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Viele Patienten googlen heimlich ihre Krankheit

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Gesundheit  

Warum viele Patienten ihre Krankheit googeln – und es hinterher bereuen

26.01.2018, 09:08 Uhr | dpa, t-online.de

Viele Patienten googlen heimlich ihre Krankheit. Eine Ärztin untersucht ihren Patienten (Quelle: imago/Science Photo Library)

Eine Ärztin untersucht ihren Patienten: Viele Menschen holen sich Rat im Internet, wenn sie sich nicht gut fühlen. Die Mediziner ärgert das. (Quelle: Science Photo Library/imago)

Vom Krankheitsbild bis zur Behandlungsmethode: So mancher Patient verlässt sich nicht mehr nur auf den Arzt und sucht im Netz nach zusätzlichen Informationen. Dabei ahnen die meisten, dass "Dr. Google" kein guter Ratgeber ist. 

Fast die Hälfte der Menschen (46 Prozent), die sich in den vergangenen zwölf Monaten zu Gesundheitsthemen informiert haben, hat dafür das Internet genutzt. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, die auf einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage und auf Tiefeninterviews beruht. Demnach informierten sich 58 Prozent dieser Internetnutzer vor einem Arztbesuch online, und 62 Prozent recherchierten nach einem Arzttermin noch im Web nach.

Die Motive für den Blick ins Netz sind unterschiedlich: Patienten überprüfen laut den Tiefeninterviews die Informationen vom Arzt, recherchieren zu alternativen Behandlungsmethoden, suchen aber auch Austausch und emotionale Unterstützung. Und mit den Ergebnissen sind die meisten zufrieden: Gut jeder Zweite (52 Prozent) ist "immer" oder "meistens" zufrieden, vier von zehn (44 Prozent) sind "teils, teils" zufrieden. Niemand war völlig unzufrieden. "Anders als vielfach behauptet, ist das Internet ein geschätzter Ratgeber. Patienten finden, wonach sie suchen", erklärte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Nutzer haben Schwierigkeiten, Informationen richtig einzuordnen

Bei der Bewertung der im Netz gefundenen Informationen durch die Patienten zeigt die Studie ein gemischtes Bild: Laut der repräsentativen Befragung sagen rund zwei von drei Befragten (65 Prozent), es sei schwierig zu erkennen, welche Informationen vertrauenswürdig sind und welche nicht. Jeder Zweite (51 Prozent) gab zudem an, die Fülle der Informationen verwirre.

In den Tiefeninterviews zeigte sich zudem, dass viele den im Netz gefundenen Informationen oft vorschnell vertrauen, wie Marion Grote-Westrick von der Bertelsmann-Stiftung sagt. Patienten würden kaum darauf achten, ob eine gefundene Information auch wissenschaftlich belegt sei. Entscheidend sei für die Patienten häufig eher, wie oft eine Information im Netz auftauche.

Im Netz häufig konsultierte Adressen für Gesundheitsinformationen sind an erster Stelle Online-Lexika. Sie nutzen fast drei von vier Befragten (72 Prozent), gefolgt von den Internetseiten der Krankenkassen (49 Prozent) sowie Gesundheitsportalen (42 Prozent).

Patienten bilden sich ihre eigene Meinung im Netz – für die Ärzte ist das ein Problem

Die Ärzte selbst stehen der Internetrecherche ihrer Patienten oft skeptisch gegenüber, wie auch diese Studie bestätigt. Nur 20 Prozent der Mediziner ermutigen demnach Patienten zur Informationssuche im Internet – 14 Prozent raten sogar davon ab. Immerhin 40 Prozent verweisen auf gute Informationsquellen.

"Ärzte müssen lernen, mit Apps umzugehen, und den Patienten sagen, wo sie im Netz verlässliche Informationen finden", sagte Corinna Schaefer von der Bundesärztekammer der Deutschen Presse-Agentur. Und sie müssten viel stärker als früher nachfragen, was die Erwartungen der Patienten sind. Denn diese haben durch das Netz oft schon Vorstellungen – etwa, dass Schmerzen mit einer bestimmten Behandlungsmethode um 50 Prozent reduziert werden könnten. Ärzte sollten gute Informationsquellen im Netz kennen und empfehlen, fordert die Stiftung.

Patienten schämen sich für ihre Online-Recherche

Doch nicht nur die Mediziner sind gefragt – auch die Patienten müssen etwas tun: "Es ist als Patient wichtig, die im Netz gefundenen Infos auch auf den Tisch zu legen", fordert Schaefer. Denn nur dann könne der Arzt auf die Erwartungen der Patienten eingehen. Transparenz bei der Kommunikation beuge Misstrauen in der Arzt-Patienten-Beziehung vor.

Gerade an Transparenz zwischen Arzt und Patient mangelt es laut der Studie derzeit noch oft: Fast jeder Dritte (30 Prozent), der im Netz nach Gesundheitsinformationen sucht, hat dies dem Arzt schon einmal verschwiegen. Ein Viertel hat sogar Angst, dass der Arzt sich darüber ärgert. Dabei sind diese Sorgen der Studie zufolge oft unbegründet. 81 Prozent der befragten Ärzte sehen es prinzipiell positiv, dass Patienten sich im Netz informieren.

Quellen:
Nachrichtenagentur AFP

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