eigenen Ladekabel verheddert, gehört wohl irgendwie dazu.

Abgesehen von solchen Slapstick-Einlagen ist der Deebot an sich kein schlechter Saugroboter. Hat er seine Umgebung erst einmal begriffen und eine korrekte Karte abgespeichert, macht er gründlich sauber und kommt sogar gut in die Ecken rein. Doch ums Putzen geht es hier schon lange nicht mehr. 

Ich hatte gehofft, den Roboter mit der Zeit besser verstehen und kontrollieren zu können. Doch das wunderliche Verhalten des Deebot gibt mir bis zuletzt Rätsel auf. "It's not a bug – it's a feature" wird in der Tech-Branche oft gescherzt. Das sind keine Fehler, sondern beabsichtigte Funktionen. Auch beim Deebot halte ich es durchaus für möglich, dass all die seltsamen Eigenschaften irgendeinen Zweck erfüllen. In meiner unperfekten Wohnung führten sie jedoch zum App-Amok und sinnlosen Irrfahrten. 

Ich bin gespannt, was das nächste Update bringt...  

Hinweis: Ecovacs ist mit Vorwerk (Kobold) Martkführer bei den Saugrobotern. Der Deebot 900 wurde uns vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Er geht nach dem Test an ihn zurück.

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Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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