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Redtube-Abgemahnte zahlten 600.000 Euro

Weitere Hausdurchsuchungen  

Porno-Abgemahnte zahlten 600.000 Euro

09.01.2015, 11:23 Uhr | jhof

Redtube-Abgemahnte zahlten 600.000 Euro. Redtube-Abgemahnte zahlten 600.000 Euro (Quelle: imago images/Screenshot/Rüdiger Wölk)

Redtube-Abgemahnte zahlten 600.000 Euro (Quelle: Screenshot/Rüdiger Wölk/imago images)

Die Justizposse im Redtube-Fall zieht weitere Bahnen. Zehntausende Internetnutzer erhielten Ende 2013 Abmahnungen wegen angeblich illegal heruntergeladener Pornofilme. Rund 600.000 Euro sollen in die Taschen des angeblichen Rechteinhabers "The Archiv AG" geflossen sein. Die Geschädigten dürften ihr Geld wohl nicht wiedersehen.

Das umstrittene Software-Gutachten und die eidesstattliche Versicherung, mithilfe der die Anwälte die Herausgabe von Kundendaten der Deutschen Telekom erzwingen konnten, sind nun Gegenstand von Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft, wie die Zeitung "Die Welt" berichtet. Nachdem die Richter die Auskunftsersuchen der Massenabmahner für angeblich rechtsverletzende Porno-Streamings allzu unkritisch genehmigt hatten, hat der Fall nun auch ein Nachspiel für die beteiligten Juristen.

Laut der "Welt" hat die Kölner Staatsanwaltschaft bereits im November 2014 mehrere Hausdurchsuchungen unter anderem bei einer Rechtsanwaltskanzlei angeordnet. Verhaftungen habe es nicht gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Redtube-Pornos waren gefälscht

Bei der Täuschung der Richter haben sich die Hintermänner der Abmahnwelle anscheinend nicht allein auf das irreführende technische Gutachten verlassen. So seien womöglich gefälschte Cover-Abbildungen der angeblich illegal heruntergeladenen Sexfilme eingereicht worden: Die Strichcodes auf den Packungen, die dem Gericht als Beweismittel vorlagen, stammten demnach von einer Modemarke ohne Bezug zu den Filmen.

Die Regensburger Anwaltskanzlei Urmann + Collegen versandte die Abmahnungen im Auftrag eines Berliner Kollegen an zehntausende Internetnutzer. In dem Schreiben forderten die Anwälte neben einer Unterlassungserklärung eine Zahlung von 250 Euro. Viele der Angeschriebenen überwiesen aus Angst das Geld. Wie die Zeitung erfahren haben will, gingen in den ersten Tagen insgesamt 600.000 Euro auf einem Konto einer bekannten Privatbank ein, das ein nicht genannter Rechtsanwalt verwaltete.

Unhaltbare Vorwürfe

Im April 2014 hatte ein Berliner Gericht die Abmahnungen schließlich für unrechtmäßig erklärt. Das Landgericht hat seine Ansicht zur Herausgabe der Nutzerdaten inzwischen revidiert. Die Kanzlei Urmann + Collegen legte ihr Mandat nieder und vertritt die Firma The Archive AG nicht mehr, die die Abmahnungen in Auftrag gegeben haben soll. Der in der Schweiz ansässige Firmeninhaber ist seit Anfang 2014 nicht mehr erreichbar.

Wer in der Porno-Affäre das große Geld kassierte, liegt bislang noch im Dunkeln. Die Summe sei relativ gering, schreibt die Welt. Von 45.000 Abmahnungen seien nur 36.000 tatsächlich verschickt worden. Zudem habe bereits wenige Tage nach Versand der ersten Schreiben eine kritische Berichterstattung eingesetzt, was die beteiligten Richter, Juristen, ja sogar die Bank, schnell handeln ließen.

Seitdem ist die Staatsanwaltschaft um Aufklärung und die Rettung ihres Rufs bemüht. Zahlreiche Zivilkammern des Landgerichts Köln hatten sich von den Abmahnern täuschen lassen. Der Regensburger Anwalt Thomas Urmann jedenfalls hat keine Zulassung mehr. Ende Dezember wurde die Kanzlei geschlossen und aufgelöst.

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