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Datenaffäre: So finden Sie heraus, was Facebook über Sie weiß

Telefonverbindungen, SMS, Anrufer  

Der eigene Datensatz verrät, was Facebook alles über uns weiß

26.03.2018, 09:18 Uhr | t-online.de, str, hd

Datenaffäre: So finden Sie heraus, was Facebook über Sie weiß. Facebook (Quelle: AP/dpa/Jeff Chiu)

Facebook: Aus tausenden Daten entsteht das Profil einer Person. (Quelle: Jeff Chiu/AP/dpa)

Welche Informationen sammelt Facebook eigentlich über seine Nutzer? Wer seinen Datensatz herunterlädt, bekommt einen Eindruck davon. Gespeichert werden von der App unter anderem alle eingehende und ausgehende Anrufe, SMS, die Namen der Anrufer, die Uhrzeit und die Dauer der Telefonate. 

Facebook sammelt viel mehr Daten, als viele Nutzer ahnen. Darunter sind Informationen, die man nicht bewusst angibt. Login-Daten, Telefonprotokolle, Geräteinformationen, Standortdaten, Nutzungsdauer – solche Informationen fallen quasi nebenbei an. Aus ihnen kann der Konzern eine Menge ableiten. Facebook häuft ein Wissen an, das dem Nutzer verborgen bleibt. 

Immerhin: Den vollständigen Datensatz kann man sich herunterladen. So kann jeder selbst nachschauen, was er von sich verraten hat. In den meisten Fällen ist das ziemlich viel und wird von Facebook nicht sehr übersichtlich aufbereitet. Wir haben uns einen Datensatz angesehen und erklären, wo die interessanten und vielleicht überraschenden Informationen zu finden sind.

So laden Sie den Datensatz herunter

Die Funktion hat Facebook ein wenig versteckt: Man findet sie unter den allgemeinen Kontoeinstellungen. Unter der Auflistung von Name, E-Mail-Adresse und Konto-Link steht "Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter". Das ist der Link, der zum Archiv-Download führt. 

Facebook Link (Quelle: t-online.de/Screenshot)Unter diesem Link lädt man seine Kontodaten herunter. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Die Datei kommt als zip-Anhang per E-Mail an. Entpackt misst das Archiv mehrere Megabyte. Es beinhaltet mehrere Ordner: einen mit den allgemeinen Kontodaten, einen Ordner für Fotos und einen für Videos. Die interessantesten Dinge befinden sich in dem ersten Ordner mit der Aufschrift "html". Diese Listen sollten Sie genauer unter die Lupe nehmen: 

"Ads"

Hier findet sich zunächst eine Auflistung aller Interessen, die Facebook und seine Anzeigenkunden als werberelevant eingestuft haben und mit Ihnen in Verbindung bringen. Auf der Basis dieser Stichworte können Werbetreibende Anzeigen schalten, in der Hoffnung, Ihr Interesse zu wecken. 

Archiv Download (Quelle: t-online.de/Screenshot)Das Archiv kommt per Mail als zip-Datei. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Von diesen angeblichen Interessen trifft vermutlich vieles nicht zu oder wirft zumindest Fragen auf. Unserem Datensatz zufolge interessiert sich die Testperson beispielsweise für "Knowledge", also "Wissen", "Monopoly" und "Mainstream". Andere Kategorien sind konkreter: Das unterstellte Interesse in "Konzerte", "Prenzlauer Berg" (Wohnort) oder "Radfahren" trifft zu, obwohl sie von der Person nicht explizit im Profil angegeben wurden. Vermutlich hat sie Facebook aus Aktivitäten, Postings und "gefällt mir"-Angaben abgeleitet. 

Es folgt eine Auflistung der Interaktionen mit Werbetreibenden. Hier tauchen zum Beispiel alle Anzeigen auf, die man auf Facebook geklickt hat. Unsere Testperson hat vor allem auf Videos geklickt, die einen scheinbaren Nachrichtenbezug hatten. Dabei waren sie von Facebook als Anzeige platziert worden. 

In den USA hat genau diese Unschärfe im Zusammenhang mit den Russland-Ermittlungen für Kritik gesorgt: So konnte Facebook im Nachhinein zahlreiche Anzeigen mit Bezug zur Präsidentschaftswahl auf Auftraggeber aus Russland zurückführen. Facebook hat versprochen, hier in Zukunft transparenter zu sein und offen zu legen, wer dafür bezahlt, damit bestimmte Personen bestimmte Inhalte zu sehen bekommen. 

