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Urheberrechtsdebatte: Anonymous treibt Verleger zur Weißglut

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Anonymous treibt Verleger zur Weißglut

15.05.2012, 17:14 Uhr | Yaw Awuku, dpa

Urheberrechtsdebatte: Anonymous treibt Verleger zur Weißglut. Anonymous-Aktion heizt Urheberrechtsstreit an. (Quelle: imago)

Anonymous-Aktion heizt Urheberrechtsstreit an. (Quelle: imago)

Im Streit um das Urheberrecht im Internet wird weiterhin heftig ausgeteilt. Künstler, Verleger und Internetnutzer stehen sich dabei gegenüber. Wurde die Debatte zunächst noch von versöhnlichen Tönen begleitet, droht die Auseinandersetzung nun aus dem Ruder zu laufen. Nach einer Anonymous-Attacke auf Befürworter eines stärkeren Urheberrechts, warf ein renommierter deutscher Verleger der Netzbewegung vor, totalitäre Taktiken anzuwenden und "Kinder-Kommunismus" zu betreiben.

Ein Aufruf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums hat sich in einen heftigen Schlagabtausch zwischen Urhebern und Netzaktivisten verwandelt. Mit der Parole "Wir sind die Urheber" sprachen sich vergangene Woche 100 Künstler und Autoren für ein stärkeres Urheberrecht aus. Denn dieses stelle "die materielle Basis für ihr individuelles und geistiges Schaffen" dar, heißt es in dem Aufruf, den inzwischen über 3000 Menschen unterzeichneten. Netzaktivisten konterten mit einem Gegenaufruf, der vor allem ein Urheberrecht fordert, das sich an "gesellschaftliche Realitäten" annähert – dem Datenaustausch im Internet. Mehr als 6000 Menschen folgten diesem Aufruf unter hinterließen auf der Internetseite "Wir sind die Bürgerinnen und Bürger" ihre Unterschrift.

Anonymous-Aktion facht Debatte an

Nach einer Aktion unter dem Banner des losen Hacker-Kollektivs Anonymous geriet die anfänglich sachlich geführte Debatte jedoch ins Schleudern. Unbekannte veröffentlichten im Internet Adressen und Telefonnummern von mehr als 50 Künstlern, die zuvor den Aufruf "Wir sind die Urheber" unterzeichnet hatten. Die Angegriffenen zeigten sich empört. Die Netzaktivisten bedienten sich Taktiken, die man aus totalitären Staaten kenne, warf ihnen Helge Malchow, Verleger bei Kiepenheuer & Witsch, im Deutschlandradio Kultur vor. Die Verleger wollten die neuen Möglichkeiten des Internets nutzen. "Nur kann das nicht auf der Basis von 'Kinder-Kommunismus' geschehen", bei dem Inhalte umsonst genutzt werden, nur weil das technisch möglich ist, sagte Malchow.

Netzaktivisten lenken ein

Doch auch Netzaktivisten sind uneins über die Aktion. Am Montag wurde eine einlenkende Stellungnahme veröffentlicht. Dort räumen die Aktivisten ein, dass die Veröffentlichung der Künstleradressen "auf den ersten Blick bedrohlich" wirkte. Das Ziel sei jedoch Medienaufmerksamkeit gewesen. "Fakt ist bei dieser Geschichte, dass niemand bedroht wird und Anonymous auch niemals dazu aufrufen würde, jemanden zu bedrohen", schrieben der oder die Aktivisten. Anonymous ist eine lose Bewegung, der sich jeder anschließen kann. Daher können auch Einzelpersonen im Namen von Anonymous handeln. Das ist hier offenbar passiert.

Daten "von Wikipedia-Profilen kopiert"

Die Daten seien jedoch öffentlich zugänglich gewesen, betonten der oder die Aktivisten. Sie wurden "aus Online-Telefonbüchern, Wikipedia-Profilen und Impressen der Künstler-Webseiten kopiert", schrieben sie. Registriert beispielsweise jemand eine Internetadresse, ist dessen Anschrift über die zentrale Registrierungsstelle für Seiten mit einer .de-Endung (denic) abrufbar. Der Koordinator der Urheber-Aktion hatte die Veröffentlichung der Daten heftig kritisiert und von Bedrohung gesprochen. Auch der Deutsche Journalistenverband reagierte empört. Durch die Aktion solle die Diskussion um das Urheberrecht abgewürgt werden.

SPD kündigt Reformvorschlag an

Inmitten der Debatte will die SPD kommende Woche eigene Reformvorschläge für das Urheberrecht vorstellen. Das sagte der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil, am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Dabei soll es vor allem um die Bekämpfung von Plattformen gehen, auf denen Menschen illegal urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterladen können. Gleichzeitig räumte er Versäumnisse ein. Die Politik sei seit drei Jahren untätig und "kommt zu spät", sagte Klingbeil. "Da sind wir unserer Verantwortung nicht nachgekommen."

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