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ARD und ZDF: Ärger mit WM-Livestreams

Fußball-Weltmeisterschaft 2010  

Bleibt der Ärger mit den WM-Livestreams?

22.06.2010, 12:49 Uhr | Spiegel Online - Jan Mölleken, Spiegel Online

ARD und ZDF: Ärger mit WM-Livestreams. Die Livestreams von ARD und ZDF sorgten für Frust bei den Fans. (Bild: dpa)

Die Livestreams von ARD und ZDF sorgten für Frust bei den Fans. (Bild: dpa)

Jeder zweite deutsche Internetnutzer sieht online fern - oder würde das tun, wenn er könnte: Die Livestreams von ARD und ZDF sorgten in den vergangenen zwei Wochen häufig für Frust bei den Nutzern. SPIEGEL ONLINE hat nachgefragt, was schiefgelaufen ist - und ob es in Zukunft besser wird.

Die WM-Livestreams der öffentlich rechtlichen Anstalten werden gerade jetzt in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft intensiv genutzt. Viele Vorrundenspiele - auch die der deutschen Nationalelf - finden nachmittags statt, also genau dann, wenn ein großer Teil der Fußballfans arbeiten muss. Gerade diese Gruppe dürfte in den vergangenen Tagen vermehrt auf Livestreams von ARD und ZDF zurückgegriffen haben, um auch vor dem Rechner im Büro die WM-Spiele nicht zu verpassen.

Auf die Vorfreude folgte dann aber oft Frust, denn schon beim Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko blieben viele Computer-Bildschirme schwarz, bestenfalls war das rotierende Logo der ARD im Streaming-Fenster zu sehen. Ein kurzes Anlaufproblem, mögen viele gedacht haben, wurden bei den kommenden Spielen oft aber erneut enttäuscht: Die Livestreams funktionierten bei den ersten WM-Spielen mehr schlecht als recht. Erst am vergangenen Freitag beim Spiel zwischen Serbien und Deutschland mussten sich die Server des ZDF erneut geschlagen geben, auch Streaming-Alternativen wie Zatoo brachen unter dem Ansturm der fußballhungrigen User zusammen. Warum bloß, mögen sich viele verärgerte Gebührenzahler gefragt haben, gelingt es ARD und ZDF so lange nicht, die versprochenen Livestreams ohne Aussetzer auszuliefern?

Eine neue Dimension von Livestreams

Das Problem, so die einhellige Antwort von ARD und ZDF, sei die große Zahl der Zugriffe gewesen, mit der man offensichtlich nicht gerechnet hat. "Das ist schon eine neue Dimension, Livestreams in dieser Größenordnung auszuliefern", sagt Nadine Bilke. Sie ist beim ZDF Chefin vom Dienst der Hauptredaktion Neue Medien und wie ihre Kollegen von der ARD überrascht von der großen Nachfrage. Größtes Problem sei, dass die Zahl der Abrufe des Livestreams nicht absehbar sei. "Wir hatten unsere Kapazitäten ja bereits angepasst, aber leider nicht ausreichend", gibt Bilke zu.

Zugriffe auf Livestreams auf Rekordniveau

Als ein ähnliches Eingeständnis lässt sich die Pressemitteilung deuten, die die ARD SPIEGEL ONLINE zu diesem Thema übermittelte: "Die Zugriffe auf die Livestream-Angebote der WM-Fernsehsender übertreffen in Deutschland, aber auch in Europa, alle bisherigen Rekorde um ein Vielfaches", erklärte man dort. Immerhin 150.000 Streams habe die ARD beim Vorrundenspiel Niederlande gegen Dänemark über sportschau.de parallel an die Nutzer ausgeliefert. Das seien dreimal so viele Livestreams wie zu Spitzenzeiten der Europameisterschaft 2008, verkündet die ARD stolz. Wie groß die Zahl der enttäuschten Fans beim ersten WM-Spiel war, die sich vergeblich um ein Videobild bemühten, behält man aber für sich.

Seitdem habe man allerdings mehr Bandbreite in Europa aktivieren lassen, "so dass mittlerweile das Livestreaming in der Regel funktioniert". Schuld an den Videoproblemen sei aber nicht nur die ARD, auch die Internetprovider der Endnutzer seien durch das große Anfrage-Aufkommen stark ausgelastet.

Streams gehen nicht zu Lasten der Bandbreite

Infrastruktur-Anbietern bestätigen diese Aussage nicht: Sie stellen keine ungewöhnlich hohe Bandbreiten-Belastung durch Livestreams der Anstalten zu Zeiten der Spiele fest. Der Anteil der Spielübertragungen am Streamvolumen dürfte tatsächlich in der Masse verschwinden: Verglichen mit den Datenvolumina, die über Streaming-Portale, Filehoster, Videodienste wie YouTube oder P2P-Börsen laufen, dürften die Abrufzahlen der Öffentlich-Rechtlichen bei den Providern als Peanuts verbucht werden. 150.000 Parallelstreams sind für viele kommerzielle Anbieter business as usual.

Schuld sind nicht nur die Sender

Etwas detaillierter ging Wolfgang Schreiner, der Online-Technik-Chef des Bayrischen Rundfunks, auf die externen Probleme ein. Er erklärte im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk, dass Ausfallursachen auch beim sogenannten "Content Delivery Network" (CDN) liegen können. Dabei handelt es sich um Netzwerk-Dienstleister, die eigene Servernetzwerke anbieten, um die hohe Zugriffslast auf große Internet-Portale besser abfedern zu können.

Vereinfacht handelt es sich dabei um ein Netzwerk aus weltweit verteilten Servern, die besonders oft nachgefragte Inhalte - zum Beispiel Livestream-Bilder - zwischenspeichern, damit nicht alle Anfragen auf einem einzelnen Anbieter-Server auflaufen - ein klassische Proxy-Struktur.

Netzlast im Ausland kann in Deutschland zu Problemen führen

Solche CDNs bedienen oft eine große Zahl an Kunden und haben ihre Rechenzentren über die Welt verteilt. Der Anbieter des Bayrischen Rundfunks etwa habe Rechenzentren in Paris, London und den USA, sagt Schreiner. Deshalb könne auch eine hohe Netzlast in England dazu führen, dass die Übertragung von Livestreams vom BR in Deutschland schlecht oder gar nicht funktioniere. Überhaupt werde das bei der nächsten WM wieder so sein, so die düstere Vorausschau von Schreiner auf 2014.

Nadine Bilke vom ZDF bemüht weniger externe Faktoren: "Sicher gibt es bei solchen Übertragungen mehrere Flaschenhälse, aber wir wollen die Schuld auch nicht auf andere schieben." Man habe das falsch eingeschätzt. "Aber wir bemühen uns natürlich, dass das nicht noch einmal passiert. Letzten Freitag hatten wir das Problem am Ende des Spiels wieder in den Griff bekommen."

Mittlerweile dürften die Kapazitäten tatsächlich ausreichend ausgebaut sein, zumal die Konstellation der höchsten Nachfrage - ein Nachmittagsspiel der Nationalelf an einem Wochentag - ohnehin nicht mehr ansteht. Alle übrigen Deutschland-Spiele werden die meisten wohl vor einem Fernseher oder einer Leinwand verfolgen. Man darf also verhalten optimistisch sein, dass die vielbeschworene "erste Reihe" von ARD und ZDF auch im Internet wieder einen guten Blick aufs WM-Geschehen verheißt.

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