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Facebook-Zensur: Sittenpolizist zeigt geheimes Handbuch

So zensiert Facebook seine Nutzer

24.02.2012, 09:30 Uhr | Yaw Awuku

Facebook-Zensur: Sittenpolizist zeigt geheimes Handbuch . Ehemaliger Facebook-Zensor zeigt geheimes Dokument. (Quelle: imago images)

Ehemaliger Facebook-Zensor zeigt geheimes Dokument. (Quelle: imago images)

Die Richtlinien, nach welchen Facebook Bilder und Kommentare seiner Nutzer löscht, waren bisher undurchsichtig. Aus Zorn an seinem ehemaligen Arbeitgeber zeigte ein ehemaliger Sittenwächter des sozialen Netzwerkes dem US-Magazin Gawker nun ein geheimes Handbuch. Demnach verstoßen Bilder von stillenden Müttern gegen den Facebook-Knigge – tiefe Fleischwunden und Cannabis-Konsum seien aber ok.

Facebook-Moderatoren haben die Aufgabe anstößige und politisch inkorrekte Inhalte aus den Bildern, Textnachrichten und Kommentaren der etwa 850 Millionen Nutzer zu filtern. Auf diese Weise sollen pornografische, rassistische und vor allem kinder-pornografischen Inhalte aus dem sozialen Netzwerk verschwinden. Jedoch geriet Facebooks Zensurpolitik wiederholt in den Ruf, seiner internationalen Nutzergemeinde die Moralvorstellungen der USA aufzuzwängen. So wollte das soziale Netzwerk das Profil einer Goldschmiedin sperren, weil diese ihre Produkte mit einer nackten Puppe anpries. Längst laufen zahlreiche Mütter gegen den Sittenkodex des Internet-Riesen Sturm. Denn Fotos, welche Frauen mit entblößter Brust beim Stillen zeigen, ließ Facebook konsequent löschen.

Facebook-Knigge verbietet Brustwarzen

Der Inhalt des Facebook-Handbuchs deckt sich in vielen Teilen mit US-amerikanischen Gesetzen zum Schutz von Minderjährigen. Die Darstellung von Brustwarzen sind ebenso verboten wie Aufnahmen von Genitalien – selbst wenn diese sich lediglich unter der Kleidung erahnen lassen. Auch Abbildungen von Körperflüssigkeiten sind nicht gestattet, sobald diese beim Austreten aus dem Körper gezeigt werden. Fotos von Samenflüssigkeit sind hingegen ausnahmslos tabu. Für Darstellungen, die als "künstlerische Nacktheit" zu verstehen sind, macht das Regelwerk eine Ausnahme – was darunter genau zu verstehen ist, bleibt jedoch offen.

Sexuelle Freizügigkeit auf Facebook

Laut dem internen Facebook-Knigge sind ebenso Bilder erlaubt, die ein erotisches Vorspiel zeigen. Es darf auch geküsst und gegrabscht werden – "sogar unter Individuen gleichen Geschlechts", heißt es in dem Handbuch. Auch gegen sexuell eindeutige Pinnwandeinträge sei nichts einzuwenden, solange diese nicht zu detailliert sind, zu sexuellen Handlungen aufrufen oder solche beschreiben. Die Nachricht "Ich habe einen großen Penis und mag es wenn Mädchen ihn anfassen" ist weder eine sexuelle Aktivität noch direkter Aufruf und beschreibt eine sexuelle Handlung nur allgemein – daher in Ordnung. "Ich suche nach Mädchen, die Spaß haben wollen. Schreibt mir, wenn ihr eine gute Zeit haben wollt", geht hingegen nicht. Denn laut Handbuch gilt dies als direkte Aufforderung zum Sex.

Gewaltszenen auf Facebook

Bei der Darstellung von Gewalt soll Facebook-Knigge weniger streng vorgehen. So dürfen Nutzer-Fotos gebrochene Schädel, große Blutmengen, abgetrennte Gliedmaßen und tiefe Fleischwunden zeigen. Erst wenn Innereien, Knochen und Sehnen zu sehen sind, müssen die Moderatoren zum Rotstift greifen. Einen Schlussstrich zieht das Handbuch auch bei Abbildungen von verstümmelten, brennenden und verbrannten Menschen. Diese Regel gilt allerdings nicht für Tiere, wenn die Fotos Szenen einer Jagd oder der Fleischverarbeitung zeigen.

Hass und Drogen mit Einschränkungen erlaubt

Hassreden und der Drogenkonsum sind auf Facebook streng verboten – es sei denn, die Hasspredigten seien humorvoll zu verstehen und bei den Drogen handelt es sich um Cannabis. Aufnahmen von Hanfblättern und kiffenden Menschen bleiben von den Sittenwächtern verschont, solange der Facebook-Nutzer nicht den Eindruck erweckt, dass er Drogen kaufen, verkaufen oder anbauen will.

Sonderregeln für Deutschland und die Türkei

Für einige Länder wie Deutschland und die Türkei müssen die Facebook-Moderatoren laut dem Handbuch ein paar besondere Regeln beachten. "Holocaust-Leugnungen, die sich auf Hassreden konzentrieren" müssen gelöscht werden. Ebenso sind jegliche Inhalte verboten, welche die kurdische Terrororganisation PKK unterstützen. Verstöße gegen diese Richtlinien müssen die Moderatoren direkt an interne Stellen von Facebook melden.

Moderator rächt sich an Facebook

Nach Aussage des US-Magazins Gawker erhielt es das Handbuch von dem ehemaligen Facebook-Moderatoren Amine Derkaoui. Der 21-jährige Marokkaner scannte ein Jahr lang Facebook-Einträge im Auftrag von oDesk – einer externen Firma, die zahlreiche Freiberufler beschäftigt. Laut Gawker bekam Derkaoui für seine Arbeit lediglich einen Stundenlohn von einem Euro. Verärgert über die schlechten Arbeitsbedingungen, habe sich der 21-Jährige entschlossen, Facebooks geheime Zensurrichtlinien an die Öffentlichkeit zu bringen. Auch andere Moderatoren beschwerten sich im Gespräch mit Gawker über die schlechten Arbeitsbedingungen. "Stellen Sie es sich wie einen Abflusskanal vor", sagte einer der Moderatoren, "der ganze Dreck der Welt kommt auf Sie zugeflossen und Sie müssen ihn reinigen."

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