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Google soll mehr als 267.000 Links löschen

Über 70.000 Anträge  

Google soll mehr als 267.000 Suchergebnisse löschen

05.07.2014, 13:03 Uhr | AFP, dpa

Google soll mehr als 267.000 Links löschen. Google Logo (Quelle: dpa)

Google arbeitet an der Löschung von Suchergebnissen. (Quelle: dpa)

Internetnutzer haben europaweit mehr als 70.000 Anträge bei Google gestellt, Links aus Google-Suchergebnissen zu entfernen. Mehr als 12.000 Anträge davon stammen aus Deutschland. Insgesamt wollen die Bürger mehr als 267.000 Links streichen lassen, teilte Google am Donnerstag mit.

Das Verfahren sei für Google noch "neu" und entwickle sich stetig weiter, betonte eine Google-Sprecherin. Bei mehreren Medienunternehmen stieß die Entfernung erster Links auf Kritik.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte den Weg für die Löschgesuche frei gemacht. Er entschied Mitte Mai, dass europas Bürger von Suchmaschinen wie Google verlangen können, Links zu unangenehmen Dingen aus ihrer Vergangenheit aus den Suchergebnissen verschwinden zu lassen. Google müsse die Links aus seiner Ergebnisliste entfernen, wenn die Informationen das Recht auf Privatsphäre der Betroffenen verletzen.

Das trat eine Welle von Löschanträgen los, die Google nun bearbeitet. Dabei geht es nur um die Ergebnisse, die bei der Suche nach Personen angezeigt werden. Google begann vor einer Woche mit dem Entfernen von Links. Wie vielen Anträgen bereits stattgegeben wurde, konnte ein Sprecher am Donnerstag nicht sagen.

Die fraglichen Links werden allerdings nur in Europa unsichtbar gemacht. Auf der Internetseite erscheint zudem ein Hinweis, dass das Suchergebnis verändert wurde. Wer Google außerhalb von Europa benutzt, bekommt weiter alle Links angezeigt.

Eigentliche Inhalte werden nicht gelöscht

Das Recht auf Löschung betrifft nicht die Informationen an der Quelle, also auf der jeweiligen Internetseite, auf der sie weiterhin zu sehen sind. Diese Quellen müssen nicht gelöscht werden, denn von dem EuGH-Urteil sind nur die Suchanfragen nach dem Namen von Personen betroffen.

Um einen Antrag zu stellen, müssen Bürger ein Online-Formular ausfüllen und begründen, warum ein Link entfernt werden sollte. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere will Suchdienste wie Google allerdings nicht allein entscheiden lassen, welche persönlichen Daten im Internet auf Antrag von Bürgern gelöscht werden und welche nicht. Der CDU-Politiker sprach sich daher für eine unabhängige Streitschlichtung aus.

Kritische Stimmen: "Kampfansage" für die Pressefreiheit

Mittlerweile wurden auch kritische Stimmen zu der Lösch-Aktion laut, vor allem Journalisten meldeten sich zu Wort. Der BBC-Wirtschaftsredakteur Robert Peston erklärte, er sei darüber informiert worden, dass ein von ihm im Jahr 2007 veröffentlichter Text über den früheren Chef der Investmentbank Merrill Lynch, Stan O'Neal, bei Google-Suchen in Europa nicht mehr zu finden sei. "Dieses Beispiel meines Journalismus'" habe Google damit "getötet", beschwerte er sich.

Die britische Zeitung "Guardian" teilte mit, über die Löschung von sechs Links zu ihren Geschichten aus den Google-Suchergebnissen informiert worden zu sein. Drei davon hätten von der Kontroverse um einen umstrittenen schottischen Schiedsrichter aus der Premier League gehandelt. Google habe der Zeitung die Löschung nicht begründet und ihr auch keine Möglichkeit gegeben, gegen das Vorgehen Einspruch zu erheben. Das Vorgehen sei eine "Kampfansage" für die Pressefreiheit, erklärte der "Guardian".

Auch der "Spiegel" ist betroffen. In der Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins heißt es: "Google hat zum ersten Mal einen Artikel des Spiegel aus seinen Trefferlisten entfernt. Hintergrund ist die Erwähnung einer Person im Zusammenhang mit Scientology." Auffindbar sei der Artikel jedoch immer noch, wenn der Name der Person weggelassen werde.

Die konservative "Times" kommentiert das "fehlgeleitete EuGH-Urteil gegen Google" so: "Es kann auch als Zensur für verantwortungsbewussten Journalismus wirken. Das Urteil ist ein fehlgeleiteter Angriff auf die freie Meinungsäußerung. Das Gleichgewicht zwischen Schutz des Privatlebens und Meinungsfreiheit neigt sich mal wieder in die falsche Richtung."

"Wie unliebsame Bücher verbrennen"

Auch die weltweit größte Nachrichtenseite "Mail Online" erklärte, bei ihr seien Links zu Berichten über den umstrittenen Schiedsrichter aus der Google-Suche genommen worden. Nicht mehr über die Suchmaschine zu finden seien zudem eine Geschichte über ein Paar, das Sex in einem Zug hatte, und einen Muslim, der einer Fluggesellschaft vorgeworfen hatte, ihn wegen seines Namens nicht beschäftigt zu haben. "Diese Beispiele zeigen, was für ein Unsinn das 'Recht auf Vergessen' ist", sagte Herausgeber Martin Clarke von "Mail Online". Das sei so, als würde jemand in Bibliotheken gehen und unliebsame Bücher verbrennen.

Clarke kündigte an, eine Liste mit den Artikeln zu veröffentlichen, die aus den europäischen Suchergebnissen von Google herausgenommen wurden. Die BBC und "The Guardian" veröffentlichten bereits Links zu den monierten Geschichten.

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