Wikipedia und die nackten Frauen

13.01.2011, 15:30 Uhr | dpa, t-online.de, dpa, t-online.de

Die größten Wikipedia-Irrtümer. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. (Foto: dpa)

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales setzt zu Beginn seiner Karriere auf nackte Mädchen. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Dass Wikipedia funktioniert, ist auch zehn Jahre nach ihrer Gründung ein Rätsel: Tausende investieren ihre Freizeit, um das Wissen der Welt zu sammeln. Am 15. Januar 2001 begann die Wikipedia ihren Siegeszug. Es ging im Laufe der Zeit allerdings auch einiges daneben.

Ein Lexikon, an dem jeder mitschreiben darf - egal ob Schüler oder Professor? Artikel, die teils im Minutentakt geändert werden? Und das alles finanziert mit den Spenden der Leser? Vor zehn Jahren, als Internet-Unternehmen der ersten Stunde reihenweise pleite gingen, hätte kaum jemand gedacht, dass so ein zuverlässiges Nachschlagewerk entstehen kann – und dass diesem nicht binnen Monaten das Geld ausgeht. Heute ist die Wikipedia für viele Nutzer nicht mehr wegzudenken. Auch wenn es zwischenzeitlich spektakuläre Pannen gab.

Wilhelm zu Guttenberg

In Deutschland sorgte vor allem der Wikipedia-Beitrag zu Karl-Theodor zu Guttenberg für Aufsehen. Als im Februar 2009 der bis dahin bundesweit kaum bekannte CSU-Politiker Wirtschaftsminister wurde, dichtete ein anonymer Scherzbold dem Baron den Vornamen "Wilhelm" an. Der falsche Vorname verschwand zwar schnell von der Seite, doch zahlreiche Medien hatten diesen längst übernommen. Nicht immer werden Fehler so schnell von der Wikipedia-Gemeinde ausgemerzt. Gar monatelang war in der englischen Ausgabe zu lesen, ein amerikanischer Journalist sei in die Attentate auf John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby verwickelt.

Die Vorfälle führten zu Diskussionen, wie die Enzyklopädie zuverlässiger werden könnte. In der deutschsprachigen Variante, die mit 1,2 Millionen Artikel abgesehen von der englischen die umfassendste ist, müssen inzwischen Beiträge unangemeldeter Benutzer von erfahrenen Autoren gesichtet werden, bevor sie für alle Nutzer zu sehen sind. Die Autorengemeinschaft achtet auch auf Qualität und entfernt häufig Beiträge, die nicht einwandfrei mit Quellen belegt oder gar purer Nonsens sind. Die Kehrseite: Unerfahrene Benutzer werden abgeschreckt und steigen schnell wieder aus. Und so hat Wikipedia im Jubiläumsjahr sogar Nachwuchssorgen.

Jimmy Wales und nackte Babes

Begonnen hatte die Wikipedia-Geschichte im Jahr 2001. Der studierte Finanzwissenschaftler und Unternehmer Jimmy Wales betrieb das Portal Bomis.com und verdiente Geld mit Männer-Unterhaltung: Sport, Klatsch - und nackten "Babes". Aus den Einnahmen der Firma steuerte er das Startkapital bei, ließ ansonsten aber Mitbegründer Larry Sanger freie Hand. Die beiden hatten sich bei Diskussionen über Philosophie im Internet kennengelernt. Sanger verließ 2002 die Wikipedia, ein Jahr nach der Gründung.

Freies System für alle

Das neue Wiki-System – "wiki" ist hawaiisch und bedeutet "schnell" – war anfangs nur als Test gedacht. Nach einem Monat standen 600 Artikel online, nach einem Jahr waren es schon 20.000 – zur Überraschung der Gründer. Immer öfter tauchten die Texte ganz oben in den Suchergebnissen bei Google auf. Wikipedia wurde zur Referenz der wachsenden Onliner-Schar. Nicht immer zuverlässig, nicht immer gut geschrieben, aber sehr präsent. Lexika wie der Brockhaus kamen dagegen nicht mehr an.

Wikipedia: Rätsel der Kooperation

Damals wie heute lautet die Frage: Warum arbeiten Tausende von Autoren in ihrer Freizeit an Artikeln, ohne dass später ihr Name darunter steht? Und auf die Gefahr hin, dass jemand anders ihre Mühe mit einem Mausklick ändert oder löscht? Der Soziologe Christian Stegbauer hat das "Rätsel der Kooperation" im gleichnamigen Buch untersucht. Den Reiz für die Wikipedianer sieht er zum einen in der Idee: "Das Wissen der Menschheit zu sammeln, und zwar außerhalb der Schranken des Urheberrechts, hat eine gewisse Anziehungskraft", sagt der Forscher, der momentan eine Professur für empirische Sozialforschung in Erfurt vertritt. Zum anderen vermutet er, dass es den Mitarbeitern nicht um Ruhm gegenüber der Außenwelt geht, sondern um Reputation innerhalb der Gemeinschaft.

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