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Fitte Lehrer: Der lange Weg zum digitalen Klassenzimmer

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Fitte Lehrer gesucht  

Der lange Weg zum digitalen Klassenzimmer

08.03.2018, 17:43 Uhr | Irena Güttel, dpa

Fitte Lehrer: Der lange Weg zum digitalen Klassenzimmer. Lehrerfortbildung zur Digitalisierung (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)

Lehrerfortbildung zur Digitalisierung: Malin Mätch, Angela Smit-Fornfeist, Rüchan Solaker, Basti Bechtel und Steffen Jauch (l-r) von der Oberschule Calberlah nehmen an der Schulung teil. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Tablet und Smartphone sollten an Schulen so selbstverständlich wie Stift und Papier sein. Doch der Weg zum digitalen Klassenzimmer ist noch weit. Es hapert nicht nur an der Technik.

Zu den Füßen von Rüchan Solaker spielt ein kleiner Roboter Bowling. Drei andere stehen neben dem Lehrer auf den Tischen. Schüler können diese in seinem Informatikunterricht an der Oberschule Calberlah in der Nähe von Gifhorn programmieren. In Mathematikstunden veranschaulicht der Lehrer an ihnen, wozu man das Gelernte braucht. "Mathe ist der Schlüssel", sagt er.

Moderner Unterricht

Moderne Technik ist an Solakers Schule selbstverständlich: Es gibt dort schnelles Internet, Computerräume und interaktive Whiteboards mit Online-Zugang in jedem Klassenzimmer. Nächstes Schuljahr soll auch ein 3D-Drucker dazukommen. "Für eine Dorfschule sind wir gut ausgestattet", sagt Solaker und ergänzt: "Wir können ja nicht sagen, dass wir modernen Unterricht machen und hängen dann bei der Technik und unserem Wissen hinterher."

Ein "starkes Digitalland" soll Deutschland werden, so steht es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Wie wichtig Schwarz-Rot das Anliegen ist, zeigt auch, dass es im Bundeskanzleramt nun mit Dorothee Bär (CSU) eine Staatsministerin für Digitales gibt. Neben dem Breitbrandausbau und der Internet-Sicherheit will die neue Bundesregierung auch die digitale Bildung voranbringen - und das ist dringend nötig, sagen Experten.

Spielend lernen mit dem Computer (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)Spielend lernen mit dem Computer: Laura Keller von der HABA Digitalwerkstatt führt einer Lehrerin ein Programm vor. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

"Es gibt Schulen, die sind auf dem Beststand. Doch das sind Leuchttürme, das findet man nicht in der Breite", sagt Andreas Hofmann vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ).

Wie unterschiedlich der Stand ist, lässt sich auf der bundesweiten Lehrerfortbildung "Mobile.Schule" an der Universität Oldenburg beobachten, die das NLQ organisiert. 850 Pädagogen und Schulträger aus ganz Deutschland sind angereist. In Workshops wollen sie von anderen Kollegen lernen, wie diese digitale Medien im Unterricht einsetzen.

Mit der Technik gehen

Einer von ihnen ist Julian Willms. Der 30-Jährige verwendet in seinem Englisch-Unterricht an der Oberschule in Uelzen regelmäßig Apps: zum Vokabellernen, für Grammatikübungen und als Hörbeispiele. "Es wird immer mehr", sagt er. "Ich bin hier, weil wir uns weiterentwickeln wollen - wir wollen mit der Technik gehen."

Lehrer erklärt seinen Schülern ein Lernprogramm auf dem Tablet. (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)Lernen auf dem Tablet: Lehrer Jan Dobrindt erklärt Schülerinnen der IGS Lehrte ein Programm auf einem Tabletcomputer. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Doch daran hapert es noch an vielen Schulen. "Da herrscht in Deutschland leider immer noch Kreidezeit", sagt die Bildungsexpertin vom Branchenverband Bitkom, Juliane Petrich. Es fehle an Breitband- und W-LAN-Anbindungen, aber auch an Laptops, Tablets und Whiteboards.

Dabei sei es gerade Aufgabe der Schulen, Jugendlichen dabei zu helfen, die digitale Welt zu verstehen. "Nur weil man privat Youtube-Videos schaut oder WhatsApp nutzt, versteht man noch lange nicht, was hinter allem steckt."

Medienkompetenz

Smartphone und Tablet sollten in der Schule so selbstverständlich sein wie Stift und Papier, findet die Oldenburger Professorin für Didaktik der Informatik, Ira Diethelm. Eine bessere Ausstattung allein reiche jedoch nicht aus. "Die Bildung wird durch die Technik nicht verbessert. Diese stellt aber neue Anforderungen an die Allgemeinbildung."

Schüler müssten im Unterricht auch Medienkompetenz erlernen - zum Beispiel sollten sie verstehen, wie eine Cloud funktioniert und wieso eine Google-Anfrage auf verschiedenen Smartphones zu unterschiedlichen Ergebnissen führt.

Lehrer informieren sich über Geräte und Lehrmaterial für den Unterricht. (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)Digitale Weiterbildung: Grundschullehrerin Sabine Cordts (r) informiert sich über Geräte und Lehrmaterial für den Unterricht. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Doch darauf sind viele Lehrer nicht ausreichend vorbereitet - selbst diejenigen nicht, die mit dem Internet aufgewachsen sind. "Die Mär, dass die Digital Natives alles mitbringen, stimmt nicht", sagt Hofmann. Der Umgang mit der digitalen Welt müsste in der Lehrerausbildung deshalb eine viel größere Rolle spielen.

3,5 Milliarden Euro will die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode in die Digitalisierung der Schulen stecken, also in Server, Netzanbindungen und Computer. Für Experten wie Hofmann und Diethelm ist das ein erster Schritt - von vielen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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