Ebenfalls aufschlussreich ist die Auflistung der Werbetreibenden, die die Kontaktinformationen des Nutzers von Facebook erhalten haben. In unserem Fall sind darunter Online-Services, bei denen der Nutzer ein Konto besitzt, aber auch viele dem Nutzer völlig unbekannte Namen, darunter ein Lotterie-Anbieter, ein Autoteile-Zulieferer und ein Online-Magazin. Wie diese Firmen an die Kontaktdaten gelangt sind, konnten wir nicht feststellen. 

"contact_info"

Unter diesem Reiter verbergen sich nicht nur Ihre eigenen Kontaktinformationen, sondern unter Umständen auch die aus Ihrem ganzen Telefonbuch (nicht nur Facebook-Freunde). Scrollen Sie nach unten. Wenn Sie eine App von Facebook nutzen, befindet sich dort ein vollständiges Telefonprotokoll: Eingehende und ausgehende Anrufe, SMS, die Namen der Anrufer, die Uhrzeit und die Dauer des Telefonats. 

Facebook hat auf Berichte über die Erhebung von Anruf- und SMS-Daten mit einem Blog-Beitrag reagiert. Das Unternehmen schreibt darin, dass es die Daten niemals verkauft habe und dass Nutzer die Kontrolle über die auf Facebook hochgeladenen Daten haben. Dieser "Fakten-Check" widerspricht aber Angaben, die Nutzer bei der Analyse von Facebook-Daten-Downloads gefunden haben.

"friends"

Das ist Ihre vollständige Freundesliste. Alle Namen, das Datum, an dem sie hinzugefügt wurden, alle verschickten, empfangenen und gelöschten Freundesanfragen. Das spannendste Detail findet sich ganz am Ende der Liste: Die "Friend Peer Group". Das ist also das Umfeld, in das Facebook Sie einordnet. In unserem Fall ist das "established adult life", die Freunde führen also überwiegend ein solides Erwachsenenleben. Was Facebook mit dieser Information anfängt, darüber können wir nur spekulieren. 

"security"

Diese Daten wirken auf den Normalnutzer kryptisch. Datenanalysten könnten aber eine Menge aus den Metadaten herauslesen. Wann man sich von wo aus oder mit welchem Gerät eingeloggt hat. Wie viel Zeit man auf Facebook verbringt. Welchen Browser man nutzt. Cookie-Einträge, Standorte, IP-Adressen. 

Alles andere

Natürlich hat Facebook auch alle Ihre Chat-Protokolle, Events, Likes und Postings gespeichert. Auch Ihre gelöschten Kommentare sind nicht weg. Sie bleiben auf den Servern von Facebook gespeichert.

Aus alledem lassen sich ebenfalls interessante Erkenntnisse gewinnen. Eine sprachliche Analyse der Beiträge zum Beispiel könnte Hinweise geben über den Bildungsstand oder sozialen Hintergrund des Nutzers. Und der Gebrauch von Emojis verrät gewissermaßen, wie der Nutzer sich fühlt. 

Warum es wichtig sein kann, sich dessen bewusst zu sein? Weil Konzerne ihr Wissen über den Konsumenten ausnutzen können, um aus seinen Schwächen Kapital zu schlagen. 

Vor einigen Jahren führte Facebook ein geheimes Psycho-Experiment durch: Für diese Studie manipulierte der Konzern die Newsfeeds von mehr als 300.000 Nutzern. Den einen wurden überwiegend positive Beiträge angezeigt, den anderen überwiegend negative Neuigkeiten. Die Forscher wollten herausfinden, ob sich die Nutzer von den präsentierten Emotionen anstecken ließen und wie sich das auf ihr Facebook-Verhalten auswirkte. 

Ein Zusammenhang wurde tatsächlich festgestellt. Die Studienteilnehmer hatten bei alledem aber keine Ahnung, dass sie Teil eines Experiments geworden waren. Facebook musste dafür viel Kritik einstecken.

Seither dürfte sich das Netzwerk zweimal überlegen, ob es solche Studienergebnisse veröffentlicht. Dabei wäre es gerade jetzt so wichtig wie nie zu erfahren, wie das soziale Netzwerk in seinem Innersten tickt und wie sich das auf das Denken und Handeln der Nutzer auswirkt. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • The Atlantic über Facebooks Stimmungsexperiment
  • Forschungspapier zum Stimmungsexperiment
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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